EM2008 Auslosung der Gruppen – Keine Panik in der Schweiz

3. Dezember 2007

Gestern fand die Auslosung der Gruppen für die EM2008 in Luzern statt. Sofort nach der Ziehung startete in der Schweiz der Interviewmarathon. Jeder der nur irgendwie mal irgendwas mit Fussball zu tun hatte, wurde ausgefragt, wie er die Chancen der Schweiz sehen würde. Schade, mich hat noch keiner gefragt. 🙂 Ja, klar. schon keimt Neid auf, weil die Dütschen eine sooo leichte Gruppe erwischt haben. Ausserdem ist ja noch gar nicht sicher, ob die Österreicher nach der Gruppenzuweisung überhaupt antreten. jaja.. ich weiss.

Schauen wir uns Mal kurz den Vergleich der Fussballnationen an: Schweiz (44.) – Türkei (16.) – Tschechien (6.) – Portugal (8.)

EM2008 Schweiz Türkei Portugal Tschechien FIFA Teamvergleich

Statistisch gesehen schaut es für die Schweiz aktuell nicht gut aus. Zwar stand die Nati nach der WM06 noch auf Platz 13 – die beste Platzierung seit Oktober 1995 – aber zwischenzeitlich fiel die Wertung nach den erfolglosen Testspielen gegen Gegner wie Nigeria stark ab. Aktuell: Platz 44. Also nur schwere Gegner für die Schweiz.

Schaut man sich die Grafik des Teamvergleichs der Fussballnationen aus Gruppe A oben an, so sieht das auf dem Papier eigentlich klar aus: Die Schweiz wird glorreicher 4. in der Gruppe. Aber das macht nix; denn die Türkei platziert sich als Vorletzter, Portugal nur Drittletzter und die Tschechei liegt abgeschlagen auf dem viertletzten Platz.

Ganz anders sieht es in der Gruppe B mit Österreich, Kroatien, Polen und Deutschland aus. OK. Österreich ist mit Platz 91 eindeutiger Punktelieferant. Kroatien liegt auf Platz 10, Polen auf Platz 23. Somit sind diese beiden die härtesten Gegner für die Dütschen (Platz 5). Da haben wir ja wieder Glück gehabt.

Es wäre natürlich wesentlich interessanter geworden, wenn die Schweiz in die Gruppe um Frankreich (7.), Italien (3.) und Holland(9.) gefallen wäre. Aber man kann ja nicht alles haben.

Na klar. Natürlich fiebere ich mit der Schweiz. Ich finde es natürlich auch legitim, dass die Medien nun einen richtigen Hype aufführen zum Thema EM2008. Was soll man sonst schreiben? Dass der Weihnachtsverkauf schon wieder alle Rekorde bricht? Das es doch Schnee hat? Aber die EM08-Berichterstattung sollte weitestgehend realitätsnah geführt werden. Eine Aufstockung der Sicherheitskräfte, weil die „Türkei“ in der Gruppe der Schweizer spielt, finde ich absolut übertrieben. Es ist deutlich mehr Vorsicht geboten, wenn Basel gegen Zürich spielt. Ihr werdet sehen. Ich würde empfehlen Döner mit Käse überbacken rund ums Stadion zu verkaufen. Dazu bietet man heissen Tee und Eiran an. So empfängt man Gäste.

Auf jeden Fall freue ich mich auf das Eröffnungsspiel am 07. Juni 2008 um 18:00 Uhr in Basel. Der Gegner der Schweizer Nati wird Tschechien sein.

Links zum Thema:


Bank, Essen, Einkaufen – Schweizer Tagestouristen in Jestetten

29. November 2007

In der Headline fehlt noch „Zahnarzt, Autoreparatur und Lottospielen“.

Über Geld spricht man nicht – man hat es. Und wer es hat, sollte die „Steuern steuern“. Deshalb spielt sich regelmässig vor den Banken in Jestetten Interessantes ab. „Jestetten“? Nie gehört. Das liegt ganz weit im Süden von Baden-Württemberg umringt von der Schweizer Grenze. Eine Deutsche Halbinsel sozusagen und nicht weit von Zürich entfernt – gerade mal 38 Kilometer. Und das ist praktisch.

Denn: Die Wirtschaft floriert in der 5000 Einwohnergemeinde Jestetten – Das Tor zur Schweiz. Täglich besuchen Tausende Schweizer das kleine Nest – und die Banken, die Restaurants und die Grossmärkte. Und die Grossmärkte sind wirklich gross. Auf den Parkplätzen überwiegend Schweizer Kennzeichen. Aber was treibt die Schweizer nach Jestetten?

Die örtliche Volksbank hat 31 Mitarbeiter. Sparkasse und Dresdner Bank haben hier Filialen. Ihre Kunden sind Schweizer „Steuerflüchtlinge“. Wer seine Franken in Deutschland anlegt, spart nämlich die Quellensteuer von 35 Prozent und bekommt noch höhere Zinsen. Auch das Einkaufen ist hierzulande billiger.

Und man ist vor Währungsschwankungen besser abgesichert. Dabei ist allerdings zu beachten, dass nicht mehr als 10 000 Euro unangemeldet über die Grenze „eingeführt“ werden dürfen. Weder von CH nach D noch umgekehrt. Das Geldwäsche-Gesetz schreibt das vor.

Denn alle Reisenden, die EU-Grenzen überschreiten – egal ob per Auto, Flugzeug oder Bahn, müssen mitgeführte Barmittel ab 10 000 Euro ohne Aufforderung schriftlich deklarieren. Dafür ist ein zweiseitiges Formular auszufüllen. Bisher musste Bares erst ab 15 000 Euro und nur auf Nachfrage mündlich angegeben werden. Wichtig: Als Barmittel gelten neben Banknoten und Münzen auch übertragbare Inhaberpapiere wie Sparbücher, Reiseschecks oder Schecks.

Darüber informierte das Magazin „Fokus„.

Und so lässt sich der monatliche Ausflug zu einer der Banken in Jestetten mit Nützlichem verbinden. Man geht bei ALDI, LIDL, EDEKA einkaufen, nimmt in einem Restaurant eine kleine Stärkung zu sich (kostet ungefähr die Hälfte, wie in Zürich), geht zum Zahnarzt zur Zahnpflege, besorgt sich günstige Winterreifen und spielt anschliessend Lotto. Aktuell sind am nächsten Samstag 38 Millionen im Jackpot – steuerfrei. Dank Bankgeheimnis und der Nichtzugehörigkeit der Schweiz in der EU.

Beachten Sie den grenznahen Service z.B. von der Sparkasse Hochrhein. Oder die spezielle Website der Volksbank Jestetten für „Schweizer Kunden„.

Keine Steuern: Deutschland erhebt keine Verrechnungssteuer für all jene, die ihren Wohnsitz im Ausland haben. Es findet kein Datenausgleich mit den Schweizer Behörden statt – was Steuerflüchtige ausnützen.

Persönliche Beratung: Jeder Kunde hat seinen persönlichen Berater und erhält eine intensive Betreuung, wie sie in der Schweiz nur vermögenderen Kunden zukommt. 

Aber auch in Waldshut klappt das vorzüglich, wie der Tagesanzeiger im September bemerkte.

Link zum Beitrag


Im Cabrio nur noch mit Helm die Sonne geniessen

26. November 2007

… oder mit Gurt. Zumindest wenn es nach einem Leipziger Polizeibeamten geht. Die Strassenverkehrsordnung (in Dütschland) ist regelmässig Änderungen unterworfen. Entweder spricht die EU mit oder neue Vehikel brettern über die Strasse, welche eine Anpassung erfordern.

Soeben hörte ich bei „Wiso“ einen aktuellen Fall: Herr Gocht ist stolzer Besitzer eines Schmuckstückes. Ihm gehört nämlich eine fünfeinhalb Meter langer Cadillac Series 62 von 1961 mit üppigem Chromschmuck und furchterregender Heckflosse inkl. V8 unter der Motorhaube. Dieses Fahrzeug sieht man nicht oft auf Ostdeutschen Strassen. Herr Gocht macht zusammen mit seiner Frau und dem am darauffolgenden Wochenende heiratenden Pärchen eine Probefahrt. Der Cadillac ist ein Cabrio und so fährt man offen. Herr Gocht ist es gewöhnt, dass sein Fahrzeug auf sächsischen Strassen auffällt – in den Dörfern und in Leipzig sowieso.

So stört es auch nicht, wenn ein entgegen kommendes Polizeiauto urplötzlich wendet und kilometerweit hinter dem schmucken Oldtimer her fährt. Auch als die Ordnungshüter mit Blaulicht überholen und die Gochts zum Anhalten bewegen, witzelt Herr Gocht noch, dass die jungen Kommissare sich sicher nur das Auto ansehen wollen. Mit Nichten!

Der Kommissar kontrolliert zuerst die Fahrzeugpapiere und den Führerschein. Dann fragt er, ob Herr Gocht wüsste, warum er aufgehalten wurde und erntete nur Kopfschütteln. Der Kommissar klärte die Gochts auf, dass sie nicht angegurtet in einem offenen Fahrzeug fahren würden. Zudem seien die Insassen in diesem Fall laut Paragraph 21a der Straßenverkehrsordnung verpflichtet, einen Helm zu tragen. Dieser Paragraph gilt aber eigentlich für Trikes und Quads. Dort heißt es sinngemäß, dass Insassen zwei- oder mehrrädriger offener Kraftfahrzeuge, die schneller als 20 km/h fahren, entweder einen Helm tragen oder einen Gurt anlegen müssen. Der Oltimer ist zwar zweifellos 4-rädig und offen und kann bauartbedingt selten langsamer als 20 km/h fahren, aber dafür Baujahr 1961 und somit ein Oldtimer. Gocht kontert und zitiert Paragraph 35a der Straßenverkehrs- Zulassungsordnung. Dort steht, dass vor dem 1. April 1970 zugelassene Personenkraftwagen keine Gurte aufweisen müssen. Tja, und wo sind die Helme?

Aber davon lässt sich Herr Kommissar nicht beeinflussen und versieht Herrn Gocht und dessen Fahrzeug mit einer Ordnungsbusse von 15 Euro. Nach einem Einspruch wurde das Verfahren allerdings wieder eingestellt. Der Paragraph 21a gilt nämlich wirklich nur für Quads und Trikes.  Oder?


Video des Tages – Christkindlmarkt am Neupfarrplatz in Regensburg

23. November 2007

Langsam fängt die Vorfreude an. Auf den traditionellen Besuch des „Regensburger Christkindl’s-Markt“. Wir sind vom 30.11. bis 02.12.2007 in Regenburg und sehen uns sicherlich irgendwo. Auf einen oder zwei Glühwein und „ana knacka mit allem“.

Links:


Der Knigge Swiss-Edition – Zürichdeutsch lernen leicht gemacht

21. November 2007

Wie im Knigge „Swiss-Edition“ (Teil 1) unter Punkt 3 erwähnte, unterscheidet sich das Hochdeutsch stark vom Dialekt „Schwiizertüütsch“. Einer der vielen Dialekte in der Schweiz ist das „Züridütsch“. Auf der Suche nach Tondokumenten stolperte ich über die Website der „Stiftung Pro-Zurituutsch„. Die Stiftung beschreibt ihren Zweck folgendermassen:

Die Stiftung bezweckt die Unterstützung und Förderung literarischer Produktion (eigenständige Werke und Übersetzungen) im Züricher Dialekt. Insbesondere wird die vom Stifter bevorzugte Schreibweise „Zurituutsch“ gefördert. Die Förderung kann in verschiedenster Art erfolgen. Durch die Publikation von Dialekttexten soll das „Zurituutsch“ der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Das Ziel der Website:

Zürichdeutsch ist eine in der Schweiz gesprochene Alemannische (d.h. Süd–Deutsche) Sprache. Hier können Sie sich Beispiele in dieser Sprache anhören, herunterladen und bestellen, mehr über den Aufbau von Zürichdeutsch erfahren und die Aussprache von Zürichdeutsch lernen.

Mit Bedacht hat man auf dieser Website die Einleitung auch auf Hochdeutsch beschrieben; denn auf „Zurituutsch“ geschrieben, sieht das dann so aus:

Ouf em PodCast cha me jétz lose, làse ound lade: verschideni Gsprèuhch i Form vo Abhandlige, en Pricht, béràits e Chourzgschicht ound es séll na méé gèè. Nou schnàll en Klick ound ouhslàse.

In der Sammlung der Hörbeispiele sind bereits einige Podcasts zusammen gekommen. Parallel kann man den Zurituutschen Text lesen. Zum Beispiel Gedichte („De Fruëlig schwygt“, „De Màntsch“, „Zwài Chind ound es Zàmesétzspyl“, „Seuïlisprint“), eine Geschichte („‚S Globaal Eukouméénisch Konzyl“) und Essays und Übersetzungen. Wer also Zurituutsch lernen möchte ist hier bei der richtigen Adresse.

Weitere Links:


Der Knigge Swiss-Edition (Teil 2) – Anleitung für die Schweiz

20. November 2007

Hier der zweite Teil des Versuchs einen „Knigge Swiss-Edition“ zu gestalten. Im ersten Teil kommentierte ich die ersten fünf Punkte aus einer Diskussion. Die Themen sind teils etwas ausführlicher und teils etwas kürzer. Je nachdem wie viel Erklärungsaufwand ich für angemessen halte. Manchen Punkt beschreibe ich mit Beispielen aus meinen persönlichen Erfahrungen – natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern. Hier also die zweiten 5 Knigge-Themen für die Anleitung für die Schweiz:

  1. „In Deutschland ist das billiger“
    Erinnern Sie sich noch an die „Vor-Euro-Zeiten“? Vor einem Urlaub wechselte man D-Mark in eine Fremdwährung und erhielt eine Umrechnungstabelle dazu. Am Urlaubsort angekommen rechnete man/frau sofort alles was einem unter die Finger oder Augen kam in die „heimische Währung“ um. In Italien kostete der Sprit schon mal 2 Mark oder mehr – damals. Boah! Die Pizza dafür „nur“ 8 Mark. Schmeckte aber irgendwie nicht so wie in Deutschland. Aber das Umrechnen im Urlaub in Euro-fremden Ländern und der Preisvergleich ist üblich und legitim. Schliesslich möchte man/frau ja einen Vergleich haben.
    Erst am letzten Wochenende traf ich eine hübsche Studentin im „Uusgang“ an der Theke. Wir plauderten bei einem Bier und lernten uns kennen. Sie sei Studentin aus Köln und für eine Woche in Zürich. Boah! Ist das teuer hier! Am Tag zuvor sei Sie im „Club Hive“ gewesen. Dort hätte schon der Eintritt 25 Franken gekostet! Tja, so ist das halt. Oder auf Schweizerdeutsch „Es is so!“. Dafür bekommt man üblicherweise auch mehr Club fürs Geld. Wir trafen uns übrigens im „Provitreff“ und dort kostete der Eintritt zur Party „Herbstzeitlosen“ gerade 10 Franken. Hier bekommt man mehr Szene fürs Geld. Es geht halt auch anders in Zürich.
    In der Anfangsphase in Zürich vergleicht man zwangsläufig preislich alles. Und trifft tatsächlich auf vieles, was teuerer ist. Zum Beispiel das Essen im Restaurant im „Dörfli“ ist deutlich teuerer. Oder das Haareschneiden beim Frisör (Coiffeur) beläuft sich auf etwa 50 Franken. Lebensmittel im Migros oder Coop sind im Schnitt trotz „Aldisierung“ noch um die 30-50% teuerer als in Deutschland. Nicht zuletzt deshalb fahren viele Zürcher einmal im Monat über die Grenze und erledigen dort ihre grossen Einkäufe.
    Es geht aber um den Vergleich und das diskutieren darüber. In Deutschland ist nämlich tatsächlich nicht alles billiger als in der Schweiz. Benzin ist deutlich billiger (im Schnitt um die 30 Cent). Auch beim Gebrauchtwagenkauf musste ich im März feststellen, dass Autos in der Schweiz günstiger sind, als in Deutschland (inklusive Mehrwertsteuerrückerstattung) und darüber hinaus eine bessere Ausstattung besitzen.
    Irgendwann nach etwa drei bis sechs Monaten war mir ein eventuell bestehender Preisunterschied fast egal. Wahrscheinlich überwog der Genussfaktor dem Sparfaktor. Wenn ich zum Einkaufen ging, dann nahm ich einfach das mit, was ich brauchte. Egal. Wenn ich im Ausgang war, dann bestellte ich mir das zu essen und zu trinken, auf was ich gerade Lust hatte. Egal. Es muss sich ja schliesslich lohnen. Hier spart man und hier zahlt man mehr. Was soll’s.
    Und: Irgendwann fielen mir die Preisvergleich-Diskussionen negativ auf, wenn ich Besuch aus Deutschland hatte. Und ich wurde nicht müde dies zu erklären. Genau so muss es dem Schweizer gehen, wenn er diese Diskussion um das liebe Geld und dem Preisunterschied beiwohnt. Es fällt negativ auf – unterbewusst.
    Tipp: Vermeiden Sie Preisdiskussionen in Anwesenheit von Schweizern zum Thema „Die Schweiz ist ja sooo teuer“. Es trifft nämlich nicht überall zu. Ausserdem bekommen Sie meist mehr für Ihr Geld. Die Qualität der Ware ist spitzenklasse. Der Service einwandfrei. Gönnen Sie sich auch mal was Spezielles. Sie arbeiten und wohnen in einem der landschaftlich schönsten Ländern der Welt. Und nicht zuletzt ist Zürich zum 6. Mal in Folge zur „Stadt mit der höchsten Lebensqualität“ gewählt worden. Natürlich dürfen Sie weiterhin zu Hause einkaufen, wenn Sie unter den „gesetzlichen Limiten“ zur Einfuhr bleiben.
  2. „Zu schnell wirkt hektisch und unfreundlich“
    Kurz zur „Sprache“: Sollte es ihn bei einem Gespräch auffallen, dass sich nach ihrem Satz bis zur Antwort eine längere (ungewöhnliche) Pause entsteht, so haben Sie viel zu schnell gesprochen. Oder noch schlimmer: Sie haben in Ihrem „dütschen Dialekt“ viel zu schnell gesprochen. Das ist dann für den Schweizer so, wie wenn Ihnen jemand in einer Sprache antwortet, welche Sie nur bruchstückhaft beherrschen. Sie versuchen dann aus dem was Sie bruchstückhaft übersetzt haben und heraushören den Sinn zusammen zu reimen. Dazu kommt dann noch der Faktor Zeit. Hektik wirkt unfreundlich.
    Tipp: Sprechen Sie angemessen langsam und hochdeutsch, falls Sie noch nicht über die sprachliche Fähigkeit verfügen perfekt den Schweizer Dialekt zu beherrschen. Und das dauert lang. Ausserdem: Beherrschen Sie sich bei der Lautstärke. Hochdeutsch klingt eh schon hart genug. Man sollte dies nicht noch durch erhöhte Lautstärke verstärken.
  3. „Die Begrüssung und der Gruss zum Mittag“
    „Guten Tag“ und „Tschüss“ gewöhnen Sie sich gleich mal ab. Genauso wie sonstige dialektische Aussprüche wie „Tach“ oder „MoinMoin“. Bayerisches (Habe die Ehre) oder Österreichisches (Servus) wird geduldet, da offensichtlich bei den Bergvölkern ein gewisser Zusammenhalt zu spüren ist. „Servus“ und „Habe die Ehre“ sollten aber nur unter Freunden und guten Bekannten angewendet werden. Im Berufsleben eher weniger anwenden.
    Zum Mittag: In Deutschen Betrieben hat sich das „Mahlzeit“ als der Ausspruch zur Mittagszeit eingebürgert. „Mahlzeit“ heisst in der Schweiz „En Guate“.
    Tipp: Versuchen Sie sich das „Grüäzi“ dialektmässig von den Kollegen „abzuhören“. Meist hört man nur ein kurzes „Zii“. Das hat aber nichts mit dem Niesen zu tun. Also anschliessend „Gesundheit“ zu sagen wäre doppelt falsch. Das heisst nämlich „Santé“.
    In Zürich heisst die Begrüssung kurz und knapp „Guate Morge!“. Sonst grüsst man sich mit „Grüäzi“ (kurz „Zi“). Ist die Sonne untergegangen nennt es sich „Guate Abig!“
    Verabschiedet wird übrigens mit „Wiedaluage!“
  4. „Das Auto ist ein Statussymbol“
    „Deutschland – Land der Autofahrer?“. Vergessen Sie das ganz schnell. Das muss eine Medienente sein. Obwohl in der Schweiz das Durchschnittsalter eines Fahrzeugs 8 Jahre beträgt, fahren auf Schweizer Strassen selten Fahrzeuge, welche älter als 3 Jahre sind. Das widerspricht sich? Nein, nicht wirklich. Auf der einen Seite sind die meisten Autos „geleast“ und die Verträge laufen nach 3 Jahren aus. Auf der anderen Seite ist die Oldtimerquote nirgends so hoch, wie in der Schweiz.
    Bei den Fahrzeugen sind deutsche Fabrikate hoch angesehen und verstärken den Statuseffekt. Speziell BMW ist in meinem Umfeld aktuell der Renner. Da in Regensburg ein BMW-Werk steht und die BMW-Dichte in Regensburg extrem hoch ist, wollte ich weder in Regensburg noch in Zürich diese Marke fahren. Ich mach eigentlich nie das, was „alle“ machen. Meine Fahrzeug-Wahl ist regelmässigen Bloglesern ja bekannt.
    Was sofort auffällt, wenn man über die Grenze fährt, ist die Hochglanzpolitur auf den Autos. Irgendwie scheint man hier ein Mittel gefunden zu haben, was Staub und Dreck sofort abstösst. Nein, natürlich nicht. Hier scheint das Klischee der Schweizer Sauberkeit voll zuzutreffen. Es wird geputzt und gewienert und gesaugt was das Zeug hält – speziell am Samstag vormittag.
    Der Trend geht übrigens zum Zweitauto. In der Schweiz ist es einfach; denn es gibt die praktischen „Wechselschilder“. Das heisst: Mit einen Paar Nummernschilder dürfen abwechselnd zwei Fahrzeuge gefahren werden. Das Schönwetterwochenendauto steht in der Garage, wenn mit dem dezenten Viel-PS-Alltagsauto unter der Woche gefahren wird. Am Wochenende einfach die Schilder von dem einen auf das andere Auto wechseln und eine kleine Ausfahrt machen.
    Von wegen „In der Schweiz darf man nur 120 fahren. Warum braucht’s da viele PS?“. Die Standardfrage der Besuchsgäste. Tja, es ist halt alles anders in der Schweiz. Man braucht schon über 200 PS, um angenehm über die Bergstrassen zu tuckern. Aber die PS müssen sauber dezent verpackt sein. Meist erkennt man die überdimensionale Motorstärke nur an den Auspuffrohren und den breiten „Finke“ (= Pneus, Reifen).
    Kommt dann die Sonne am Wochenende heraus, dann erkennt man in Zürich sofort, dass die Cabrio-Dichte extrem hoch ist. Nur die edelsten und neuesten, sowie die kultigsten dachlosen Edelmetall-Karossen dürfen dann Frischluft schnuppern und den Vergaser wieder richtig durchlüften.
    Tipp: Besorgen Sie sich schnellstmöglich einen neueren fahrbaren Untersatz. Es muss ja nicht gleich ein Neuwagen sein. Autohändler gibt es an jeder Ecke. Mit einem alten eventuell verbeulten oder ungepflegten Auto sinkt Ihr Status ohne Ende. Es sei denn Sie erhalten einen Firmenwagen. Die Schweizer Lieblingsfarben bei den Autos sind „schwarz“ und „silber“. Lederausstattung muss sein. Auch wird selten ein Fahrzeug mit Schaltgetriebe gefahren. Automatik ist hier die beste Wahl. Es sei denn Sie fahren einen Sportwagen. Navigationssystem wird dringend empfohlen. Ich habe mich noch nie so oft verfahren, wie hier in der Schweiz. Der Tempomat sollte zur Serienausstattung gehören. Und: Unter 200 PS brauchen Sie gar nicht erst anzufangen.
  5. „Die Uhr ist Aushängeschild der Persönlichkeit“
    Anfänglich trug ich gar keine Uhr. Im täglichen Berufsleben ist man eigentlich von Uhren umgeben. Der Radiowecker am Morgen, der Computer besitzt unten rechts eine Uhr, am Telefon auf dem Schreibtisch zeigt das Display die Uhrzeit, im Auto neben dem Drehzahlmesser befindet sich eine Digitaluhr. Man ist von Uhren umgeben. Dann sprach mich ein Kunde darauf an und meinte, es die Schweiz sei doch ein Uhrenland. Es wäre angemessen eine Uhr zu tragen – am besten eine Schweizer Uhr. Gut, ich besorgte mir eine Swatch-Watch – einen Chronometer. Sie werden es nicht glauben, wie oft ein Tischnachbar (fast) unbemerkt auf meine Uhr schaut, um den Hersteller zu erkennen. Speziell die Schweizer Frauen legen offensichtlich grossen Wert darauf und fragen schon mal gerne nach der Uhrzeit, nur um das Fabrikat der Marke zu erkennen. Es wird auch mal gerne nach dem Handgelenk gegriffen, nur um zu sehen, was man da für eine tolle Uhr am Arm trägt.
    Tipp: Am besten kaufen Sie sich vom ersten Gehalt (oder von der Summe der ersten drei Gehälter) eine Uhr der folgenden Marken ohne Wertung: IWC (z.B. „Fliegeruhr Spitfire„), Omega (z.B. „Speedmaster„), RADO (z.B. „Ceramica„), TAG Heuer (z.B. „Carrera„), Swatch (z.B. „Retrogate„). Rolex ist zwar auch eine Schweizer Uhrenmarke, jedoch habe ich noch keine am Handgelenk eines Schweizers in meinem Umfeld gesehen. Kreuzen Sie auf keinen Fall irgendwo mit einer „Plastik-Uhr“ auf – es sei denn es steht Swatch darauf.

19.11.2007 – Der Knigge Swiss-Edition (Teil 1) – Anleitung für die Schweiz

17. November 2007

Die Diskussion in Medien und im Web2.0 betreffend „Die Deutschen in der Schweiz“ in den letzten Monaten warf in mir die Frage auf „Wie passt man sich als Deutscher in der Schweiz am besten an?“. Den Stein des Anstosses gab einmal eine Kommentar auf den Beitrag „NZZ-Artikel: (Die Deutschen) Jetzt gehen sie wieder“ und die aktuelle Diskussion bei Jens-Rainer’s „Blogwiese“ zum Thema „Die Schweiz ist kein Ausland – Denken alle Deutschen so?“

Gibt es kulturelle Unterschiede? Existieren Gewohnheiten oder charakterliche Eigenschaften „der Deutschen“, welche bei „den Schweizern“ nicht so gut ankommen? Könnte man daraus eine Art „Knigge für die Schweiz für Deutsche Migranten“ erstellen? Na, denn schau mer mal. Hier also der erste Teil des „Schweizer Knigge“. Oder eher der Versuch einen solchen zu gestalten.

Auf meine Frage im Beitrag von Jens-Rainer postete er vorerst „Die fünf Fettnäpfchen, in die Sie als Deutscher in der Schweiz nicht hineintappen sollten„, welche ich kurz zusammenfassen und kommentieren möchte:

  1. „Am Telefon nicht in die Luft gehen“
    Eigentlich sollte man niemals in die Luft gehen. Weder am Telefon, noch in persönlichen Gesprächen. Schon gar nicht öffentlich. Laute Auseinandersetzungen oder gar verbale Streitigkeiten habe ich noch nie erlebt.
    Tipp: Bleiben Sie ruhig. Wenn eine Besprechung lange dauert, oder ein Kollege das Thema ausführlichst umschreibt, dann hören Sie sich den Vortrag auch an. Vermeiden Sie es den Redner im Redefluss zu unterbrechen. Wenn Sie glauben, dass der Redner seinen Vortrag beendet hat, so warten Sie noch etwas; denn es kann durchaus sein, dass er nur einen kurze Pause macht. Schwierigkeiten werden immer bilateral geregelt und gelöst.
  2. „Alle Inlaut-I’s in Zür-i-ch vermeiden“
    Ja, das stimmt! In Zürich ist das tatsächlich so. Es gibt keinen Einwohner in Zürich, der sich „Zür-i-cher“ nennt oder eine in Zürich geborene Lady, die dann „Zür-i-cherin“ heissen würde. Richtig ist: „Zürcher“ oder „Zürcherin“. Das Nationalgericht der „Zürcher“ ist nicht etwa „Züricher Geschnetzeltes“, sondern „Zürcher-Gschnetzelts“. Nur beim See macht man eine Ausnahme: Der See wird nicht „Zürich-See“ genannt, sondern „Zürisee“.
    Bei einem Städtchen direkt an der Grenze zu Zürich gibt es einen weiteren Sonderfall: Die Einwohner von Schlieren heissen „Schlieremerinnen und Schlieremer“! Der Name des bekanntesten Schweizer Kinderchores ist nicht zuletzt „Schlieremer Chind„, der dieses Jahr sein 50. bestehen feiern durfte.
    Tipp: Beachten Sie die Sprechweise und Eigenheiten. Machen Sie sich nicht darüber lustig. „Es is so“ 🙂
  3. „Sie meinen, Emil’s Schwiizdertüütsch gut zu verstehen?“
    Von meinen Kollegen bekam ich 2002 bei der Abschiedsparty den Klassiker unter den Schweizer Filmen geschenkt:
     Der Film „Die Schweizermacher“ aus dem Jahr 1982 mit Emil Steinberger, Walo Lüönd und Wolfgang Stendar nimmt die Schweizer Einbürgerungspraxis mächtig aufs Korn. Die DVD enthält zwei Sprachversionen: Deutsch und „Schwiizerdütsch“ mit Untertiteln. Wählt man „Deutsch“, so sprechen die Schauspieler in der uns „Deutschen“ leicht verständlichen „Schwiizerdütschen“ Sprache. Dadurch, im täglichen Leben und speziell in der Arbeit glaubte ich so „ich verstehe ja ganz viel von der Landessprache“. Bis ich zum ersten Apéro eingeladen wurde. Da stellte ich fest, dass die Leute untereinander ganz anders sprechen. Erst wenn ich angesprochen wurde, „schaltete“ der Redner auf „sein Hochdeutsch“ um. Es dauerte locker 6 Monate, bis ich das „Umschalten“ als unnötig empfand und die Beteiligten – etwa in einer Besprechung – bat, doch im Dialekt weiter zu sprechen.
    Tipp: Die Schweizer geben sich grosse Mühe Hochdeutsch zu sprechen. Also erkennen Sie diese Leistung entsprechend an. Sobald Sie einer Diskussion unter Schweizern recht gut folgen können und auch Schweizeigene Wörter wie „Bünzli“, „Cheib“, „Siech“, „Gopf“ oder „vöörige Schoggi“, sowie „I gang go poschte“ verstehen, können Sie getrost mitplaudern – und den Film auf original Schwiizerdütsch ansehen. Wenn Sie Emil Steinberger im Dialekt hören möchten, so besuchen Sie eine der Lesungen.
  4. „Eine Tür zufallen lassen, wenn in 15 Metern Entfernung noch ein Schweizer naht“
    Na ganz so extrem ist das nun nicht zu sehen. 15 Meter ist etwas übertrieben. Generell gilt es allerdings als unhöflich, wenn man ohne über die Schulter zu schauen eine Tür zufallen lässt.
    Tipp: Sie haben die Zeit sich zu vergewissern, ob direkt hinter Ihnen noch jemand durch die selbe Tür möchte. Auch beim Lift gilt es als üblich eine sich schliessende Tür durch einen Knopfdruck wieder zu öffnen, wenn noch ein Kollege mitfahren möchte. Selbiges gilt für Bus- (Cars) und Tram-Türen.
  5. „Was für ein hübscher Dialekt hier in der Schweiz“
    Wie schon unter Punkt 3 erwähnt, gibt es einen grossen Unterschied zwischen dem Standarddeutsch der Schweizer und dem Dialekt in der Deutschsprachigen Schweiz. „Den Dialekt“ gibt es eigentlich nicht. Es gibt, wie in Deutschland, teils massive regionale Unterschiede. Man braucht teilweise nur eine Kantonsgrenze zu überschreiten und schon spricht es sich anders. Zürcher sprechen anders, als Aargauer und Thurgauer ganz anders als Rheintaler. Das Interessante daran ist allerdings, dass Schwiizerdütsch der Sammelbegriff für diejenigen alemannischen Dialekte ist, die in der Schweiz gesprochen werden.
    Tipp: Lassen Sie sich bei den ersten Erkundungen der Schweizer schönen Gegend und bei den unvermeidlichen Begegnungen mit „Eingeborenen“ niemals zum Satz „Was für ein hübscher Dialekt hier in der Schweiz“ hinreissen. Es mag ja „hübsch“ erscheinen, wenn sich das „ch“ in der Aussprache, wie die Auswirkung einer chronischen Kehlkopfentzündung anhört. Aber was sagen dann erst die Sachsen? Gewöhnen Sie sich die typische Schweizer Gelassenheit an. „Es is so!“

Ergänzung: Einen kleinen Überblick über die sprachlichen Unterschiede in der Schweiz gibt die Website Dialekt.ch mit eindrucksvollen Tondokumente zum Anhören.

Hier gehts weiter mit der 6.


Ein WE in Regensburg im November

13. November 2007

Ja, letztes WE war es wieder soweit. Mike und ich machten uns auf die Räder und fuhren nach Regensburg. Und wie es der liebe Wettergott so wollte, regnete es in Strömen – und zwar ab St. Gallen. Aber es kann noch schlimmer kommen: Es schneite ohne Ende im Allgäu. Gut, dass Mike nagelneue Winterreifen aufgezogen hat – auf das Auto.

Wir starteten gegen 21:30 Uhr in Zürich. Es hatte verhältnismässig wenig Verkehr bis zur Grenze in St. Margreten. Nur der Regen störte die Sicht. Die „Mühle“ von Mike hatte nämlich ein Leck in der Scheibenwaschanlage, aber neue Wischerblätter. Was zuerst aber wenig half. Erst als es so richtig zu schütten begann, verschwanden die Schlieren auf der Scheibe. Als es dann bei Memmingen so richtig schneite, brauchte es eigentlich keine Wischer mehr. Nur dann, wenn wir einen LKW überholten. Aber die neuen Wischer arbeiteten gut. Ab und zu musste bei offenem Fenster bei gemässigter Geschwindigkeit mit einem Sprutz aus der Scheibenreinigerflasche nachgeholfen werden. Es wird Zeit für ein anderes Auto. Aber noch braucht Mike die Mühle noch für den „allfälligen“ Umzugskram, der scheibchenweise aus Regensburg im Opel Omega antransportiert wird und langsam die freien Flächen in unserer Wohnung in Zürich füllt.

Trotz der miesen Wettersituation kamen wir flüssig voran und erreichten Regensburg nach nur 4 Stunden – also gegen 0:30 Uhr. Wir überlegten kurz, ob wir zuerst in die Wohnung von Mam fahren sollten, entschlossen uns aber zuerst anzurufen. Mam war eben nicht zu Hause, sondern auf der Jahninsel beim dortigen traditionellen Bauerntheater. Ergo entschlossen wir uns in die Regensburger Innenstadt zu fahren. Ich hatte nämlich mit Andrea abgemacht – und zwar im Scala. Dort fand am Freitag eine „80ies-Party“ statt.

Somit parkten wir in der Bismarckplatz-Tiefgarage und wanderten die Gesandtenstrasse zur Pustet-Passage. Beim „Gaffel“ kondensierte die feuchte alkoholschwangere Luft an den kalten Glasscheiben, was auf eine miese Klimaanlage schliessen lässt. Nachdem vor dem „Scala“-Eingang eine Menschentraube in laut diskutierender Runde stand, entschlossen wir uns zuerst ins „Paletti“ zu gehen. Erstens um nicht in der Reihe zu stehen, zweitens um uns aufzuwärmen und drittens um uns ein wohlverdientes Regensburger Bier zu genehmigen.

Leider stellte ich im „Paletti“ fest, dass ich meine Digicam im Auto vergessen hatte. Somit gibt es von diesem Abend keine Fotos, weil es mir einfach zu kalt war, wieder zum Parkhaus zurück zu gehen. Pech! Nach dem Bier hatte sich die Schlange vor dem „Scala“ gelichtet. Vor uns standen lediglich vier Frauen mit leichtem Kalorienabbaudefizit – händchenhaltend – und direkt vor der Tür liess sich der Türsteher den Ausweis von einer offensichtlich noch nicht ganz 18-Jährigen zeigen. Sie hatte nur einen Schülerausweis, den er nicht akzeptierte. Dafür erklärten gleich zwei Damen davor auf das Mädchen aufzupassen – Erziehungsberechtigte? Der Türsteher wies die vier mittlerweile eng umschlungenen Damen ab und wir schlängelten uns zwischen Tür und Türsteher durch. Wir sind in Regensburg, odrrr?

Wir stiegen ungehindert die Treppe hinauf, aber dann: Vor der Garderobe standen bereits die Leute an. Ein Blick über das Steingeländer Richtung Discothekenbereich bestätigte unsere Befürchtungen. Das „Scala“ ist proppevoll. Ein Durchkommen unmöglich. Die Menge waberte unkontrolliert – Hineindrängende und Hinausdrängende verstopften die letzten freien Poren zwischen den stehenden oder wankenden Discogängern. Aussichtslos hier Andrea zu finden. Hoppla! Wer winkt da? An der rechten Säule gelehnt und zwischen ihrer Freundin und zwei Unbeteiligten eingeklemmt. Wir begrüssten uns kurz und versuchten uns zu unterhalten. No Chance. Immer drängte Jemand von hinten oder von der Seite vorbei. Ende! Mike besorgte an der Bar neben der Garderobe zwei Bier. Aber sogar das Trinken war ein Akt für sich. Man musste sich vor dem Anheben der Flasche vergewissern, dass einem Niemand in den Ellbogen läuft oder man sich mit dem Flaschenhals die eigene Lippe blau schlägt.

Nix wie raus hier! Wir verabschiedeten uns von Andrea und – vielleicht kommen wir wieder so gegen 3 Uhr. Wir verliessen das proppevolle „Scala“ und wanderten durch das nächtliche feucht-kalte Regensburg die Gesandtenstrasse entlang an der frisch renovierten Schnupftabakfabrik. Dann bogen wir in die Obere Bachgasse ein und schlenderten am Bäcker „Schwarz“ zum Augustinerplatz. Dort stand die Tür vom „Zap“ halb offen. Wir begrüssten die Tür-Runde – wo ist Michi? Michi sei krank, hätte eine Sehnerventzündung, seit der „Grauer Panther“-Party am 12.10.2007. Na, denn gute Besserung!

Im Gegensatz zum „Scala“ führt hier die Treppe in das Kellergewölbe. Direkt hinter der Glastür traf ich auf einen guten Bekannten und wurde gleich auf meinen Blog angesprochen. Er würde regelmässig lesen, aber hätte noch nicht kommentiert. Zeit wird’s! Er wäre mit weiteren Vätern einer Kindergarten-Runde unterwegs. Die Frauen würden schon länger regelmässig in den Ausgang gehen. Dann hätten die Männer sich zusammen getan und wären heute das erste Mal unterwegs.

Mike war schon an die mittlere Bar gegangen und hatte zwei Radler besorgt. Das „Zap“ war locker gefüllt. Was sich hier hoffentlich nie ändert, ist die Musik. Egal welcher DJ auflegt. Das Portfolio bleibt das gleiche. Auch so mancher Gast verändert sich offensichtlich nie. Die Atmosphäre ist gemütlich. Wo waren wir eigentlich am 12.10.2007? Da war doch der „Graue Panther„? Nach der traditionellen Weihnachtsparty am 24.12. das eigentliche Hauptevent im „Zap„. Auch nach längerer Überlegung konnten wir nur feststellen „Da war irgendwas“. Den Termin hätten wir nie vergessen, oder? Keine Ahnung.

Wir setzten  uns auf die Bank bei der mittleren Bar und plauderten mit den Stammgästen. Rainer war auch da, schien aber keine Zeit zu haben. Nach der erwähnten Radler und zwei „Tex“ verliessen wir das „Zap“ wieder und schauten noch einmal im „Scala“ vorbei. Die Reihen hatten sich zwar einigermassen gelichtet. Wir bezogen unseren Platz zur guten Aussicht. Andy legte gute Songs aus den 80ern und danach auf. Es war aber immer noch gut voll. Mike hatte ein nettes Erlebnis. Ein Lady verwechselte ihn offensichtlich nach einem WC-Besuch mit ihrem Begleiter und plauderte über intime Dinge aus dem Leben ihrer Freundin. Schliesslich machte Mike sie darauf aufmerksam, dass ihr Begleiter direkt auf anderen Seite rechts neben ihr stehen würde. Erst dann bemerkte die Lady das Missverständnis. Sachen gibt’s in Regensburg. Ist da irgendwas im Wasser (oder Red Bull?) drin? Was rauchen manche Mädels hier?

Wir blieben bis Badeschluss – bis das Licht anging und verabschiedeten uns dann schnell, schlenderten zurück zur Tiefgarage und fuhren zur Wohnung von Mam. Mam war noch wach – natürlich. Sie hatte noch Kaffee gemacht und wir plauderten noch ein Weilchen. Dann bezogen wir die Schlafgelegenheiten, während Draussen immer noch der Wind blies und Schneeregen zusammen mit der Kälte den Winter nach Regensburg brachte.

Am Samstag wurde zuerst ausgeschlafen. Dann Nachmittags gefrühstückt. Und anschliessend fuhren Mike und ich zum Einkaufen. Natürlich kurz vor Ladenschluss – zwei Stunden davor um 18 Uhr trafen wir im „Arcaden“ ein. Mein Haar verlangte nach einer Verkürzung. Ich eigentlich nicht. Mit den kurzen Mecki-Haaren fühle ich mich einfach nicht wohl. Aber es musste wieder einmal sein. Mike wollte zwar ebenfalls seine kurzen Haare noch kürzer schneiden lassen, jedoch zog sich sein Einkauf durch eine Nichtakzeptanz der Schweizer-Post-Scheckkarte und der dadurch erzeugte Gang zum Geldautomaten etwas in die Länge. Wir entschlossen uns dann „Schöppelen“ zu gehen. Mike besorgte sich neue schwarze Turnschuhe mit drei weissen Streifen und ich besorgte mir ein weisses Hemd mit dünnen schwarzen Streifen. Dazu ein „Longhornteeschört“.

Pan Hook und Katze

Diese anstrengende Einkaufstour von doch fast zwei Stunden schrie förmlich nach Entspannung, welche wir in Mam’s Wohnzimmer bei Kaffee, Katze, Buch und Sofa liegend verbrachten. Mam hatte mir zum Geburtstag ein Buch von Dieter Nuhr geschenkt mit dem Titel „Gibt es intelligentes Leben?“ und amüsierten uns köstlich.

Zum Beispiel über die oft gestellte Frage nach den Dingen, welche man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Dieter Nuhr empfiehlt: 1. Einen Apache-Hubschrauber mit Pilot, welcher einen bei Gefahr sofort von der Insel evakuieren und vor Komodowarane rettet. Ausgewachsen über drei Meter gross könnten diese Überbleibsel aus der Urzeit einen Menschen mit nur einem Schwanzhieb töten, was umgekehrt unmöglich wäre. 2. Eine Brücke zu einer voll funktionsfähigen Grossstadt mit Nachtleben und Gesundheitswesen 3. Damen. Voll überzeugend, logisch und intelligent logisch urteilten wir lachend.

So verstrich der Abend und auch die Nacht in trauter Viersamkeit. Mam regte sich nur riesig auf, dass der Kater Felix nur bei Mike rumlag und ihr untreu war. Wir ratschten und blödelten bis in die frühen Morgenstunden.

Temporäre Dauerwelle

Der Sonntag war kalt und kurz in Regensburg. Trotzdem kam nie Langeweile auf. Mike fuhr mit dem Opel Omega zu seiner Wohnung und besuchte das andere Geburtstagskind Claudia. Mam richtete sich für ihren Besuch her: Mit einer temporären Dauerwelle – auch „Donauwelle“ genannt. Ich durfte das erste Mal Mam’s Opel Corsa fahren und begab mich zu Mane und Tina nach Neutraubling, um die T-Shirts für Adrian abzuholen. Zwischenzeitlich hörte es auf etwas weniger stark zu regnen. Es war saukalt für die Jahreszeit. Die Wolkenformationen hatte ich sonst nur im Fernsehen gesehen bei Filmen über Tornados in Florida. Trotzdem kam ich ohne Komplikationen mit einer Spitzengeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern auf der Autobahn voran. Mane, Tina und Sabinchen hatten sich vor Kurzem ein Häuschen mit Gaststätte gekauft. Die Gaststätte wird momentan entkernt und umgebaut. Im März soll die Wirtschaft als Wohnung im neuen Glanz erstrahlen und bezugsfertig sein. Mit schwedischen Kanonenofen samt neuem Kamin, neuer Küche und viel Freiraum im Wohn-Ess-Zimmer. Unter der Wohnung ist eine Kellerbar. Eigentlich direkt unter dem Schlafzimmer. Eigentlich genial, odrrr? Wenn der eine Kopfweh hat, kann der andere derweil ein Weissbier trinken.

Es gibt KuchenTee und Rum

Nach der Besichtigung der Baustelle und einem ausgiebigen Ratsch sattelte ich den Corsa und fuhr durch das Novembersturmwetter zurück nach Regensburg – die T-Shirts im Kofferraum zusammen mit Mam’s Sommerreifen und diversen Sträuchern aus Mam’s Gärten. Ich traf bei Mam ein, als diese grad nach allen Regeln der Kunst ihren Besuch aus der Nachbarschaft bewirtete. Es gab (mitbrachten) Kuchen und Tee? Ich besorgte mir einen Kaffee und setzte mich dazu. Der Tee wurde allerdings mit Zucker und Rum gewürzt. Teekultur inspirativ – aber bitte mit Sahne.

Mike traf gegen 19 Uhr wieder ein. Das Auto mit den letzten Kleinigkeiten beladen. Wir verabschiedeten uns eine Stunde später und machten uns auf den Weg zurück nach Zürich. Es regnete fast durchgängig. Bei Lindau stand dann der traditionelle Boxenstopp (Wasser ablassen und Kaffee nachtanken) an – ja, im McDonald. Sorry, aber um die späte Uhrzeit bekommt man nirgends sonst was. Die Fahrt durch autoleere Strassen durch Bregenz verlief vollkommen problemlos. Es schüttete nur wie aus Eimern. Wir schlossen eine Wette ab, ob bei dem Sauwetter ein Zöllner an der Grenze stehen würde. Ja, er stand dort warm bekleidet – nur direkt bei der Tür zum Zollhaus gut überdacht im Windschatten – und winkte uns durch. Bei St. Margreten ging der Schnürdlregen in Schneeregen über. Die Temperatur sank auf 1 Grad Celsius. Erst bei Winterthur liess der Regen nach. Um ein Uhr Morgens trafen wir zu Hause ein. Tja, es wird wirklich Zeit, dass es Sommer wird.


Man weiss, dass man (zu) lange in der Schweiz wohnt, wenn…

9. November 2007

 Woran merkt man eigentlich, dass man zu lange in der Schweiz ist? Sich also „migriert“ oder „assimiliert“ hat? Hier eine kleine Aufzählung von Symptomen. Wenn mehr als 3 davon für Dich zutreffen, dann schnell ein bayrisches Bier trinken. 😉

Du weisst, dass Du schon (zu) lang in der Schweiz wohnst, wenn…

  • Du einen „Badealarm“ auslöst, um einen Nichtschwimmer zu retten.
  • „grillieren“, „hospitalisieren“, „schubladisieren“ und „verunfallen“ zu Deinem täglichen Wortschatz gehört.
  • Du mit dem Fahrrad jedes „Rotlicht“ übersiehst.
  • Du anfängst für den nächsten Marathon zu trainieren.
  • Du die „Züri-Metzgete“ nicht mehr für einen blutigen Terroranschlag hältst.
  • Du wie selbstverständlich Dein Wunschauto in „schwarz“ bestellst.
  • Du Dich wunderst, dass Dein Leihauto eine Handschaltung hat.
  • Du die „Winterpneu“ nicht mehr auf Stahlfelgen, sondern auf Alufelgen aufziehen lässt.
  • Du zum Frühstück Birchermüsli schlabberst.
  • Du „Nüsslisalat“ bestellst, obwohl Du gegen Nuss allergisch bist.
  • Du Dir einen Burger mit Pommes und Salat für 22 CHF bestellst.
  • Dir vor Hunger schlecht wird, wenn Du nicht pünktlich um 12 Uhr zum Mittagessen kommst.
  • Du pünktlich um 16 Uhr das Büro verlässt, um Dich mitten in den täglichen Feierabendstau zu stellen.
  • Du frühes Aufstehen als wichtig empfindest.
  • Du am Samstag-Vormittag Dein Auto wäschst und komplett aussaugst.
  • Du am Samstag-Nachmittag ins „Dütsche“ fährst, um bei Aldi, Lidl, Edeka einzukaufen.
  • Du Dich unwohl fühlst, wenn Du weniger wie 300 CHF beim „Uusgang“ im Geldbeutel hast.
  • Du im club mit einem Whisky-Redbull mitten auf der Tanzfläche stehst.
  • Du am Sonntag-Morgen mit dem Mountainbike auf einen Bergpass radelst.
  • Du 3x in der Woche zum „Spinnen“ ins Fitness-Center gehst.
  • Du den Tempomaten auf der Autobahn auf 120 km/std. einstellst.
  • Du die gelbe Warnweste über die Motorradlederjacke streifst um mit dem „Töff“ ein „Uusfahrt“ zu machen.
  • Du ein schlechtes Gewissen hast, wenn Du kurz nach 22 Uhr in die Badewanne steigst.
  • Du Dich beim Nachbarn über dessen Toilettenspülung nach 22 Uhr beschwerst.
  • Du es als normal ansiehst nur einmal in der Woche Wäsche-Waschen zu können.
  • Du Dich für die nächste Abstimmung interessierst.
  • Du Dich für Schwingen interessierst.
  • Du Argumente gegen einen EU-Beitritt der Schweiz sammelst.
  • Du Dich unwohl fühlst, wenn Du liest, dass die Arbeitslosigkeit von 2,9 auf 3% gestiegen ist.
  • Du jede Mail mit „Bei allfälligen Fragen stehe ich Ihnen zur Verfügung“ beendest.
  • Du die Herkunft jedes Telefonanrufers am Dialekt erkennst.
  • Du „Steuerfüsse“ nicht mit „Pedalen“ verwechselst.
  • Du es als logisch empfindest, dass Chinesische Lokale von Schweizern betrieben werden.
  • Du jeden mit „Tzi“ begrüsst und verwundert schaust, wenn der Gegrüsste „Hallo“ sagt.
  • Du jeden mit „Tzi“ begrüsst und Dich ärgerst, wenn man Dir ein Taschentuch reicht.
  • Du ein Halbtaxabo kaufst.
  • Du die Brockenstube nicht mehr für einen Steinbruch hältst.
  • Du Deutschland für den „grossen Kanton“ hältst.
  • Du Bayern und Österreich als ein Land ansiehst.
  • Du „I gang go poschte“ sagst und einkaufen gehst.
  • Du fragst Dich, warum jemand ausserhalb der Arbeitszeit einkaufen geht.
  • Du glaubst es ist vollkommen in Ordnung am Sonntag langsamer Auto zu fahren.
  • Du wünschst Dir, dass es in Deiner Heimatstadt auch die teueren Abfallsäcke gäbe.
  • Du in einer Guggenmusi-Gruppe spielst.
  • Du es „cool“ findest Amerikanisches Bier zu trinken.
  • Du eine Party schmeisst und erwartest, dass der Letzte um 23 Uhr geht.
  • Du während der Party aufräumst.
  • Du erwartest, dass die Partygäste Dir beim Abwasch helfen.
  • Du die Eigenarten der sämtlicher Kantone kennst.
  • Du mehr als 3 Monate in Australien, Neuseeland, Südafrika Urlaub machst.
  • Du nur im Winter Fondue isst.
  • Du an einem Jass-Turnier teilnimmst.
  • Du Dich für die Gardienenfarbe Deiner Nachbar interessierst.
  • Du Fahrzeugen mit Deutschem Kennzeichen auf wenige Zentimeter auffährst.
  • Du Dich aufregst, wenn Du das liest.

(Reloaded aus meinem alten Blog vom 02.11.2005)


NZZ-Artikel: (Die Deutschen) Jetzt gehen Sie wieder

1. November 2007

Soeben stellte ich fest, dass einige Besucher meiner Site auf der Suche nach „Katrin Wilde Podcast“ auf meiner Seite gelandet waren. Ja, was macht die ehemalige Radio Energy-Moderatorin denn nun? Also startete auch ich eine Suche. Fand aber zuerst einmal einen anderen interessanten Artikel – und zwar im Onlinebereich der NZZ: „Jetzt gehen Sie wieder“ von Sacha Batthyany. Prädikat „sehr lesenswert“.

Und: RadioEnergy-Geschäftsführer gab Inhalte einiger Beispiele für „leicht rassistische E-Mails“ bekannt, welche an Katrin Wilde gesendet worden sind:

Viele mies und ein bisschen rassistisch. Büchi: «Und weitere fünfzig waren unter jeder Sau. Drei davon lebensbedrohend.»

Ein Auszug: «Ihr Deutschen seid eine Epidemie.» Oder: «Frau Wilde, wenn Sie das nächste Mal in Ihr Land fahren, nehmen Sie den Viehtransporter, pferchen all Ihre Landsleute rein und bleiben, wo Sie herkommen.» Oder: «Schade, dass die Gasöfen in Deutschland abgestellt wurden. Denn da gehören Sie hin.»

Tja, was soll man dazu noch sagen ausser „unter aller Sau!“? 

Mal sehen, ob ich auch herausfinde, was Katrin Wilde aktuell treibt. (Nein, leider gar nix gefunden)

UPDATE 02.11.2007: Bei Jens-Rainers „Blogwiese“ läuft momentan eine interessante Diskussion zum Thema „Die Schweiz ist kein Ausland – denken alle Deutsche so?„