Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 4

8. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 4:

Pedro kannte Enrico de La Espuma-Agita, kurz Rico genannt, sehr gut. Als die Ranch de Gorrión noch von den Eltern von Pedro und Miguel bewirtschaftet wurde, arbeitete Rico auf dem angrenzenden Gut der Escobars. Die Escobars hatten eine Pferdezucht und Rico war für das Zureiten der Zuchtpferde zuständig. Falls die Zeit es zuliess waren Pedro, Miguel, Cristiano und Rico aber auch in der Pampa und in den Bergen unterwegs und fingen Wildpferde ein. Diese versuchten sie dann gemeinsam zu zähmen. Rico besass ein Händchen für Pferde und hatte schon damals die besten Erfolge beim Zureiten. Allerdings verschwand er dann plötzlich von heute auf morgen. Angeblich hatte er den Job zu wörtlich genommen; denn Papa Escobar hatte ihn inflagranti mit dem 16jährigen Töchterchen Margarita Escobar in der Scheune erwischt. Seit dieser Zeit war Enrico de La Espuma-Agita spurlos verschwunden – mindestens 15 Jahre lang. Pedro klopfte Cristiano auf die Schulter, welcher sich im Rhythmus der Musik mit dem Glas in der Hand bewegte. Dann erzählten Miguel und Pedro auch Cristiano, dass der Tänzer rechts auf der Bühne eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit Rico hätte. Cristiano drehte sich blitzschnell um, stellte sich auf die Zehenspitzen, warf einen kurzen Blick Richtung Bühne, drehte sich wieder zu Miguel und Pedro und nickte heftig. Es musste somit Rico sein. Das war Pedro eine Runde Whiskey wert. Er winkte dem Barkeeper. Dieser wollte vier Gläser einschenken. Pedro winkte erneut und deutete auf eine Flasche im Regal unter dem Spiegel.

Der Barkeeper stellte die Whiskey-Flasche, vier Gläser und eine Portion Eisstücke auf die Theke. Beato schaute verwirrt zuerst die Flasche und dann die drei Freunde an. „Schon wieder feiern bis der Totengräber kommt?“ Stand in seinem Gesicht. „Was heisst schon wieder?“ Die letzte gemeinsame Flasche Whiskey war fast genau ein Jahr her. Miguel hatte sich damals die Schulter böse geprellt, als er beim nach Hause Ritt vom Pferd fiel. Und das auch nur, weil er verkehrt herum aufgestiegen war und verzweifelt das Halfter gesucht hatte. Er beugte sich zu weit vorn/hinten über den Schweif und schon war es geschehen. Auch Beato wurde schliesslich über den Fall Rico informiert, Pedro füllte die Gläser und die vier stiessen auf den Abend an. Der erste Whiskey brennt am meisten, besonders wenn es sich um schwarz Gebrannten handelt. Cristiano stellte das Glas ab und nahm einen tiefen Zug aus der Kubanischen Zigarre. Er lehnte sich an die Theke und schnitt dann ein besonders brisantes Thema an. „Weiss Rico, dass sein Scheunen-Reiten mit Margarita nicht ohne Folgen geblieben ist und er Papa Escobar zum Opa gemacht hat? Und die beiden Brüder Escobar lange nach Rico geforscht hatten?“ Die vier Amigos schauten zuerst zum immer noch tanzenden Rico und dann sich gegenseitig an – gemeinsames Kopfschütteln. Margarita Escobar ist heute 31 und lebt mit ihre 14jährigen Tochter Francesca immer noch auf der Ranch der Escobar`s. Der Gag an der Sache: In der zum Gästehaus umgebauten Scheune.

Der Vorhang schloss sich und übertosender Applaus erfüllte den Saloon. Die Flamenco-Truppe legte eine Pause ein. Der Klavierspieler war an der Reihe und er haute in die Tasten. Miguel beobachtete aus den Augenwinkeln wie Enrico den Arm um seine brünette Flamenco-Partnerin legte und die beiden dann von der Bühne her quer durch die Menschenmenge plaudernd und lachend zur Theke kamen. Als die beiden an den vier Amigos vorbei gingen, drehten sich die Vier um und riefen „Olá Rico!“ Rico stand kurz wie angenagelt da, dann lachte er und man begrüsste sich per Handschlag. Rico stellte die brünette Tanzpartnerin vor. Ihr Name war Amelie. Pedro besorgte noch zwei Gläser und schenkte Whiskey nach. Rico erzählte, dass er sich nach seinem Verschwinden nach Spanien – nahe Barcelona – abgesetzt hatte. Die Karte für die Überfahrt nach Europa verdiente er sich angeblich als Tellerwäscher und Zeitungsjunge. In Barcelona verdingte er sich dann für 4 Jahre auf einem Gestüt als Pferdepfleger, bis es zum Zerwürfnis mit dem Besitzer kam. Dann nahm er seine Ersparnisse und reiste zurück nach Colorado. Amelie lernte er erst vor wenigen Wochen in San Francisco kennen. Als ein Flamenco-Tänzer kurz vor Beginn der Tournee sich ein Bein brach, hätte Amelie dann Rico überredet einzuspringen. Nun tingelte er zusammen mit der Flamenco-Truppe durch das Land, was ihm Spass machte, weil man immer neue Leute kennen lernen würde. Dabei nahm er Amelie in den Arm und sah ihr tief in die Augen. Und alte Freunde treffen würde! Und Rico prostete den vier Amigos zu. Miguel erzählte, dass er nun die Ranch führen würde und was so noch in den letzten Jahren passiert war. Amelie wandte sich zu Pedro und fragte, woher er und seine Freunde Rico kennen würden. Amelie merkte man einen französischen Dialekt an und sie sah von der Nähe noch besser aus, aber „der helle Schein“ war verschwunden. Pedro sah in ihre blauen Augen, nahm einen tiefen Zug aus der Zigarre und bliess den Rauch über die Nase langsam aus. Dann machte er eine raumgreifende Bewegung mit dem Arm und brachte nur ein „Rico kennen wir schon sehr lang“ heraus. Amelie erzählte Pedro, dass sie aus Paris kommen würde und klassisches Ballet gelernt hätte. Cristiano rempelte Pedro an und beide warfen sich einen viel sagenden Blick zu. Rico bot Amelie den Arm an und bedeutete den anderen, dass die Flamencoparty gleich weiter gehen würde. Beide gingen zurück zur Bühne und verschwanden hinter dem Vorhang.


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 3

8. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 3:

Dann öffneten sich die Vorhänge links und rechts der Bühne ganz. Von jeder Seite betraten je zwei Gitarrespielende Mexikaner die Planken. Auch zwei Bongospielende Mexikaner kamen hinzu. Sie hatten grosse bordürengeschmückte Sombreros auf und trugen farbenfrohe Kostüme. In diesem Moment stand die Lady mit ausladenden Schritten vom roten Stuhl auf, schaute zur Seite, erhob ihre Hände und fing an im Takt zu klatschen und mit den Füssen zu stampfen. Dann nahm sie ihren Rock, hob ihn auf einer Seite an, reckte die andere Hand in die Höhe und drehte sich mehrmals. Der Flamencoabend hatte begonnen. Die Menge sprang von den Tischen auf, johlte und klatsche mit. Tische fielen um, Stühle fielen um, Gläser fielen um. Wildfremde Menschen fielen sich um den Hals und tanzten. Zwei Frauen drängten sich an uns vorbei und kletterten auf die Theke. Pedro und Miguel konnten gerade noch ihre Cervezas retten – Beato nicht. Er schlug mit der flachen Hand auf die Theke und schrie dem Barkeeper. Doch dieser konnte ihn nicht hören. Es war einfach zu laut. Die Mexikaner beendeten das erste Lied. Die hübsche Tänzerin legte einen blitzsauberen Spagat auf die Bühne. Tosender Applaus beherrschte den Saloon. Sie stand auf und verneigte sich mit Grazie mehrmals. Dann fingen die Musiker mit dem nächsten Song an. Diesmal handelte es sich um ein ruhigeres Stück. Plötzlich lief das Publikum kreuz und quer. Einige liefen weiter nach vorne an die Bühne, andere strebten zur Bar hin, wieder andere rückten geräuschvoll die Tische aus der Mitte zur Seite, Frauen mit grossen Ledertaschen drängelten zu den Toiletten. Ein grosses, lautes Durcheinander. Die komischen Gläser mit den bunten Getränken, gefüllt mit Früchten gingen literweise über die Theke. Cristiano, Beato, Miguel und Pedro hielten mit der einen Hand das Cervezaglas und sich selbst mit der anderen Hand an der Theke fest. An das Rauchen der Cubanas war nicht zu denken – ausgebrannt lag die von Pedro im feuchten Aschenbecher. Nachdem einige Gäste über die Biberfelle von Beato gestolpert waren, brachte dieser die wertvollen Felle in einer Ecke im Lokal in Sicherheit und stapelte diese unter einer Eckbank. Allerdings hatte er dann schwer zu arbeiten, um an sein Cerveza an der Theke zurück zu kommen. Zwischenzeitlich fand er sich auf der Damentoilette wieder, da er von der unkontrollierte Menge dorthin abgedrängt wurde. Vollkommen zerzaust und durchnässt kam er nach etwa einer halben Stunde zurück. Worauf er fluchend ein frisches Glas Cerveza bestellte.

Die Musiker postierten sich zum dritten Teil im Halbkreis im hinteren Bereich der Bühne – zentral in der Mitte die dunkel gewandete aufreizende Lady. Als die Mexikaner in die Saiten bzw. auf die Pauke schlugen, betraten über die Bühnentreppe drei weitere Flamenco-Paare händchenhaltend die Bühne. Als die drei Pärchen auf die Bühne stiegen, dachte Pedro kurz ein helles Licht von dort gesehen zu haben. Aber er konnte nichts erkennen und ignorierte diese Wahrnehmung. Sofort ging das Chaos im Publikum in umgekehrter Reihenfolge von vorne los. Johlend und tanzend strömten die schon teils Angetrunkenen „aus allen Löchern“. Festhalten was nicht niet- und nagelfest ist, hiess die Devise für uns. Die Flamenco-Gruppe war nun vollständig. Die hübsche Lady sang und steppte, die drei Pärchen umtanzten sie in wechselnder Besetzung und die Musiker spielten, was die Instrumente hergaben. Nachdem sich die Lage an der Theke wieder beruhigt hatte, da sich die Hauptmasse der Gäste vor der Bühne und im Zentrum des Saloons austanzte, griff Miguel in die Seitentasche seiner Lederjacke und reichte den drei je eine Kubanische Zigarre. Gleichzeitig bissen die vier Freunde die Enden ab und spuckten diese auf den Boden. Dann reichte man sich Feuer und man nahm einen tiefen Zug. Die Zigarre diente lediglich der reiner Beruhigung der Nerven vom bisher Erlebten; denn Rauch und Dunst war im Saloon eh schon reichlich vorhanden. Plötzlich rempelte Miguel seinen Bruder an. Miguel deutete auf die Bühne.

Pedro folgte der Richtung der Hand von Miguel, welche zur rechten Seite der Bühne auf eines der drei Flamenco-Paare zeigte. Da war es wieder das Leuchten. Es schien von der Tänzerin zu kommen. Pedro blickte wie gebannt auf die Lady. Sie hatte brünettes langes Haar welches auf dem Hinterkopf mit einer Goldspange zusammen gebunden war. Bei jeder Drehung warf sie den Nacken zurück und wischte es sich mit der freien Hand charmant aus dem Gesicht. Es gibt Menschen, welche gleich im ersten Augenblick der Begegnung, noch ehe man mit ihnen ein Wort gewechselt hat, einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck auf uns machen. Ohne dass sich eine solche Person freundlich oder feindselig verhalten hat, fühlt man deutlich, ob man sie hassen oder lieben wird. Pedro erinnerte sich des empfundenen hellen Schein, als die drei Flamenco-Paare die Bühne betraten. Es war die Lady mit dem langen brünetten Haar. Wie in Hypnose blickte er sie an, verfolgte jede Bewegung. Erst als Miguel seine Hand auf Pedros Augen legte, kam er wieder zu sich. Miguel schrie ihm förmlich ins Ohr, er hätte den Tänzer wieder erkannt. Den Tänzer? Pedro konzentrierte sich die letzten Minuten auf die Partnerin des Tänzers. Jetzt erst erblickte er Enrico de La Espuma-Agita.


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 2

8. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 2:

Pedro blickt in die Runde. Die runden Holztische waren durchwegs besetzt. Auch die Drinks und die Trinkgewohnheiten scheinen sich schwer geändert zu haben. Letztes Jahr gab im alten Saloon lediglich Whiskey pur im Glas, Whiskey mit Eis im Glas oder Whiskey aus der Pulle. Nun hielten die Cowboys und erst recht die weiblichen Gäste Gläser in der Hand, die zu gross für Whiskey- und zu klein für Biergläser waren. Auch der Inhalt sah ganz anders aus – mit bunten Flüssigkeiten gefüllt und teils mit exotischen Früchten bestückt. Ausserdem wurde nicht vom Glas selbst, sondern aus Naturstrohhalmen getrunken. Als der Barkeeper die beiden Cervezas brachte, beugte sich Pedro hinüber zu dessen Ohr und fragte, wie denn die bunten Getränke heissen würden. Der Barkeeper deutete nur zu einem der an der Wand befestigten Spiegel. Pedro las die mit roten Lettern geschriebenen Worte und runzelte erneut die Stirn, drehte sich um und sah sich den Schuppen mal genauer an. Auf der Gegenseite zur Bar befindet sich eine Bühne. Deren schwere rote Vorhänge sind geschlossen. Von der Decke hängen Wagenräder, deren Petroleumlampen ein nur schwaches Licht auf das verrauchte Ambiente werfen. Links von der Bühne gibt sich ein Klavierspieler Mühe die Musik durch den hohen Geräuschpegel zu bringen. Immer wieder wird das Geklimper von Gelächter übertönt. Rechts von der Bühne windet sich eine Holztreppe auf die Galerie. Eine blonde, langhaarige Frau mit einem weinroten Kleid unterhält sich dort oben mit einem geschniegelten Schnauzbartträger. Er trägt einen dunklen Zweireiher mit güldenen Knöpfen – nimmt aber zum Reden nicht mal die Zigarre aus dem Mund. Zweifelsohne der neue Chef des Saloons. Pedro rempelt Miguel an und deutet kopfschüttelnd hinauf. Miguel nimmt einen der Cerveza-Krüge und in einem Ritual (Anstossen in der Reihenfolge links-rechts-links) prosten sich die Brüder zu und leeren die Krüge in einem Zug.

Krachend stellen Miguel und Pedro die leeren Glaskrüge auf die Theke. Der Ober schaut nur kurz auf und schenkt zwei weitere ein. Pedro greift in die Brusttasche der Lederjacke und befördert zwei Cubanas heraus. Eine hält er Miguel stumm hin, die andere beisst er am Ende ab und spuckt dieses neben sich auf den Boden. Gerade vor die Füsse eines Trappers. Als Pedro langsam seinen Blick erhebt, sieht er in das von der Wildnis gegerbte Gesicht. Die Biberfellmütze hat der etwa 38-jährige Mann weit über die Augen gezogen. Als der Fremde die Mütze abnimmt, erkennt Pedro das Grinsen eines guten Freundes. Es ist Cristiano, dessen Eltern  schon vor dem Gorrión-Clan in New Mexico aus Spanien ankamen. Sein Nachname setzt sich aus dem der Mutter „Alto“ und des Vaters „El Esperar“ zusammen – Er selbst nennt sich daher „Cristiano El Altoesperar“. Er hält sich schon seit seiner Kindheit im Winter in den Urwäldern rund um Castillo de la Lluvia auf und schlägt sich als Fallensteller durch. Die Brüder de Gorrión und Cristiano hatte sich seit dem extrem kalten Winter im letzten Jahr nicht mehr gesehen. Daher fiel erst nach der ausgiebigen Begrüssung der Blick auf den Begleiter von El Altoesperar. Ein schlanker aber kräftiger Mann stand neben Cristiano und trug über die Schultern jeweils ein dickes Paket mit Biberfellen. Seine Hose und seine Jacke bestand aus bestem Braunbärenfell und er schwitzte merklich unter dieser Bekleidung. Cristiano stellte seinen Freund als Beato del Llevadosuiza vor. Dieser warf nach einem kurzen Handschlag beide Biberfellpakete auf den Boden und bemühte sich schnell aus der Bärenfelljacke zu kommen. Er lehnte sich anschliessend über die Theke und bestellte zwei weitere Cervezas.

In diesem Moment ertönte ein Tusch. Der schwere rote Vorhang wurde ruckartig nach oben gezogen und die Bühnenpetroleumlampen wurden heller gedreht. Schlagartig verstummte das allgemeine Gebrabbel im Saloon. Mitten auf der erhöhten Bühne sass in einem roten Lehnstuhl eine junge Dame. Die netzbestrumpften schlanken Beine überkreuzt, in einem knappen schwarzen weit ausgeschnittenen Kleid, mit einer rosa Federboa um den schlanken weissen Hals geschlagen und hoch toupierten dunklen Haaren auf deren Spitze ein Silberkrönchen mit perlenbesetzten Haarnadeln fast unsichtbar befestigt war. Mit spitzen Fingern hielt sie eine rauchende lange Zigarette und führte diese lasziv zu ihren roten Lippen. Dabei blickte sie mit ihren mit künstlichen schwarzen Wimpern bewerten Augen langsam in das Publikum. Kurz: Ein Bild von einer Frau. Es war mucksmäuschenstill. Nur ein Mann in der rechten Ecke war zu früh eingeschlafen und lehnte auf einen Arm gestützt leise schnarchend über ein halb geleertes Whiskeyglas. Miguel hatte sein Bierglas zum Trinken angesetzt, stand nun aber mit weit geöffneten Augen und halb offenem Mund wie festgenagelt da. Pedro hob die Hand und klappte Miguel`s Mund zu. Pedro grinste Miguel an, doch dieser machte nur eine kurze abwertende Handbewegung und starrte wieder wie gebannt auf die Bühne. Cristiano grinste wie gewohnt über beide Backen – wären da nicht die Ohren im Wege, wäre der Kopf nach hinten weggeklappt.


Musik und Assoziationen zur Vergangenheit

6. Januar 2006

Geht es Euch auch so? Man hört ein Musikstück und kann sich sofort an eine bestimmte Gefühle, Begebenheit oder Situation erinnern. „Don`t pay the Ferryman“ und „Lady in Red“ von Chris de Burgh verbinde ich mit selbst organisierten Partys in der Schulzeit, Judenstein Realschule und Birgit. „Daddy Cool“ von Boney M. war die erste Single die ich mir im Stereo 2000 in Regensburg kaufte. Die Scheibe lief stundenlang im Partykeller vom Reihenhaus meiner Eltern. Dire Straits und „Money is for nothing“. Madonna sogar: „Material World“. Da sassen wir in Mayrhofen am Penken. Ich hatte einen Kassetten-Radio am Berg dabei. Apré-Ski im Liegestuhl mit einem Erdinger in der Hand. Ja ehrlich! Bei Genesis und Phil Collins und „Home by the Sea“ denke ich an den Guggenberger Weiher, spontane Grillpartys, Windsurfen, VW-Bus auf der Wiese, Klappliegestühle. Bei den „Stones“ und „I can get no Satisfaction“ werde ich unweigerlich an eine Faschingsparty der Schnupfer erinnert. Foreigner und „Jukebox Hero“, John Bon Jovi „Shot though the Heart“ oder Sweet mit „Ballroom Blizz“ Tom und Chuffi die legendären DJs im „Factory“. Welches Lied löst bei Euch welche Assoziation oder Erinnerung aus?


KenneDieStadt – Regensburg

4. Januar 2006

Soeben habe ich diesen Beitrag gefunden, den ich sehr gut finde „KenneDieStadt“. Ich habe die Texte ergänzt. Es wäre praktisch, wenn die Leser meines Beitrags einfach mitmachen würden und folgende Themen mit Leben füllen würden – so wie ich jetzt über Regensburg. Wichtig hierbei sind Tipps und Statements über Geheimtipps, also das, was Touristen nicht in Handtaschenstadtführern vorfinden. Also ich fang dann mal an:

Regensburg

Einwohner:
ca. 151 838 (Nov. 2005)

Bester Sommertipp:
Unter der Woche trifft man(n)/frau sich am Haidplatz – am Wochenende geht es zum Guggenberger Weiher bei Neutraubling (Baden) und zum Abschluss auf die Walhalla mit einer Flasche Wein. Für einen gemütlichen Ausflug an heissen Tagen empfiehlt sich eines der Donauausflugsdampfer zu besteigen und zum Kloster Weltenburg zu fahren. Nach einer ausgiebigen Besichtigung dessen, darf man sich gerne das ein oder andere Klosterbier genehmigen. Auf der Rückfahrt könnte man dann auch gleich in Kelheim Station machen. Dort steht die private Brauerei Schneider, welche das bekannte Schneider-Weisse braut. Es handelt sich dabei um ein Hefeweizen – nicht um ein Weissbier, wie es die Preis`n bestellen.

Bester Wintertipp:
Zum Christkindl-Markt für ein paar Glühwein am Neupfarrplatz. Danach ins „Heuport“ zum Aufwärmen.

Hochrangigstes öffentliches Verkehrsmittel:
Am Besten kommt man mit dem Bus in der Innenstadt vorwärts, oder man nimmt das Rad. Taxis sind Abends schwer empfehlenswert, da noch bezahlbar. In der Innenstadt braucht man Abends nur 2x hinzufallen und man liegt vor der nächsten Kneipe.

Wo gibt es den Stadtplan:
Im Internet hier – in Papierform beim Touristikbüro direkt beim Alten Rathaus.

Das schönste Hotel:
Entweder das Hotel Orphée zentral in der Unteren Bachgasse oder das Sorat-Hotel mit Blick auf Donau, Steinerne Brücke und Dom.

Bestes Traditionslokal und Lieblingsessen dort:
Auer-Bräu, Regensburg-Steinweg, Schwandorferstrasse 39, 93053 Regensburg
– Schweinebraten oder Saure Zipfel
Oma-Plüsch, Rote-Stern-Gasse 6, 93047 Regensburg
– OmaSchnitzel
Hofbräuhaus, gegenüber Altem Rathaus, Waaggässchen 1, 93049 Regensburg
– Schweinebraten

Bester Italiener und Lieblingsessen dort:
La Gondola, Regensburg Innerer Westen, Gerlichstrasse 2, 93049 Regensburg
– Tortellini Panna

Beste Stadtzeitschrift:
LOGO das Stadtmagazin. Kommt monatlich heraus, enthält Tipps rund um Events und liegt in jedem Lokal, Restaurant und Kneipe kostenlos aus.

Bester Platz für Rendezvous:
„Bistro Rosarium“ am Dörnbergpark. Das denkmalgeschützte Schweizerhaus des ehemaligen Dörnberg-Palais ist in einen Landschaftspark aus dem 19. Jahrhundert eingebettet. Trotz der Altstadtnähe ist es schön ruhig und gemütlich dort. Der Rosengarten ist im Sommer eine Augenweide.

Bester Club:
„Scala“ in der Pustet-Passage

Beste Bar:
„Hemingway`s“ in der Oberen Bachgasse. „Paletti“ in der Pustet-Passage und „Oscar-Bar“ Rote-Hahnen-Gasse/Haidplatz

Bekanntester Stadtsong:
Das Donaulied. „Einst ging ich am Ufer der Donau entlang….“

Buch zur Stadt:
„Regensburger Almanach 2005“ von Konrad M. Färber.

Unwahrer Mythos:
Die Feinkostmetzgerei Männer zwischen Fischmarkt und Kohlenmarkt verkauft tatsächlich nur Tierfleisch, auch wenn sie mit dem Ladenschild „Wild Geflügel Fische Männer“ wirbt.

Obskurster Brauch:
Wenn Fürstin Gloria von Thurn und Taxis samt Anhang an Weihnachten die Christmette im Dom besucht, kommen viele nur, um Ihre Durchlaucht live zu sehen.

Stadtteil, den man kennen muss:
Wenn man in der Altstadt war, dann kennt man Regensburg

Wichtigster Satz:
„Gemma noch zum Würstl-Toni?“ (Der verkauft – außer Sonntag – schon um 5 Uhr morgens warme Würstl, Am Kornmarkt.)

Satz, mit dem man sich zum Deppen macht:
„Guten Tag“-Sagen, wenn man einen Laden betritt. Die Regensburger sprechen meistens Dialekt und bevorzugen ein herzliches „Grüß Gott“.

Was man niemals tun sollte:
Betrunken in die Donau fallen. Unter der Steinernen Brücke gibt es einen fiesen Strudel, der einen sofort unter Wasser zieht.

Das sagen die anderen:
„Regensburg ist ja die nördlichste Stadt Italiens.“

Schlimmste Phrase:
„Regensburg ist zwar klein, hat aber kulturell wahnsinnig viel zu bieten.“

Wann sind alle Einwohner besoffen:
Beim Palmator am Sonntag vor Ostern. Die halbe Stadt wandert zum Prösslbräu nach Adlersberg, einem winzigen Ort mit Brauerei, und trinkt Palmator.

Dämlicher Superlativ:
In Regensburg steht die älteste Wurstbraterei Deutschlands. In der Historischen Wurstkuchl an der Donau machten schon im Jahr 1135 die Bauarbeiter der Steinernen Brücke Brotzeit.

Die verhassten Provinzler:
„Siehst du SAD, BUL oder PAR, ist dein Leben in Gefahr.“ Mittlerweile haben die Burglengenfelder und Parsberger (anders als die Schwandorfer) zwar keine eigenen Nummernschilder mehr, aber an ihrer Fahrweise hat sich nichts geändert. „SAD“ heisst auch „Sau auf Durchreise“ 😉

Lebenswerteste Sache, die die Stadt hervorgebracht hat:
Das Schwarzer Kipferl, eine gewürzte Kümmelsemmel. Schmeckt besonders lecker mit Bratwürstchen, Händlmaier-Senf und Sauerkraut, gibt’s in der Historischen Wurstkuchl.

Fußballclub:
SSV Jahn 2000 Regensburg, spielt in der Regionalliga Süd.


Modegetränke oder IN-Getränke im Wandel der Zeit – Drinks in den 80ern und 90ern

3. Januar 2006

Wir standen schon damals eher auf „Rüscherl“ (Cognac mit Cola) oder „Turbo“. „Turbo“ war ein spezielles Getränk, welches es nur in der Kneipe von Rainer gab. Das Getränk funktionierte oft sehr erfolgreich als Dosenöffner 😉

Rezept für Turbo:

  • Whisky-Glas
  • 4 cl Southern Comfort
  • 4 Eiswürfel
  • mit Sekt auffüllen

Ein absolutes Kultgetränk in den 90ern war der „Muffdive“.

Rezept für Muffdive:

  • 2 cl Wodka
  • 2 cl Peachtree (Pfirsichlikör)
  • schwarzer Johannisbeersaft.

Und Erdbeerlimes! Mamamia, der selbstgemachte Erdbeerlimes war der Hammer. Den bekamen nur Stammgäste – und es klebte dann überall an der Theke im „Factory“. Das „Fäc“ war damals neben „Tangente“ und „Zap“ die Abendbeschäftigungsstätte am Wochenende. Freitag-Abend bis Sonntag-Morgen waren wir damals unterwegs. Und zum Abschluss dann ging es dann im Morgengrauen zum „Würstltoni“ auf „2 Lange Braune mit allem, ein Breznstangerl und einen Kaffee“. Da wurden müde Geister wieder munter.

Das immerwährende Regensburger Kultgetränk ist auf jeden Fall „Ramazotti, sauer, auf Eis“ oder auch einfach „Ramazottl“ genannt. Das kenne ich schon seit dem ich „unterwegs“ bin.

Rezept für Ramazotti-Sauer:

  • Ramazottl-Glas
  • 4 cl Ramazotti
  • Eiswürfel
  • Spritzer Zitronensaft

Links:


Modegetränke oder IN-Getränke im Wandel der Zeit – Caipirinha, der Bauerndrink

3. Januar 2006

Der Drink 2005 ist zweifelsohne der "Caipirinha". "Caipirinha" bedeutet eigentlich "bäuerliches Getränk" oder "Drink des Bauern oder Hinterwäldlers" (caipira = Bauer, Hinterwäldler). Nun wird mir einiges klarer 😉 Übrigens: Da die Früchte zerstossen werden und im Getränkeglas verbleiben, trinkt man(n) oder Frau auch die in der Schale befindlichen Pflanzenschutzmittel (Pestizide) mit. Na denn Prost!

Rezept für Caipirinha:

  • 6cl Cachaça (gesprochen "Katjassa")
  • 1-2 geachtelte Limetten
  • 3 TL Rohrzucker
  • Crushed Ice

Die Limetten achteln und zusammen mit dem Rohrzucker in ein Caipirinha-Glas geben. Mit einem Stößel die Limetten ausquetschen, anschließend das Glas mit Crushed Ice auffüllen und den Cachaça hinzugeben.

Links:


Modegetränke oder IN-Getränke im Wandel der Zeit – Kennen Sie noch Kir-Royal

3. Januar 2006

Wer kann sich noch an "Kir Royal" erinnern? Das JetSet-Getränk aus der gleichnamigen TV-Serie. Kaum war die erste Folge im Oktober 1986 im Bayerischen Fernsehen gelaufen, erlebten die Bars und Clubs einen wahren "Kir Royal"-Hype.

Mona, Babys Freundin (Senta Berger), ist sehr nachdenklich geworden. Irgend etwas ist verkehrt, wenn man die Speisenkarte schon auswendig aufsagen kann.

Alles und jeder fühlte sich nur dann cool, wenn er den eh schon süssen Edeka-Sekt mit "Crèmes de Cassis" (nix anderes als Johannisbeerlikör mit 20% Vol.Alc.) in Händen hielt. Baby Schimmerlos (Franz-Xaver Kroetz), ein Klatschreporter der Münchner Schicki-Micki-Szene, bestellte dieses Mischgetränk regelmässig bei seinen Streifzügen durch die Bussi-Bussi-Gesellschaft von Schwabing. 6 Folgen liefen damals über die Flimmerkiste – immer sehr amüsant.

Rezept für Kir-Royal:

  • Sektglas
  • 1 cl Crème de Cassis
  • 10 cl Sekt (Snobs nehmen nur Champagner)

Links:


Modegetränke oder IN-Getränke im Wandel der Zeit – Was bitte ist Aperol

3. Januar 2006

Scheinbar gibt es in Regensburg ein neues "Modegetränk". In der neuen Location "Die ganze Wahrheit" war es mir schon aufgefallen. Auf der Getränkekarte stand u.A. "Prosecco mit Aperol". Und die Leute in der Kaffeebar bestellten das Mixgetränk ohne Ende. Gestern (Montag) sassen Mike, Claudia und ich auf ein Bier im "Chaplin" am Ostentor. Und die 8 Gäste am Nebentisch bestellten wieder "Prosecco mit Aperol". Die Gerichte im "Chaplin" sind ausgesprochen lecker, frisch zubereitet und kosten mittags um die 6 EUR. Abends finden sich hier viele Kinogänger ein, die vor oder nach dem Film im benachbarten Ostentor-Kino gerne noch gemeinsam ein Gläschen trinken möchten.

In Wikipedia steht nur das über Aperol:

Aperol ist ein Likör aus Italien, der aufgrund seines bitteren Geschmacks meist als Aperitif oder in Cocktails verwendet wird. Er ist ein Destillat aus Rhabarber, Chinarinde, Enzian, Bitterorangen und aromatischen Kräutern mit rot-orangener Färbung und einem bittersüßen Aroma und einem Alkoholgehalt von 11 Prozent. Aperol kam 1919 in Padua erstmals auf den Markt und wird seit 2003 von der Campari-Gruppe vertrieben.

http://www.aperol.it


Sylvester 2005 überlebt – Feiern am Hafen in Regensburg

1. Januar 2006

Heute geht scheinbar alles etwas langsamer. Das Web tröpfelt durch die Leitung. Programme scheinen einen „Kater“ zu haben und funktionieren nur mit Widerwillen, das Bilder-Hochladen auf Webshots läuft nur äusserst zäh und mit massenhaft Fehlermeldungen. Na hoffentlich bekomme ich den Post wenigstens reingestellt. Das Kopfweh verschwindet auch ganz langsam und nach einem ausgiebigen, heissen Schaumbad ging es mir wesentlich besser. Und die Schulterschmerzen von Mike werden scheinbar langsam stärker 😉 Aber nun zum Thema: „Sylvester in Regensburg“.  

Gestern war nun also der letzte Tag im Jahr 2005 und den letzten Abend verbrachten wir auf einer privaten Party im Hafengebiet. Am späten Abend hatte es zu regnen begonnen. Da es die letzten Tage bitterkalt war, verwandelten sich die Strassen blitzartig in Eisflächen. Somit hatten wir wirklich keine Lust in die Stadt zu gehen oder gar zu fahren. Der Chef einer Firma für Eventausrüstungen hatte seine Lagerhalle zu einem Partytempel umfunktioniert, hervorragend aufgekocht und Max und Schwester Alex hatten Schulkollegen eingeladen. Gegen 20 Uhr sollte es losgehen und das tat es dann auch.

Sylvester 2005 Regensburg

Mehr Bilder gibts hier!

Wir setzten uns zu Wolfi und Gabi und deren drei Freundinnen und besorgten uns etwas für den Durst und den Hunger „zwischendurch“. Dann wurde abgetanzt und abgefeiert. Michel – der Chef – spendierte einen besonderen Wein und pünktlich um Mitternacht wurde mit Sekt angestossen. Die obligatorischen Kracher, Raketen und Böller durften auch nicht fehlen, aber es ging eher ruhiger und gemütlicher zu, als in der Stadt. Anschliessend wurde noch einige Male auf das Neue Jahr angestossen und wir wärmten uns bei Ramazotti und beim Tanzen wieder auf. Gegen 3 Uhr ging ich das Stück zurück zur Wohnung von Mike – er selbst tanzte noch etwas mit Alex und kam dann nach. Ach ja. Wie Mike zu seiner schmerzenden Schulter kam. Auf dem Heimweg nahm er eine „Abkürzung“. Da es glatt war, zog er den Weg durch das schneebedeckte Gras vor. Erst als er vor dem Haus im wahrsten Sinne auf das „Kopfsteinpflaster traf“, merkte er, dass es wirklich so richtig glatt war. Aber des wird scho`wieder 😉