22.05.2025 – Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. „Die Weiberlist“ oder „Die Fabel des Mundes der Wahrheit“.

22. Mai 2025

Das Gemälde zeigt eine seit dem Spätmittelalter häufig thematisierte „Weiberlist“. Eine des Ehebruchs angeklagte Frau legt die Hand in den Löwenrachen. Sie bekennt, nur in den Armen ihres Ehemanns und des Narren gelegen zu haben. Da sie die Wahrheit spricht, beißt der Löwe nicht zu. Der Narr ist in Wirklichkeit ihr verkleideter Liebhaber. Von den Zeugen wird er jedoch nicht ernst genommen. Die Szene spielt auf die römische Steinmaske „bocca della veritá“ an, die der Legende nach jedem Lügner die Hand abbeißt.

Die Weiberlist

Die Fabel vom Mund der Wahrheit küpft an eine Löwenmaske in der Vorhalle der römischen Kirche S. Maria in Cosmedin an (Kugler 1852, Nr. 7, S. 61). Seit der Mitte des 15. Jahrh. erregte das Bildwerk das Interesse der Reisenden. In der lateinischen Ausgabe der „Mirabilia Romae“ von 1485 wird es erstmals als „Bocca della verità“ aufgeführt. (Betty Kurth: Des Zauberers Virgil Ehebrecherfalle auf Werken der nordischen Renaissance. In: Städel-Jahrbuch, Bd. 3-4, 1924, S. 49 – 54, bes. Anm. 5. – Ettlinger 1958, S. 786-791.) Die Kaiserchronik (vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 13. Mannheim – Wien – Zürich 1975, S. 311.) erzählt die Geschichte von der ehebrecherischen Gattin ausführlich. In den mittelalterlichen Legenden des Zauberers Vergil übernimmt – in Abwandlung der Fabel – eine Schlange den Part des Löwen. (vgl. Kurth; a.a.O.; S. 49) Friedländer u. Rosenberg wiesen für die Behandlung des Themas zusätzlich auf den Florentiner Dichter Giovanni Boccaccio hin. – Die Künstler nahmen sich des Themas im 16. Jahrh. an, Lucas van Leyden in einem Holzschnitt von 1513/14, Cranach auch in einem anderen Gemälde 1528.

https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/8799/view


21.05.2025 – Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Das ungleiche Paar. 1530. Wittenberg

21. Mai 2025

Der verliebte Greis wird Opfer einer jungen Frau. Durchtrieben blickt sie zum Betrachter und macht ihn zum Komplizen. Das Thema des „Ungleichen Paares“ wurde in vielen Varianten dargestellt. Es ermahnte den Betrachter zur Beherrschung seiner Triebe.

Das Thema der „Buhlschaft“ erfreute sich seit dem 15. Jahrh. großer Beliebtheit; eine andere Quelle des „ungleichen Paares“ bildete die variationsreiche Darstellung des „Liebesnarren“, wie er in Liebesgärten und Freudenhäusern sich findet. Auch Hans Baldung Grien behandelte z.B. das Thema: (1) Kupferstich 1507 (vgl. Matthias Mende: Hans Baldung Grien. Das graphische Werk. Vollständiger Bildkatalog der Einzelholzschnitte, Buchillustrationen und Kupferstiche. Unterschneidheim 1978, Nr. 547 und Abb.), (2) Gemälde 1527 und 1528 (Liverpool, Walker Art Gallery, und Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle; vgl. von der Osten 1983: Baldung, Kat.Nr. 61, 62, Tf. 133, 134). Cranach hat dem Thema des ungleichen Paares eine Vielzahl von Varianten abgewonnen, im Ausnahmefall auch die liebestolle Alte mit dem jungen Burschen gemalt (Budapest, Museum der bildenden Künste, Inv. Nr. 137; vgl. Friedländer u. Rosenberg 1932, Nr. 131; 1979, Nr. 154 jeweils mit Abb.). Gm 218 liegt allerdings eine konkrete Anekdote, überliefert als Deckfarbenmalerei mit der Darstellung des sog. Tucherschen Münzorakels zugrunde (Bild und Text im Pfinzingschen Geschlechterbuch aus den Jahren um 1620, Bl. 11 (Frhr. v. Hallersche Familienstiftung, Pfinzing-Archiv GB 437, Nürnberg-Großgründlach; s. auch: Georg Frhr. v. Kreß: Aus einem Pfinzing’schen Geschlechtsbuche. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd. 4, 1882, S. 212-214 und weitere Lit.-Angaben bei Löcher 1997, S. 142). Dementsprechend gibt das Oettingen-Wallersteinische Grundbuch das ungleiche Paar als Darstellung des Bürgermeisters Tucher von Nürnberg und seiner Magd aus. Es heißt dort, die Verwandschaft hätte das Bild ihm zum Spott malen lassen und damit erreicht, daß er die Magd heiratet.

https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/9704/view