Das Gemälde zeigt eine seit dem Spätmittelalter häufig thematisierte „Weiberlist“. Eine des Ehebruchs angeklagte Frau legt die Hand in den Löwenrachen. Sie bekennt, nur in den Armen ihres Ehemanns und des Narren gelegen zu haben. Da sie die Wahrheit spricht, beißt der Löwe nicht zu. Der Narr ist in Wirklichkeit ihr verkleideter Liebhaber. Von den Zeugen wird er jedoch nicht ernst genommen. Die Szene spielt auf die römische Steinmaske „bocca della veritá“ an, die der Legende nach jedem Lügner die Hand abbeißt.

Die Fabel vom Mund der Wahrheit küpft an eine Löwenmaske in der Vorhalle der römischen Kirche S. Maria in Cosmedin an (Kugler 1852, Nr. 7, S. 61). Seit der Mitte des 15. Jahrh. erregte das Bildwerk das Interesse der Reisenden. In der lateinischen Ausgabe der „Mirabilia Romae“ von 1485 wird es erstmals als „Bocca della verità“ aufgeführt. (Betty Kurth: Des Zauberers Virgil Ehebrecherfalle auf Werken der nordischen Renaissance. In: Städel-Jahrbuch, Bd. 3-4, 1924, S. 49 – 54, bes. Anm. 5. – Ettlinger 1958, S. 786-791.) Die Kaiserchronik (vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 13. Mannheim – Wien – Zürich 1975, S. 311.) erzählt die Geschichte von der ehebrecherischen Gattin ausführlich. In den mittelalterlichen Legenden des Zauberers Vergil übernimmt – in Abwandlung der Fabel – eine Schlange den Part des Löwen. (vgl. Kurth; a.a.O.; S. 49) Friedländer u. Rosenberg wiesen für die Behandlung des Themas zusätzlich auf den Florentiner Dichter Giovanni Boccaccio hin. – Die Künstler nahmen sich des Themas im 16. Jahrh. an, Lucas van Leyden in einem Holzschnitt von 1513/14, Cranach auch in einem anderen Gemälde 1528.
Veröffentlicht von PeterPan 






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