Aktuell bin ich beim Doc für meine monatliche „Anti-Katze-Spritze“. Auf dem Weg in die Innenstadt von Winterthur fiel mir das geordnete Chaos auf der Strasse und in der Fußgängerzone auf. Und ich fand glücklicherweise noch einen Parkplatz im Museumsparkhaus.
Fahrgeschäfte mitten in der Stadt beim MuseumWohl mein Stammplatz. Das Rock Zelt.
Warum der „Auflauf“? Die Aufbauten für das „Albani-Fest“ laufen auf Hochtouren. Überall werden Zelte in allen Grösse aufgebaut. Foodtrucks mit Material beschickt. Alles Mögliche kann man essen und trinken an den unzähligen Ständen. Die Fahrgeschäfte und das grösste mobile Riesenrad stehen mitten in der Altstadt von Winterthur. Los geht es heute Abend! Zwei Tage bis 3 Uhr morgens. Am Sonntag ist dann eher Schluss.
Etwas Geschichte: Das Albanifest ist das grösste Stadt- und Vereinsfest Europas und findet jährlich am letzten Juni-Wochenende in der Winterthurer Altstadt statt. Es erinnert historisch an die Verleihung des Stadtrechts an Winterthur durch Rudolf von Habsburg am 22. Juni 1264.
Das erste Albanifest der Neuzeit fand 1971 statt. Über die Jahre entwickelte sich das Albanifest zu einem der grössten Altstadtfester in Europa. Der Bund nahm es 2011 als wichtige lebendige Tradition in die Schweizer UNESCO-Liste der immateriellen Kulturgüter auf.
Kulinarik und Vereine: Über 60 Vereine und lokale Verbände betreiben Festwirtschaften und präsentieren Speisen aus aller Welt.
Musik und Kultur: Besucher erwarten zahlreiche Gratis-Konzerte, Kleinkunst-Acts und verschiedene Bühnen über die gesamte Altstadt verteilt
Die „Chilbi“: Ein grosser Jahrmarkt mit Bahnen, Buden und einem traditionellen Riesenrad, das einen Überblick über das bunte Treiben bietet.
Das Albanifest in der Winterthurer Altstadt hat an folgenden offiziellen Zeiten für Festwirtschaften und Unterhaltung geöffnet:
Freitag: 18:00 – 03:00 Uhr
Samstag: 13:00 – 03:00 Uhr
Sonntag: 10:30 – 22:00 Uhr
Wichtige Details zum Festbetrieb:
Chilbibahnen: Am Freitag zwischen 18:00 und 18:30 Uhr fahren alle Bahnen gratis.
Am Sonntag gibt es zwischen 10:30 und 11:00 Uhr halber Preise
Im 14. Jahrhundert hat auf der Iberischen Halbinsel die Wiedereroberung muslimischer Herrschaften durch christliche Könige längst eingesetzt. Die Tage der Muslime in Al-Andalus scheinen gezählt. Damit sich die Nachwelt an Yusuf I. und das Haus der Nasriden erinnert, lässt er hoch über Granada einen Palast errichten, der zu den Juwelen islamischer Baukunst zählt: die Alhambra.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hat auf der Iberischen Halbinsel die Reconquista, die Wiedereroberung muslimischer Herrschaftsgebiete durch christliche Könige, längst begonnen. Die Tage der Muslime in Al-Andalus scheinen gezählt. Seit dem frühen 8. Jahrhundert herrschen sie im Süden des heutigen Spaniens.
In Granada ist es im 14. Jahrhundert das Herrscherhaus der Nasriden. Nach einer vernichtenden Niederlage beschließt der Nasride Yusuf I., der Nachwelt einen Palast zu hinterlassen, der die Erinnerung an die glanzvolle Zeit der Muslime in Stein verewigt. Er und sein Sohn Muhammad V., der den berühmten Löwenhof errichten lässt, beauftragen mit der Ausführung und Überwachung des Baus ihren Wesir Ibn al-Khatib und dessen Schüler Ibn Zamrak.
Die Verse der beiden Dichter zieren noch heute die Wände dieses Juwels islamischer Baukunst. Über den Bau der Alhambra kommt es zu einem Zerwürfnis dieser Männer, das in der Flucht Ibn al-Khatibs, seiner späteren Verurteilung zum Tod und der Verbrennung seiner Bücher endet. Die Aufzeichnungen des Universalgelehrten Ibn al-Khatib über Granada und den Bau der Alhambra im 14. Jahrhundert bilden die Grundlage dieser filmischen Reise hinter die Mauern eines der schönsten und geheimnisvollsten Bauwerke der Welt.
Für die zentrale Rolle des Ibn al-Khatib konnte der aus Ägypten stammende Hollywoodschauspieler Amr Waked gewonnen werden. Das Dokudrama will die architektonische, religiöse und kulturelle Bedeutung der Alhambra entschlüsseln und eines der goldenen Zeitalter europäischer Geschichte würdigen.
Dokumentarfilm von Isabel Fernández (E 2021, 87 Min)
#alhambra #andalusien #palast Video verfügbar bis zum 31/05/2026
Übrigrns: Ende Oktober sind wir in Malaga und Granada.
Kann das Wissen von Al-Kindi, Al-Razi oder Avicenna neue Perspektiven für die Medizin der Zukunft eröffnen? Von Fès über Rabat und Istanbul bis nach Straßburg begibt sich ein Wissenschaftsteam auf die Spur vergessener Manuskripte der arabischen Medizin des Mittelalters. Der Dokumentarfilm schlägt eine Brücke zwischen den Gelehrten früherer Jahrhunderte und heutigen Forschenden.
Können alte Heilkünste den Weg für innovative Therapien ebnen? In den Bibliotheken von Fès, Rabat und Istanbul entdecken französische Forscher ein faszinierendes Kapitel der Wissenschaftsgeschichte neu: die arabische Medizin des Mittelalters. Zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert legten Gelehrte wie Al-Kindi, Al-Razi, Avicenna oder Geber mit systematischen Beobachtungen, Experimenten und sorgfältigen Aufzeichnungen die Grundlagen der modernen Pharmakologie. Ihre lange verkannten oder gar verdrängten Schriften zeugen von einer erstaunlich modernen Denkweise, die auf einem experimentellen, streng klinischen Ansatz basiert.
Diese Wiederentdeckung bildet den Ausgangspunkt einer außergewöhnlichen Forschungsarbeit. Historiker, Biologen und Chemiker des CNRS bündeln ihren Sachverstand, um dieses vergessene Wissen neu zu erschließen. Die Dokumentation wandelt kontinuierlich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei wird deutlich: Die Werkzeuge der Wissenschaft haben sich verändert, ihre Methode ist jedoch dieselbe geblieben – beobachten, vergleichen, experimentieren. In Bibliotheken entschlüsseln die Forscher arabische Texte des Mittelalters, in Laboren prüfen sie die Hypothesen der einstigen Gelehrten. Ein von Avicenna beschriebenes Mittel gegen Hautinfektionen bildet das Herzstück der Untersuchung und steht sinnbildlich für die Weitergabe von jahrhundertealtem Wissen. Zugleich stellt die Dokumentation grundlegende Fragen: Warum wurde dieses Wissen aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt? Weshalb blieb das goldene Zeitalter der arabischen Medizin im Westen so lange unbeachtet?
Dokumentarfilm von Mathieu Schwartz und Anaïs Van Ditzhuyzen (F 2025, 90 Min)
#medizin #heilkunst #doku Video verfügbar bis zum 27/10/2026
Es ist immer wieder sehr spannend, was sich seit 1986 (vor jetzt 40 Jahren) in Regensburg alles verändert hat. Damals plante man noch eine Kongresshalle am Donaumarkt, Autos befuhren die Steinerne Brücke. Ich dachte schon, dass ich mich am Steuer des beigen Polo sitzen sah. Aber das Auto hat ein Land-Kennzeichen.
Die Steinerne war damals 850 Jahre alt, ein grosses Hotel sollte auf die Wördinsel gebaut werden, eine 2-Meter hohe Flutschutzmauer sollte Spitalgarten und das Ufer Stadtamhof verschwandeln. Auch sonst ist viel zu entdecken, was es damals noch gab.
Auf ARTE läuft gerade „Krieg der Königinnen“ – Eine Doku über Elisabeth I. und Mary Stuart.
Was das mit Regensburg zu tun hat? Nach den Plänen von Papst Pius V. und seinem Bruder Philipp II. König von Spanien, hätte Don Juan de Austria Mary Stuart heiraten sollen.
Papst Pius V. hatte Don Juan nach seinem Sieg bei Lepanto ein Königreich versprochen. Ausserdem war England und dir Hälfte des Adels in Schottland zum Protestantismus übergetreten, was Papst Pius V. und dem streng gläubigen Philipp II. gar nicht passte. Das heilige Römische Reich sollte katholisch bleiben.
Deshalb kämpfte ja auch zu diesem Zeitpunkt Don Juan de Austria gegen die Aufständischen in den Niederlanden. Vorher war er zuerst nach Madrid gereist.
Dort besprach er mit seinem Bruder Philipp die Heiratspläne mit Mary Stuart. Philipp II. beförderte Don Juan zum Statthalter der Niederlande und schickte ihn aber zuerst nach Luxemburg. Dort traf er zum einzigen und letzten Mal auf seine Mutter Barbara Blomberg. Er überzeugte sie mit ihrem „Hofstaat“ nach Neapel zu gehen. (Das Schiff fuhr allerdings nach Nordspanien).
Don Juan de Austria mit seinem Löwen Austria zu seinen Füssen
Don Juan stellte selbst eine Armee auf (Teusche und Schweizer Söldner) und kämpfte gegen die aufständischen Niederländer. 1577 unteschrieb er einen Friedensvertrag und zog pompös in Brüssel ein.
Don Juan überlebte in den Niederlanden nur knapp einen Mordanschlag, der von englischer Seite aus auf ihn geplant war, da die englische Königin Elisabeth I. befürchtete, dass er Maria Stuart heiraten und sie gewaltsam mit einem Heer befreien könnte.
In Feldlager Namur befiel Don Juan eine rätselhafte Krankheit. Es sei Typhus gewesen an dessen Folgen er mit nur 31 Jahren wahrscheinlich starb. Am 1. Oktober 1578. Es gibt aber auch Gründe anzunehmen, dass er über einen langen Zeitraum durch Gift im Essen getötet wurde, zumal Juan de Austria monatelang dahingesiecht war. Auch phantasierte er kurz vor seinem Tod, was eher gegen Typhus spricht.
Mary Stuart Königin von Schottland
So kam es nie zum Krieg unter Don Juan de Austria gegen Elisabeth I. von England, zur Befreiung von Mary Stuart und zur prunkvollen Hochzeit. Das Heer und die Flotte wäre riesig gewesen. Spanien, Venedig, Rom hätten es aufgestellt. England hätte keine Chance gehabt. Die Geschichte wäre umgeschrieben worden.
Als Don Juan starb, soll sein zahmer Löwe „Austria“ stundenlang gebrüllt und geheult haben. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt in Neapel.
Mary Stuart Königin von Schottland starb 9 Jahre nach Don Juan am 8. Februar 1587 nach 18 Jahren Gefangenschaft im Alter von 44 Jahren auf dem Schaffott durch Enthauptung.
BTW: Man stelle sich vor, der Plan hätte geklappt. Elisabeth I. wäre besiegt worden, Don Juan hätte Mary geehelicht, sie hätten Kinder bekommen. Dann würde heute ein Erbe von Don Juan auf dem Englischen Thron sitzen.
Ausserdem: Vielleicht war es ein Fehler von Philipp II. Don Juan zuerst in die Niederlande zu schicken. Papst Pius V. hatte über Gesandte das Spanische Königshaus darauf gedrängt sich vorrangig um England zu kümmern. Im Namen der Katholischen Kirche.
Nach der Eroberung von England und Schottland hätte man sich gemeinsam um die Niederlande kümmern können. Ich nehme aber an, dass Philipp seinen Halbbruder nach Lepanto nicht noch berühmter und mächtiger machen wollte. Sein Berater beeinflusste ihn dahingehend. Dabei geht aus den Memoiren klar hervor, dass Don Juan seinem Bruder voll ergeben war.
Und: Schöne Kinder hätten die beiden sicher bekommen. Barbara Blomberg galt als eine der Schönsten und war auch im hohen Alter in Luxemburg heftig umworben. Ihr kam Don Juan nach. Er war sehr attraktiv und begehrt. Ein paar uneheliche Kinder hatte er bereits gezeugt. Auch wenn er sich der Überlieferung nach eher der Kriegskunst als den Mädels zugeneigt sah. Mary Stuart war eine grosse Persönlichkeit. Mit über 1,80 Metern stach sie aus den sonst eher zierlichen Ladys heraus. Sie hatte lockiges feuerrotes Haar und einen damals begehrten Porzellan-artigen hellen Teint. Dazu braun/blaue Augen. Ausserdem war sie schlank und streng katholisch. Hätte somit alles „gepasst“.
Der Baumburger Turm gilt als einer der schönsten der in Regensburg erhaltenen 20 Geschlechtertürme. Es gab bis zu 70 Stück davon im 13. Jahrhundert.
Erbaut wurde der 28 m hohe, siebengeschossige und mit einem Zinnenkranz geschmückte Turm am Ende des 13. Jahrhunderts von den Ingolstettern, einem der reichen Regensburger Patriziergeschlechter. Die ehemals mit einem zweijochigen Kreuzrippengewölbe versehene Erdgeschosshalle wurde als Hauskapelle genutzt. Im 14. Jahrhundert kam die Hausburg in den Besitz der Baumburger. Der spätgotische östliche Anbau eines Wohntraktes wurde im 15. Jahrhundert bis zur Kramgasse erweitert. In dieser Zeit entstand laut Denkmalliste auch ein südlicher Wohnanbau mit Adresse Kramgasse 3.
Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Rundbogenlaube mit Brüstung und einer zurückgesetzten, von drei Fenstern durchbrochenen Rückwand. Diese Laube wurde später aus klimatischen Gründen geschlossen. Im 16. Jahrhundert wurde die Laube sogar ganz zugemauert und durch ein normales Fenster ersetzt, ähnlich dem wieder gotisch gestalteten Fenster über der Laube. Erst 1914 wurden bei Baumaßnahmen die Rundbogenlaube und die Fenstergruppen wieder freigelegt.
Im Jahr 1700 eröffnete Bernardo Valois die Kapelle San Patricio in der Pfarrkirche von Puerto de la Cruz in La Orotava. Im Jahr 1712 hat er sein Haus und sein Handelsbüro fertiggestellt, im religiösen und sozialen Zentrum von Puerto, gegenüber dem Platz der Kirche Nuestra Señora de la Peña de Francia gelegen. Das Haus beherbergte eine Bibliothek mit über 700 Exemplaren in Französisch und Englisch. Ursprünglich beherbergte es die Familie Valois mit ihren Bediensteten.
Im Jahr 1798 lebten dort 7 Familienmitglieder, 8 Diener und der Konsul von Genua. Die Valois waren mit anderen Familien wie den Cólogan verwandt. Das Stammhaus beherbergte mehrere Generationen des Nachnamens Cólogan, wobei dieser bis zum 20. Jahrhundert im Besitz war. Vier Mitglieder der Familie waren Bürgermeister von Puerto de la Cruz. Aufgrund des wirtschaftlich-politisch-sozialen Einflusses der Familie war das Haus ein Refugium für zahlreiche Persönlichkeiten, wie Alexander von Humboldt.
Die Familie Cólogan eröffnet 1883 eines der charmantesten Hotels auf ganz Teneriffa in einem ihrer schönsten Häuser der Stadt, mit Balkonen mit Glasfenstern zur Hauptstraße. Das Hotel war ein häusliches Museum, in dem alle Haushaltsgegenstände und Möbel der Familie aufbewahrt wurden. Es war ein Ort, an dem wichtige gesellschaftliche Ereignisse stattfanden.
So wohnte u. A. Alexander von Humbold samt Anhang in diesem Hotel.
Laura Micaela de Cólogan Franchi y Heredia trug ab 1864 den Titel einer Marquesa de Candia, einen Namen, den das Hotel erhielt, als sie es nach dem Tod ihres Mannes (Tomas Fidel Cólogan) direkt leitete. Heute trägt es noch denselben Namen: Hotel Marquesa.
Während Regensburg im Allgemeinen mit dem Erbe von Don Juan de Austria eher stiefmütterlich umgeht (Ausser einer Tafel an der Wand der Geburtshauses und einer Kopie der Statue von Messina gibt es keine Informationen) ging und geht man in Spanien ganz anders mit der Beziehung von Don Juan zu Karl V. um. Auch heute noch im Geschichtsunterricht.
Anekdote: Don Juan’s Geburt fiel exakt auf den Geburtstag von Karl V. am 24.02.1500. Nur 47 Jahre später.
Presentación de don Juan de Austria al emperador Carlos V, en Yuste
Zeugnis dessen ist ein Ölgemälde aus 1869, welches die Vorstellung von Don Juan zeigt. Bis dahin lebte er als „Geronimo“ bei einer „Pflegefamilie“ – einer vertrauten Familie von Karl: Luis de Quijada in Leganes.
Tatsächlich sah Karl V. seinen Sohn von Klein auf aufwachsen. Bei Festen und Audienzen war die Pflegefamilie samt Don Juan anwesend. Nur Don Juan/Geronimo wusste bis zur Testamentseröffnung nach dem Tod von Karl V. nichts davon.
Karl V. liess sich auch sonst über die Situation und Lernerfolge seines Sohnes informieren. In schriftlichen Aufzeichnungen wird seine Begeisterung für die stattliche Figur, die Lebhaftigkeit, Zielstebigkei, Lernbereitschaft und für das gutes Benehmen von Don Juan bezeugt.
Den Spaniern bzw. damals dem Heiligen römische Reich Deutscher Nationen war die erste Vorstellung so wichtig, dass diese in einem Ölgemälde in allen Feinheiten festgehalten wurde.
Eigentlich ist es kein Geheimnis, sondern eher eine interessante Enstehungsgeschichte; denn die Ganymed Skulptur am Bürkliplatz ist ein Symbol der Schwulenszene in Zürich. Aber fangen wir ganz von Vorne an.
Die wohl meistfotografierte Skultur in Zürich: Ganymed und der Adler am Bürkliplatz
Dort, wo heute die schön Uferpromenade direkt am Seebecken liegt und jedes Jahr Tausende von Touristen zusammen mit den Einheimischen flanieren, sich am Panorama erfreuen, und alle Jahre fast eine Million Raver zur Streetparade vorbeitanzen, war noch im 18. Jahrhundert eine ausgedehnte Schanzenanlage. Dort wurden keine Fotos geschossen, sondern die noch kleine, aber damals schon bedeutende, Stadt Zürich verteidigt.
Die 3. Stadtbefestigung von Zürich, nachträglich kolorierter Stich von Heinrich Vögelin, 1705. Braun die nach Plänen Werdmüllers ab 1642 angelegten Schanzen. Legende siehe im Artikel Stadtbefestigung (Zürich) wikipedia, Marco Zanoli.
Ein grosser Teil der Schanzenanlage ist heute noch erhalten. So wird ein Teil beim Kongresshaus heute als Bootssteg genutzt. Die Promenade folgt entlang der Zickzacklinie der ehemaligen Schanzenanlage. Alle paar hundert Meter führen Treppenaufgänge in die angrenzenden Stadtgebiete. Ein Rundgang mit Informationstafeln beginnt an der Gessnerbrücke unweit vom Hauptbahnhof Zürich, führt hinter der Migros-City und unterhalb der Reithalle (Gessnerallee) zumeist dem Kanal entlang über Holzstege und Sandsteinplatten. Der Nüschelersteg ermöglicht Fussgängern und Fahrrädern, den Graben zu überqueren. Die Promenade unterquert die Sihlstrasse (Sihlporte) und führt am «Hallenbad City» und der 1864 errichteten «Männerbadi» (offiziell: «Flussbad Schanzengraben») vorbei. Gleich unterhalb der «Männerbadi» reguliert ein Wehr mit Fischtreppe den Ausfluss aus dem See. Über der Badeanstalt ragen die hohen Mauern des ehemaligen Bollwerks «Katz» auf, wo sich heute der Alte Botanische Garten, eine kleine Parkanlage, befindet. Es folgen im Quartier Enge die Selnaubrücke und das autofreie Bärenbrüggli. Auf der Höhe Paradeplatz wird der Bleicherweg, darauf die Dreikönigstrasse unterquert, beim Hotel Baur au Lac der General-Guisan Quai am Seebecken. Der Weg endet direkt an der Uferpromenade. Aber das ist eine andere Geschichte.
Aber zurück zu „Ganymed“ und Zürich; denn er ist in der Griechischen Mythologie der wohl schönste Mann seiner Zeit unter den Lebenden. Zeus wird auf den Ziegenhirten aufmerksam und entführt ihn in der Gestalt des Adlers in den Olymp. Dort soll Ganymed der Mundschenk der Götter sein und unsterblich werden. Die Frau von Zeus ist aber gar nicht begeistert davon, dass deren hübsche Tochter Hebe nun arbeitslos ist und dafür Ganymed an die Stelle von Hebe tritt.
Für den Umbau der Schanzenanlage zu einer offenen ausschweifenden Uferpromenade wurde 1881 der Namensgeber Arnold Bürkli beauftragt. Er schüttet während 6 Jahren Bauzeit 200.000 Quadratmeter Land auf. Im Sommer 1887 wird der neue Uferquai mit einem grossen Volksfest eingeweiht. Zürich hat ein neues Gesicht gen Zürisee und die Promenaden werden gerne angenommen. Auch ein neuer Hafen entsteht: Die Enge am Mythenquai mit ihrem Löwendenkmal von Bildhauer Urs Eggenschyler.
Aber so alt, wie die Griechische Mythologie selbst, ist die Ganymed-Statue in Zürich nicht. 1942 tritt in der Schweiz ein Gesetz in Kraft, das Homosexualität entkriminalisiert. Zürich wird im 2. Weltkrieg eine Anlaufstelle für viele, die wegen den Nazis flüchten müssen. Im gleichen Jahr veranlasst Heinrich Wölfflin eine neue Statue für den Bürkliplatz. Eine „zuchtvoller Mann“ soll es werden; denn nakte Frauenbilder hat Zürich schon genug. Der Bildhauer Herrmann Hubacher bekommt den Auftrag. Dieser nimmt die Griechische Figur Ganymed als Vorbild, wandelt diese aber ab: Ganymed bittet Zeus in der Gestalt des Adlers um die Aufnahme im Olymp. Deshalb zeigt er mit der Rechten Hand gen Himmel. Wie in der Griechischen Dichtung wird Ganymed also auch in Zürich zum Symbol der gleichgeschlechtlichen Liebe und wird 1952 feierlich eingeweiht.
Karl Meier, Redaktor der einflussreichen Homosexuellenzeitschrift «Der Kreis», ist bei der Enthüllung ist ebenfalls anwesend und ist ganz entzückt von dem Zürcher Ganymed. «Nicht der Adler, nicht Zeus ist es, der von der Erde das Schöne raubt – Ganymed selbst fordert den Unsterblichen auf, ihn in das Reich des Göttlichen zu entführen. Wie herrlich, wie unsagbar schön ist diese Gebärde gelungen, die zur Höhe weist!» Dank Ganymeds einwirken wurde aus einem Kleinod des Bürgertums also das wichtigste Denkmal der Schwulenkultur in Zürich.
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