06.11.2024 – Das Herz von Don Juan de Austria liegt in Namur (BE)

7. November 2024

Mit meinem Kollegen und Freund Axel bin ich von Tübingen aus auf dem Weg nach Gent zu einem international Workshop. Auf dem Weg dorthin hielten wir in Namur bei der Kathedrale.

Was hat das mit Regensburg zu tun?

Gut, Kaiser Karl der 5. ist in Gent geboren. Und zwar am 24. Februar 1500 im Prinzenhof, Gent, Burgundische Niederlande; († 21. September 1558 in Cuacos de Yuste, Spanien) Er war ein Angehöriger des Herrscherhauses Habsburg, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und als Karl I. König von Spanien.

Das Herz von Don Juan de Austria ist hinter dem Altar in dieser Kathedrale bestattet. Dort erinnert nur eine kleine Tafel an den „Superstar“ des 16. Jahrhunderts und Sieger bei Lepanto.

Der in Regensburg mit dem leichten Mädchen Barbara Blomberg (18) mit Karl dem V. (55) in der Herberge Goldenen Kreuz gezeugte Don Juan d’Austria war neben dem leiblichen Sohn Philippe II. der einzige aussereheliche Bastard, der von Kaiser Karl V. testamentarisch offiziell anerkannt wurde.

Die schöne Barbara muss Kaiser Karl V nachhaltig in Erinnerung geblieben sein. Denn Sie wurde finanziell und privat vom Kaiser. „versorgt“, der Sohn Don Juan wuchs bei gut situierten Pflefeeltern auf, bekam die gleiche Ausbildung, wie Philippe umd dessen Cousins.

Auf Befehl von König Philippe II. führt er mit nur 27 Jahren die Flotte der Heiligen Liga in die Schlacht von Lepanto und schlug die weit überlegenen Osmanen unter Ali Pascha vernichtend. Lepanto liegt in der Bucht bei Patras im Ionischen Meer

Danach diente Don Juan d’Austria dem spanischen König Philippe II. als Statthalter der Niederlande. Die immer stärker werdenden Generalstaaten der Niederlande zwangen ihn 1577 jedoch, Brüssel zu verlassen. Er zog mit einer selbst aufgestellten Streitmacht nach Namur, eroberte mit einem Handstreich die Zitadelle und begann. Er gewann in diesen letzten Tagen auch gegen die Protestanten.

Don Juan d’Austria verstarb am 1. Oktober 1578 im Feldlager Bouge bei Namur nach monatelangem Siechtum vermutlich an Typhus. Im Alter von 31 Jahre.

Oder er wurde vergiftet, denn drei Mordanschläge durch die Englische Krone schlugen fehl. Elisabeth die Erste befürchtete, dass sich Don Juan, wie nach dem Sieg von Lepanto vom Papst vorgeschlagen, mit Maria Stuart vermählen könnte. Philippe liess diese Ehe aber nicht zu, nachdem auch auf ihn ein Mordanschlag durchgeführt wurde. Maria Stuart starb durch die Axt.

Auf Wunsch seines Halbbruders, König Philipp II. von Spanien, sollte der Leichnam von Don Juan de Austria nach Spanien überführt werden. Dazu wurde dieser zerteilt und in Satteltaschen durch Frankreich nach Madrid geschmuggelt, um dort wieder zusammengesetzt zu werden. Letztlich wurde er im El Escorial, der Grablege der spanischen Könige, beigesetzt. Sein Leichnam ruht in Kapelle 5 des Pantheon der Infanten.

Kathedrale von Namur – Saint-Aubain (St. Alban) Spätbarock Kirche

Sein Herz wurde in Namur bestattet und ruht in einem Behältnis hinter der Erinnerungstafel im Chor von St. Aubain. (Sankt Alban).

Weil gerade eine Beichte abgehalten wurde, konnten wir nicht hinter den Altar schauen. Leider.

Don Juan de Austria und seine Zeit (16 Seiten Vortrag, PDF)

https://www.heimatforschung-regensburg.de/1980/1/973749_DTL1615.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_von_Namur

Die Königliche Stätte San Lorenzo de El Escorial (spanisch Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial)

https://de.wikipedia.org/wiki/Real_Sitio_de_San_Lorenzo_de_El_Escorial


19.02.2022 – Don Juan de Austria: Der von seiner Geburtsstadt vernachlässigte Held der Christenheit.

19. Februar 2022

Eine riesige Wolke Stare fliegt bei Patras über beim Golf von Korinth. Für meine Regensburger Freunde: Das heutige Patras ist genau an der Stelle, welche man früher Lepanto nannte.

https://m.youtube.com/watch?v=Ka0lMGGPJgc

Don Juan de Austria führte die Flotte der Heiligen Liga (Schiffe aus Spanien, Venedig, Savoyen, Genua, Malta, Toskana und päpstliche Schiffe) am 7. Oktober 1571 siegreich in der Seeschlacht von Lepanto gegen die Osmanen. Er war der außereheliche Sohn Kaiser Karls V. und der bürgerlichen Regensburger Gürtlerstochter Barbara Blomberg.

Übrigens: Ein super Erlebnis durch den Kanal von Korinth mit dem Segelboot zu fahren.

Die Geschichte von Barbara Blomberg wird heute eher romantisiert. Sie war wohl eher ein „leichtes Mädchen“, welches dem hohen Herrn als 19-jährige „Nachtbegleitung“ beigestellt wurde. Der Kaiser war sehr alt für damalige Verhältnisse und (wenn man es so sagen darf) hässlich und kränklich. Er hatte ein vorspringendes verformtes Kinn und seine Zähne seien ungepflegt gewesen.

Es wurde viel später gemunkelt, dass sie nach dem Tod ihres Mannes ein eher unrühmliches Leben geführt haben soll: Geheimagenten hatten berichtet, dass Barbara zahlreiche Freier habe und mit der Betreiberin eines Antwerpener Bordells befreundet sei. Als Mutter eines Sohnes des Kaisers geht das natürlich gar nicht. Sie wurde aufgefordert in ein Kloster zu gehen, was sie (natürlich) verweigerte. Daraufhin legte Philipp II – einziger legitime Sohn von Karl des 5. – fest, wo sie sich aufhalten dürfe, um keine weitere Schande zu bereiten.

Auf der anderen Seite wird meiner Meinung nach der Geschichte Don Juan’s in Regensburg viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Er war durch den Sieg bei Lepanto zu einem „Supersstar“ geworden. Jeder kannte ihn. Sowohl die alte Welt von Portugal bis Venezien, wie auch die Türken und Araber.

Die Osmanen strebten damals das „Weltreich“ an. Sie sassen in Spanien und richteten sich gegen Frankreich. (Karl der 5.) (Daher die vielen arabischen Namen in Spanien und Frankreich). Sie hatten kurz vorher Zypern erobert. Strategisch eine wichtige Insel im Handel zwischen Venedig, Rom, Byzanz und Gaza und Aleppo in Syrien (Seidenstrasse: Glas, Porzellan, Gewürze).

Der junge Don Juan de Austria setzte sich an die Spitze der alten kampferprobten Generäle. Im Golf vom Patra kam es dann zur entscheidenden Schlacht mit 200 Galeeren und 65.000 Matrosen und Kriegern auf der christlichen Seite und auf der anderen 255 Schiffen mit 80.000 Mann.

Müezzinzade Ali Pascha, der Oberbefehlshaber der Türken, hatte seine Schiffe ebenfalls in drei Geschwader und eine Reserveeinheit aufgeteilt. Seine Schlachtreihe war mehr als 1000 Meter länger als die der Christen. Das Zentrum befehligte Ali Pascha selbst, ebenso wie Don Juan de Austria das der Heiligen Liga.

Die Schlacht vor Lepanto führte zu einer Bereinigung der Einflusssphären im Mittelmeer. Die Osmanen beschränkten sich danach auf die Sicherung ihrer Vormachtstellung im östlichen Teil, während spanische, maltesische und italienische Flotten das westliche Mittelmeer unter sich aufteilten.

Zu Ehren Don Juan die Austria und des Sieges über die Osmanen wurden Städte gegründet. Und zwar fand die Gründung immer am exakt am Jahrestag der Seeschlacht statt.

Juan Latino, Professor für Latein in Grenada und der erste Schwarzafrikaner mit literarischem Erfolg in einer europäischen Sprache, veröffentlichte 1573 ein Austrias Carmen (Gedicht auf Juan de Austria) in zwei Büchern.

Miguel de Cervantes nahm an der Schlacht als einfacher Soldat teil. Er erlitt drei Schusswunden, zwei in der Brust, eine in der linken Hand, die dauerhaft entstellt blieb. Seine Erlebnisse sind in seinen Roman Don Quijote eingeflossen.

Eine eindrucksvolle Darstellung der Seeschlacht bei Lepanto ist eine 1708 von dem Augsburger Goldschmied Johannes Zeckl für die Bürgerkongregation gestaltete Monstranz in der Ingolstädter Asamkirche Maria de Victoria, die in einem „beispiellosen Detailreichtum“ die Schlacht schildert.

In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt von Prien am Chiemsee, einer Barock-Kirche, errichtet 1734–1738, befindet sich ein monumentales Deckengemälde von Johann Baptist Zimmermann, geschaffen 1738–1740, das die Seeschlacht von Lepanto darstellt.

Bis zum heutigen Tag treffen sich alljährlich zum Jahrestag der Schlacht die Angehörigen der an der Schlacht beteiligten Adelsfamilien aus ganz Europa im Vatikan, um dieses Ereignisses zu gedenken.

Nach der Schlacht von Lepanto schuf Andrea Calamech eine Bronzestatue Juans, die 1572 in Messina aufgestellt wurde. In Regensburg gibt es am Geburtshaus eine Tafel und beim alten Rathaus eine Kopie der Statue von Messina, welche zuerst unbeachtet in einem Innenhof stand. Erst nach harten Diskussionen erhielt Don Juan zumindest Beachtung am heutigen Standort.

Ich kann mich noch erinnern, dass es am Haidplatz im Sommer mal ein recht abstraktes Theaterstück über Barbara Blomberg gab. Zusammen mit der Tafel und der Statue gibt es keine Erinnerungen an den Habsburger und ruhmreichen Helden von Lepanto Don Juan in Regensburg.

Don Juan starb mit nur 31 Jahren im Oktober 1578 in Bouge, (Teil des heutigen Namur) in Belgien. Seine Mutter Barbara Blomberg lebte noch 20 Jahre weiter und starb 70-jährig 1597 in Spanien.


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