4. November 1966: Ein Freitag zwischen Flutkatastrophe, Weltpolitik und bayerischem Wahlkampf
Am 4. November 1966 blickte die Welt mit Entsetzen nach Italien: Florenz und Venedig versanken im Wasser. Gleichzeitig wurden politische Entscheidungen getroffen, deren Bedeutung weit über diesen Freitag hinausreichte. Fünf wichtige Ereignisse – und ein Blick nach Deutschland, Bayern und Amberg in der Oberpfalz.


1. Florenz: Der Arno überschwemmt die Kunststadt
Nach anhaltenden Regenfällen trat der Arno in der Nacht zum 4. November über die Ufer. Wasser und Schlamm drangen in Wohnungen, Kirchen, Museen und Bibliotheken ein. Im Viertel Santa Croce erreichte das Hochwasser stellenweise fast fünf Meter Höhe. Der italienische Zivilschutz nennt 35 Todesopfer in der betroffenen Region.
Die Katastrophe bedrohte auch unersetzliche Kulturschätze. In den folgenden Tagen kamen Freiwillige aus vielen Ländern, um Bücher, Kunstwerke und historische Dokumente zu bergen. Als „Angeli del fango“, als Schlammengel, wurden sie zum Sinnbild internationaler Hilfsbereitschaft.
2. Venedig: Ein extremes „Acqua alta“
Auch Venedig erlebte am selben Tag eine verheerende Überschwemmung. Ein starker Scirocco und aussergewöhnliche Wetterbedingungen verhinderten, dass das Wasser ausreichend aus der Lagune abfliessen konnte.
Der Pegel erreichte 194 Zentimeter über dem örtlichen Bezugsniveau. Das bedeutet nicht, dass das Wasser überall in den Strassen 1,94 Meter hoch stand – die Folgen waren dennoch dramatisch: Weite Teile der Stadt wurden überflutet, Strom und Kommunikationsverbindungen fielen aus. Die Schäden in Venedig und Florenz lösten später eine internationale UNESCO-Hilfskampagne aus.
3. Ägypten und Syrien schliessen einen Verteidigungspakt
In Kairo unterzeichneten Ägypten und Syrien am 4. November 1966 ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen. Es sah militärischen Beistand und eine gemeinsame militärische Führung vor.
Das Bündnis gehört zur Vorgeschichte des Sechstagekrieges vom Juni 1967. Für Israel verschärfte es die strategische Lage: Im Konfliktfall musste nun mit einem abgestimmten Vorgehen beider Staaten gerechnet werden.
4. UNESCO: Kulturelle Zusammenarbeit als Beitrag zum Frieden
Während in Italien Kulturgüter im Wasser versanken, verabschiedete die UNESCO-Generalversammlung in Paris die Erklärung über die Grundsätze der internationalen kulturellen Zusammenarbeit.
Ihr Kerngedanke: Jede Kultur besitzt Würde und Wert und verdient Achtung und Schutz. Der Austausch in Bildung, Wissenschaft und Kultur sollte das gegenseitige Verständnis stärken und dem Frieden dienen. Die Erklärung wurde genau am 4. November 1966 angenommen.
5. Ghana genehmigt die Auslieferung von Horst Schumann
Ein wichtiger Schritt zur juristischen Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen erfolgte in Ghana. Das höchste Appellationsgericht entschied einstimmig, den früheren KZ-Arzt Horst Schumann an die Bundesrepublik Deutschland auszuliefern.
Die Entscheidung fiel am 4. November. Sie ist vom späteren tatsächlichen Vollzug der Auslieferung zu unterscheiden.
Deutschland: Kiesinger dementiert seine Kanzlerambitionen
In der Bundesrepublik steckte die Regierung Ludwig Erhards in einer schweren Krise. Die vier FDP-Minister hatten am 27. Oktober ihren Rücktritt erklärt; die bisherige Koalition war zerbrochen.
Eine auf den 4. November 1966 datierte historische Aufnahme dokumentiert, wie der baden-württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger eigene Ambitionen auf die Erhard-Nachfolge zurückwies. Er wolle in Baden-Württemberg bleiben. Die Erklärung hielt nicht lange: Am 10. November bestimmte ihn die Unionsfraktion zum Kanzlerkandidaten, am 1. Dezember wurde er Bundeskanzler der ersten Grossen Koalition aus CDU/CSU und SPD.
Bayern: Noch 16 Tage bis zur Landtagswahl
Bayern befand sich an diesem Freitag im Wahlkampf vor der Landtagswahl am 20. November. Die folgenden Zahlen beschreiben deshalb den späteren Wahlausgang, kein Ereignis vom 4. November: Die CSU erreichte 48,1 Prozent und behauptete ihre absolute Mehrheit der Mandate. Die SPD kam auf 35,8 Prozent.
Ein politisches Warnsignal war der Einzug der rechtsextremen NPD mit 7,4 Prozent und 15 Abgeordneten. Die FDP schied trotz landesweit 5,1 Prozent wegen der damals geltenden Zehnprozenthürde auf Wahlkreisebene aus dem Landtag aus.
Amberg in der Oberpfalz: Eine Lücke in der Tageschronik
Was genau am 4. November 1966 in Amberg geschah, lässt sich anhand der gefundenen frei zugänglichen Onlinequellen bisher nicht verlässlich feststellen. Ein konkretes lokales Ereignis für diesen Freitag bleibt deshalb offen.
Belegt ist ein Stück Amberger Stadtgeschichte aus demselben Jahr: Die Stadtbücherei sollte 1966 vom „Klösterl“, dem heutigen Luftmuseum, in das ehemalige „Schokoladenhaus“ am Marktplatz 11 ziehen. Das Stadtarchiv beschreibt die damaligen Planungen und den vorgesehenen Flächenzuwachs von 80 auf 152 Quadratmeter. Das ist zeitgeschichtlicher Hintergrund, jedoch kein Nachweis für den 4. November.








