19.02.2022 – Don Juan de Austria: Der von seiner Geburtsstadt vernachlässigte Held der Christenheit.

19. Februar 2022

Eine riesige Wolke Stare fliegt bei Patras über beim Golf von Korinth. Für meine Regensburger Freunde: Das heutige Patras ist genau an der Stelle, welche man früher Lepanto nannte.

https://m.youtube.com/watch?v=Ka0lMGGPJgc

Don Juan de Austria führte die Flotte der Heiligen Liga (Schiffe aus Spanien, Venedig, Savoyen, Genua, Malta, Toskana und päpstliche Schiffe) am 7. Oktober 1571 siegreich in der Seeschlacht von Lepanto gegen die Osmanen. Er war der außereheliche Sohn Kaiser Karls V. und der bürgerlichen Regensburger Gürtlerstochter Barbara Blomberg.

Übrigens: Ein super Erlebnis durch den Kanal von Korinth mit dem Segelboot zu fahren.

Die Geschichte von Barbara Blomberg wird heute eher romantisiert. Sie war wohl eher ein „leichtes Mädchen“, welches dem hohen Herrn als 19-jährige „Nachtbegleitung“ beigestellt wurde. Der Kaiser war sehr alt für damalige Verhältnisse und (wenn man es so sagen darf) hässlich und kränklich. Er hatte ein vorspringendes verformtes Kinn und seine Zähne seien ungepflegt gewesen.

Es wurde viel später gemunkelt, dass sie nach dem Tod ihres Mannes ein eher unrühmliches Leben geführt haben soll: Geheimagenten hatten berichtet, dass Barbara zahlreiche Freier habe und mit der Betreiberin eines Antwerpener Bordells befreundet sei. Als Mutter eines Sohnes des Kaisers geht das natürlich gar nicht. Sie wurde aufgefordert in ein Kloster zu gehen, was sie (natürlich) verweigerte. Daraufhin legte Philipp II – einziger legitime Sohn von Karl des 5. – fest, wo sie sich aufhalten dürfe, um keine weitere Schande zu bereiten.

Auf der anderen Seite wird meiner Meinung nach der Geschichte Don Juan’s in Regensburg viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Er war durch den Sieg bei Lepanto zu einem „Supersstar“ geworden. Jeder kannte ihn. Sowohl die alte Welt von Portugal bis Venezien, wie auch die Türken und Araber.

Die Osmanen strebten damals das „Weltreich“ an. Sie sassen in Spanien und richteten sich gegen Frankreich. (Karl der 5.) (Daher die vielen arabischen Namen in Spanien und Frankreich). Sie hatten kurz vorher Zypern erobert. Strategisch eine wichtige Insel im Handel zwischen Venedig, Rom, Byzanz und Gaza und Aleppo in Syrien (Seidenstrasse: Glas, Porzellan, Gewürze).

Der junge Don Juan de Austria setzte sich an die Spitze der alten kampferprobten Generäle. Im Golf vom Patra kam es dann zur entscheidenden Schlacht mit 200 Galeeren und 65.000 Matrosen und Kriegern auf der christlichen Seite und auf der anderen 255 Schiffen mit 80.000 Mann.

Müezzinzade Ali Pascha, der Oberbefehlshaber der Türken, hatte seine Schiffe ebenfalls in drei Geschwader und eine Reserveeinheit aufgeteilt. Seine Schlachtreihe war mehr als 1000 Meter länger als die der Christen. Das Zentrum befehligte Ali Pascha selbst, ebenso wie Don Juan de Austria das der Heiligen Liga.

Die Schlacht vor Lepanto führte zu einer Bereinigung der Einflusssphären im Mittelmeer. Die Osmanen beschränkten sich danach auf die Sicherung ihrer Vormachtstellung im östlichen Teil, während spanische, maltesische und italienische Flotten das westliche Mittelmeer unter sich aufteilten.

Zu Ehren Don Juan die Austria und des Sieges über die Osmanen wurden Städte gegründet. Und zwar fand die Gründung immer am exakt am Jahrestag der Seeschlacht statt.

Juan Latino, Professor für Latein in Grenada und der erste Schwarzafrikaner mit literarischem Erfolg in einer europäischen Sprache, veröffentlichte 1573 ein Austrias Carmen (Gedicht auf Juan de Austria) in zwei Büchern.

Miguel de Cervantes nahm an der Schlacht als einfacher Soldat teil. Er erlitt drei Schusswunden, zwei in der Brust, eine in der linken Hand, die dauerhaft entstellt blieb. Seine Erlebnisse sind in seinen Roman Don Quijote eingeflossen.

Eine eindrucksvolle Darstellung der Seeschlacht bei Lepanto ist eine 1708 von dem Augsburger Goldschmied Johannes Zeckl für die Bürgerkongregation gestaltete Monstranz in der Ingolstädter Asamkirche Maria de Victoria, die in einem „beispiellosen Detailreichtum“ die Schlacht schildert.

In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt von Prien am Chiemsee, einer Barock-Kirche, errichtet 1734–1738, befindet sich ein monumentales Deckengemälde von Johann Baptist Zimmermann, geschaffen 1738–1740, das die Seeschlacht von Lepanto darstellt.

Bis zum heutigen Tag treffen sich alljährlich zum Jahrestag der Schlacht die Angehörigen der an der Schlacht beteiligten Adelsfamilien aus ganz Europa im Vatikan, um dieses Ereignisses zu gedenken.

Nach der Schlacht von Lepanto schuf Andrea Calamech eine Bronzestatue Juans, die 1572 in Messina aufgestellt wurde. In Regensburg gibt es am Geburtshaus eine Tafel und beim alten Rathaus eine Kopie der Statue von Messina, welche zuerst unbeachtet in einem Innenhof stand. Erst nach harten Diskussionen erhielt Don Juan zumindest Beachtung am heutigen Standort.

Ich kann mich noch erinnern, dass es am Haidplatz im Sommer mal ein recht abstraktes Theaterstück über Barbara Blomberg gab. Zusammen mit der Tafel und der Statue gibt es keine Erinnerungen an den Habsburger und ruhmreichen Helden von Lepanto Don Juan in Regensburg.

Don Juan starb mit nur 31 Jahren im Oktober 1578 in Bouge, (Teil des heutigen Namur) in Belgien. Seine Mutter Barbara Blomberg lebte noch 20 Jahre weiter und starb 70-jährig 1597 in Spanien.


16.09.2009 – Warum heisst die Schweiz eigentlich „Schweiz“?

16. September 2009

Gerade über Umwege gefunden auf der Website Basel-Landschaft:

Interessant ist, dass innerhalb der Eidgenossenschaft dieser Begriff (Schweiz) bis um 1500 nicht verwendet wurde. Die Eidgenossen konnten es sogar als direkte Beleidigung empfinden, als Schweizer bezeichnet zu werden. Bereits nach der Schlacht von Sempach begann eine regelrechte antieidgenössische Polemik von seiten der Habsburger und ihrer Verbündeten im Adel und in den süddeutschen Städten. In der Schlacht von Sempach war den Eidgenossen die Peinlichkeit geschehen, dass sie den gegnerischen Herzog Leopold, der aber immer noch ihr eigentlicher Landesfürst war, umgebracht hatten. Eine habsburgische Darstellung brachte dieses Ereignis in der pointierten Formulierung, Herzog Leopold sei „auf dem eigenen (Land) von den eigenen (Untertanen) um das eigene (Anliegen)“ umgebracht worden. In Streit- und Schmähschriften wie dieser wurden die Eidgenossen als Schweizer bezeichnet. In den darauf folgenden Auseinandersetzungen im 14. und 15. Jahrhundert wurden die Eidgenossen wiederholt als Schweizer verunglimpft. Im alten Zürichkrieg erklärte beispielsweise ein zürcherischer (d.h. in dieser Auseinandersetzung antieidgenössischer) Schulmeister, woher denn der Name „Schweizer“ komme: Sie wären von Karl dem Grossen in ihre unwirtlichen Landstriche verbannt worden, um für den Kaiser die Alpenpässe zu schützen, also für den Kaiser zu schwitzen und zu schuften, und vom „schwitzen“ leite sich ihr Name ab.

Es gibt noch viel mehr Interessantes zu lesen:

Der schwerwiegendste Vorwurf bezog sich auf das Phänomen, dass in der Waldstätte und im Berner Oberland das Besorgen des Viehs Männerarbeit war, ganz im Gegensatz zu den übrigen Regionen Mitteleuropas, wo Vieharbeit Frauenarbeit war. Die eidgenössischen Männer betrieben also eine seltsam weibliche Tätigkeit: Melken. Und in den antieidgenössischen Anfeindungen wurde sogleich die Erklärung dafür geliefert, weshalb die eidgenössichen Männer so gerne melken: Sie würden es nämlich mit ihren Kühen treiben! Das entsprechende Schimpfwort war „kuegyer“, neudeutsch „Kuhficker“, oder eben das heute noch bekannte „Kuhschweizer“.

Und schliesslich:

Die Wiederentdeckung der Helvetier als vermeintliche antike Ahnherren der Eidgenossen um 1500 erleichterte die Bezeichnung der Eidgenossenschaft. „Helvetien“ wurde vor allem in gelehrten, lateinischen Darstellungen der Eidgenossenschaft verwendet. Der erste einheitliche Staat der Eidgenossenschaft nannte sich dementsprechend 1798 auch „Helvetische Republik“. Erst das „Folgemodell“, d.h. der von Napoleon sanktionierte Staat von 1803, nannte sich „Schweizerische Eidgenossenschaft“. Das bedeutet, dass die Schweiz ihren Namen offiziell noch nicht einmal 200 Jahre trägt.

Sehr interessant, odrrr?