06.09.2024 – Das Reichstagsgebäude in Regensburg

6. September 2024

Die Fenster zum Erker wurden dann geöffnet, wenn der Kaier selbst anwesend war. Dann liess er sich dort sehen und von den Bürgern huldigen.

Angeblich traten Gesetze und Beschlüsse nur dann in Kraft, wenn diese vom Schreiber vom Erker aus ausgerufen wurden. Das ist allerdings nicht nachweisbar. Aber eine schöne Geschichte.

Altes Rathaus in Regensburg. Blick vom Rathausplatz, links die Neue-Waag-Gasse.

Der Versammlungssaal befand sich übrigens zuerst im Erdgeschoss. Im Obergeschoss war ein öffentlicher Tanzsaal, der nur über eine hölzerne Aussentreppe erreichbar war. Die heutige Treppe mit dem berühmten Portal mit „Schutz und Trutz“ entstand erst, als der Verbindungsbau zwischen Altem Rathaus und Reichtagsgebäude gebaut wurde.

Das Gebäude mit dem Erker ist übrigens nicht das „Alte Rathaus“, Sondern das Gebäude rechts vom Torbogen zum „Roten Herzfleck“. Die Patrizierburg mit dem 55 Meter hohen Turm ist das ursprüngliche „Alte Rathaus“. Und zwar Mitte des 13. Jahrhunderts. Östlich davon verlief der nördliche Teil der Römermauer zur Porta Prätoria und am Schnittpunkt zum Kohlenmarkt in südlicher Richtung die Westmauer.

Im „Tanzsaal“, welcher heute zum document.Reichstag gehört, entstand ausserdem eines der längsten Worte im deutschen Wortschatz. Und zwar 1803.

„Der Reichsdeputationshauptschluss (genauer: Hauptschluss der außerordentlichen Reichsdeputation) wurde am 25. Februar 1803 im Alten Rathaus von Regensburg gefasst. Der Beschluss war die Grundlage für das letzte bedeutende Gesetz, das während der Zeit des Heiligen Römischen Reiches beschlossen wurde.“

Die Leitung der Deputation oblag Johann Aloys Josef Freiherr von Hügel, dem kaiserlichen Konkommissar (unter Kaiser Franz II.) am Immerwährenden Reichstag zu Regensburg. An den 50 Versammlungen ab 1802 waren auch Vertreter des Deutschen Ordens anwesend.

Der Immerwährende Reichstag war von 1663 bis 1806 die Bezeichnung für eine dauerhafte Versammlung der Reichsstände im Heiligen Römischen Reich. Die Versammlung tagte im Reichssaal und in weiteren Sälen des Alten Rathauses in Regensburg. Die Geschichte der Reichstage in Regensburg begann jedoch schon früher.

Während vor 1594 die Reichstage immer an anderen Orten im Reich stattfanden, traf man sich ab diesem Jahr nur noch in Regensburg mit wechselnden Vertretern von Kirche und Staaten des Heiligen Römischen Reiches und Gesandten anderer Staaten (Russland, Rom, Venedig, Frankreich, Schweden, Niederlanden etc.). Erst ab 1663 nahmen immer die selben Vertreter teil, was dieser Versammlung den Namen „Immerwährender Reichstag“ gab.

Beachtenswert ist, dass seit der Umwandlung des Reichstags in den Immerwährenden Reichstag die regierenden Landesherren kaum noch selbst vor Ort anwesend waren, sondern sich durch sogenannte Komitialgesandte vertreten ließen, die in Regensburg häufig mit Familien sesshaft wurden. Damit handelte es sich also um einen Gesandtenkongress.

Der Kaiser selbst wurde ebenfalls durch kaiserliche Prinzipalkommissare vertreten, die ab 1748 durchgehend der Familie Thurn und Taxis angehörten. Auf diese Weise wurde Regensburg zum Sitz von etwa 70 Komitialgesandtschaften von Staaten, die Landbesitz im Heiligen Römischen Reich hatten und von reichsunmittelbaren deutschen Fürstentümern, Reichsstädten und Reichsklöstern.

Das Museum zu den Reichstagen und die Räume im Kellergeschoss (Gefängnis und Folterkammer) sind immer einen Besuch wert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Altes_Rathaus_(Regensburg)


16.12.2009 – Drei Heilige Könige bei Einreise in die Schweiz festgenommen – Verdacht auf Drogenhandel

16. Dezember 2009

Basel – Eine ungewöhnliche Festnahme erfolgte heute in den frühen Morgenstunden am Grenzübergang Basel. Auf drei Kamelen trabten gemächlich sitzend drei arabisch aussehende Ausländer in seltsamen Gewänder und verhüllten Gesichtern auf die Grenzbeamten zu. Im Gefolge eine ganze Schar (etwa 80 Personen) ebenso berittene Begleiter mit eine noch nicht bekannten Anzahl von Kisten und Säcken im Gepäck. Da die Ausländer keine Zollpapiere vorweisen konnten und auch nicht im Besitz eines gültigen Schengenvisums waren, wurde ihnen die Einreise versagt.

Heilige Drei Könige

Heilige Drei Könige

Auf Befragung gaben die drei Araber an seit Wochen unterwegs zu sein, sie hätten vom Irak her kommend Wüsten und Meere überquert. Sie hätten vor ein paar Monaten zuerst einen Engel gesehen und wären dann einem hellen Stern bis in die Schweiz gefolgt. Die folgenden Aussagen widersprachen sich. Einmal war von einer Suche nach der Erlösung der Menschheit die Rede, dann von einem Besuch bei einem gewissen jüdischen Ehepaar mit den Namen „Maria und Josef“, welche ein uneheliches Kind – einem angeblichen Messias – auf die Welt bringen soll. Dies legte die Vermutung nahe, dass die Verdächtigen unter Drogeneinfluss stehen und führte zu einem sofortigen Drogentest, sowie zu Ganzkörperdurchsuchungen sämtlicher beteiligten Personen. Die Reittiere und die mitgebrachte Ware wurde umgehend beschlagnahmt und eingehend untersucht.

Man fand grössere Mengen von rauschgiftähnlichen Substanzen bzw. Grundstoffe für Arzneimitteln (Weihrauch, Myrrhe), sowie eine noch nicht bezifferte grössere Menge an Wertgegenständen (Gold, Edelsteine), welche die gesetzlichen Limite für die Einfuhr in die Schweiz ohne Deklaration bei Weitem übersteigen und wohl kaum für den Eigenbedarf gedacht waren. Auch eine grössere Anzahl von Säbeln, Hieb- und Stichwaffen verschiedener Grösse, sowie Lanzen und Dolche wurden sichergestellt.

Die drei Hauptverdächtigen bezeichnen sich selbst als Könige aus dem Morgenland (Persien, Iran), welche nach ersten Untersuchungen Caspar Lavandad, Melchior Hormisdas und Balthasar Gushnasaph heissen sollen, wurden in Handschellen abgeführt und sitzen seit dem in Untersuchungshaft. Ihnen droht ein Verfahren wegen versuchter unerlaubter Einreise, unerlaubtem Einführen von Wertgegenständen, Verstoss gegen das Arzneimittelgesetz, versuchter Drogenhandel, sowie gegen die Waffeneinfuhrbestimmungen. Ob auch gegen Tierquälerei wegen des Mitführens von tropischen Reittieren bei winterlichen Verhältnissen ermittelt wird, ist noch nicht entschieden. Sicher ist, dass die Untersuchungen erst nach Weihnachten abgeschlossen sein werden und am Ende eine Abschiebung in das Ursprungsland Persien/Iran steht.

Die Festnahme sorgte nur wenige Stunden später bereits für diplomatische und politische Spannungen zwischen der Schweiz und dem Iran. Seit dem Abstimmungsergebnis rund um das Minarett-Verbot ist die Situation zwischen beiden Ländern angespannt. Iran hat nach dem Volksentscheid die Schweizer Botschafterin in Teheran, Silvia Leu Agosti, ins Aussenministerium zitiert und scharfe Kritik am Minarettverbot geübt. In einem Telefongespräch mit der schweizerischen Aussenministerin Calmy-Rey kritisierte zudem der iranische Aussenminister Manuchehr Mottaki die Vorlage. Der Iran und die Schweiz pflegen gute bilaterale Beziehungen. Es bestehen Abkommen zum Luftverkehr (1954, 1972 und 2004), zum Landverkehr (1977), zur Exportrisikogarantie (1966), zum Investitionsschutz (1998) und zur Doppelbesteuerung (2002). Die Schweiz vertritt nicht nur etliche Länder diplomatisch, sonder der Iran ist einer der wichtigsten Handelspartner im Mittleren Osten.  Seit 2003 führen die beiden Länder einen Menschenrechtsdialog, seit 2005 einen Migrationsdialog.

Die Festnahme der drei offensichtlich hoch stehenden Persönlichkeiten samt Begleitung wird nicht zur Enspannung der Beziehungen beitragen.


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