Skiweekend 2006 Davos – Der Berg ruft! Der ganz normale Wahnsinn – Teil 2

16. Januar 2006

Martin kam 20 nach 8 Uhr, in Schlepptau sein Sohn Silvan und Alex. Alex ist ein „Arzt den Frauen vertrauen“: Gynäkologe. Aber zurück zum Thema. Um 9 Uhr fuhren wir weiter am Walensee vorbei bis Landquart. Dort geht es auf die Bundesstrasse nach Saas, Klosters und Davos. Nach 3 Stunden Fahrt (Zürich-Davos) kamen wir endlich an. In Davos war ich das erste Mal und war enttäuscht. Zumindest von Davos-Dorf. Viele Gebäude im 60er-Jahre-Stil. Wenig Urwüchsiges. Die Parsenn-Liftstation sieht nach Betongebäude aus. Aber das Hauptproblem: Wo bitte ist ein Parkplatz? Wir brauchen zwei! Noch dazu Parkplätze mit der Möglichkeit das Auto in der Nacht von Samstag bis Sonntag stehen zu lassen. Frage im Touristikbüro. Einzige Lösung: Coop-Parkhaus. Auto abgestellt und Skiausrüstung ausgeladen. So standen wir dann mit Ski (Board), Skistiefel und Rucksack an der Bushaltestelle. Der Pendelbus fuhr uns zur Talstation Parsenn. Dort angekommen, besorgten wir uns einen 2-Tages-Skipass (116 CHF), bestiegen die Standseilbahn. Bei der Mittelstation stiegen wir um und fuhren zum Gipfel – Das Weissfluhjoch. Von dort ging es weiter mit der Gondelbahn hinunter zur Schiferhütte. Um 12 Uhr kamen wir in der Hütte an.

„Faszinierend“ würde Spok vom Raumschiff Enterprise sagen, wenn er uns begleitet hätte; denn trotz strahlendem Sonnenschein scheint es „der Schweizer“ vorzuziehen das zMittag im Gastraum einzunehmen. Am besten noch vor dem Fernseher. Da läuft nämlich grad ein Abfahrtslauf. Die Österreicher gewinnen übrigens grad. Wir setzten uns auf die Sonnenterasse, bestellten Älplermakronen und ich zusätzlich einen Lumumba. Den hatte ich mir nach 6 Stunden Anreise verdient (6 Uhr Aufstehen – 12 Uhr Hütte).

Nach dem Essen ging es in den Skikeller. Skistiefel anziehen. Mit den Teilen geht man wie ein Astronaut. Meine Snowboardstiefel sind leichter und bequemer. Aber durch den Firn bergauf zur Talstation der Gondel ist es nicht unbedingt ein Vergnügen. Besonders für Skifahrer mit Skiern und Stöcken bewaffnet.

Warm wird es auf jeden Fall unter dem Schöffeljäckchen (Hab ich eben nicht.) Die Fahrt zurück zum Weissfluhjoch dauert 10 Minuten, locker. Von oben sieht man dann die Ameisen, sorry, Skifahrer und weitere Boarder sich über die Pisten verteilen. Die Aussicht entschädigt und erst recht die Skipiste. Zwar wenig Schnee, es könnte mal wieder so richtig scheien. Im unteren Teil zurück zur Schiferhütte schauen ein paar Steine raus, mein Belag bekommt zu den alten noch ein paar neue Schrammen und teilweise schaut auch schon die Grasnarbe raus – da wird das Gras dann so richtig kurz geschnitten.

Somit war die Zielrichtung für weitere Touren dann der obere Teil des Parsenn-Skigebietes. Ich legte dann mal in der Parsenn-Hütte eine Pause ein, setzte mich gemütlich in die Sonne, bestellte den zweiten Lumumba, der deutlich besser gemixt war und genoss das Ambiente.


Skiweekend 2006 Davos – Der Berg ruft! Der ganz normale Wahnsinn – Teil 1

16. Januar 2006

Ich habe lange überlegt, wie ich den Beitrag nennen soll. Einerseits spielte das Wetter mit – Hochdrucklage, über 800m Sonnenschein, nicht zu kalt, kein Wind, nur zu wenig Schnee. Andererseits dachte ich bei der ein oder anderen Relaxstation während eines Lumumbas generell über den „Skizirkus“ nach – was mich zum zweiten Teil der Überschrift zwang.

Beim erlebnisreichen Saisonauftakt im Zillertal war ich überhaupt nicht zum Boarden gekommen. Das Wetter (-15 Grad, Sturm und starker Schneefall) verhinderte dies. Somit sagte ich sofort zu, als mich Martin anrief und fragte, ob ich vom vom 14.-15.01. mit auf den Berg möchte. Das Ziel ist also Davos, oder besser gesagt, das Skigebiet Parsenn. Die Unterbringung organisierte Martin auf der Schiferhütte – direkt am Berg in einem 4er-Zimmer. Das Wetter war schon seit Tagen hervorragend. Die Hochwetterlage versprach ein sonniges Skiweekend. Ausreichend Schnee müsste auch noch vorhanden sein. Wenn nicht, dann gibt es ja überall moderne Beschneiungsanlagen. Das Wochenende hat mir riesig Spass gemacht. Das Skigebiet ist abwechslungsreich und für Jeden ist was geboten. Meine Kondition könnte nur besser sein: Nach 3 Abfahrten brauchte ich eine Pause und ich kehrte vor (!) einer der gemütlichen Skihütten ein. Aber so ein Skiweekend ist wirklich stress. Anscheinend bin ich für „Menschenaufläufe“ im dauerhaften Format wirklich nicht mehr gemacht. Aber dazu gleich mehr. Ausserdem bin ich Snowboarder, der sich nicht nach der „Masse“ richtet. Denn die Masse sieht anders aus.

Der „Ski-Stress“ geht ja eigentlich viel, viel früher an. Man benötigt ja erst mal eine Skiausrüstung. Letztes Jahr hab ich mir eine neue Töffhose (Motorradhose) gekauft. Ein paar Monate später benötigte ich eine neue Skihose. Dabei fand ich heraus, dass an die Töff- und Snowboard-Hose die gleichen Anforderungen gestellt werden: Wetterfest, atmungsaktiv, leicht, strapazierfähig. Ergo: Meine Töffhose ist auch meine Snowboard-Hose! Das war ein Spartipp lieber Leser. So macht es aber ausser mir keiner hier (bitte melden, falls ich falsch liege). Zum Skifahren braucht man eine „richtige“ Ausstattung. Zum Snowboarden braucht es eine eigene Ausstattung und erst recht zum Töff-Fahren! (Sagt man). Schaut einfach mal bei „Sport Scheck“ nach. Ja klar!

Bleiben wir mal beispielhaft bei der Skibekleidung. Und es muss Markenbekleidung sein, auch wenn man sich kaum einen Schwung auf den Brettern halten kann. Am besten gleich was von „Schöffel„. Für eine Skihose legt man da leicht mal 400 CHF hin. Und dann hat man noch gar nix. Denn eine Jacke von „Schöffel“ brauchts ja auch noch. Also werden weitere 500 CHF fällig. Skisocken (40 CHF), Skiunterwäsche (Odlo 90 CHF), atmungsaktives Sporthemd (Odlo 110 CHF) auch „Funktionswäsche“ genannt, Skibrille mit Antibeschlag (UVEX Corus 100 CHF), Sonnenbrille im Porschedesign (allerdings von UVEX für 80 Euro), Skihandschuhe (Reusch 70 Euro) und den Helm nicht vergessen! Mützen sind Out! Nur mit Helm sieht man professionell aus (UVEX x-ride für 110 CHF). Moment, wir haben ja noch gar keine Ski (Völkl Racetiger GS im Angebot für 950 CHF), Stöcke (Atomic GS Beta R für 75 Euro) und Stiefel (Atomic B9 für 550 CHF)! Nun fehlt nur noch ein passender kleiner Rucksack für die Energy-Riegel und -Drink. Bei mir wäre ein Flachmann und die Digicam drin. Für die Ausstattung legt man somit um die 3000 CHF hin! Damit fängt der kleine Skizirkus-Wahnsinn an.

Jetzt geht es los. Ab in die Berge. Auf zum Skiweekend nach Davos (*Da wo`s* am Schönsten ist!). Am Freitag packen. Es darf nicht zuviel sein, muss in den kleinen Rucksack passen. Dann ins Bett und Wecker auf 6 Uhr stellen (am Samstag!). Morgens aufstehen, Kaffee einschalten, Duschen, Aufwachen, Kaffee-Trinken und dann Ski (bei mir Board), Stiefel und Rucksack ins Auto laden. Die Strassen scheinen menschenleer, das ändert sich auf der Autobahn. Martin und ich hatten vereinbart, dass wir uns bei der Raststätte Glarnerland treffen. Ich war ausnahmsweise zuerst da (sonst komm ich immer später). Ich betrat das Restaurant und erstarrte. Massenhaft Leute in Schöffelbekleidung standen an der Kaffeeausgabe an. Scheinbar waren grad zwei Reisebusse gelandet und hatten die Skiwahnsinnigen ausgeladen. Ich ging an der Reihe vorbei zur Semmeltheke, besorgte mir einen Frühstücksteller, einen Tagesanzeiger und eine Cola. Dann setzte ich mich uns sah mich um. Schöffel hatte mich eingekreist. Nach einer Weile hatte sich die Welle (Reihe) an der Kaffeebar gelichtet. Ich stand auf und holte mir einen Café-Creme. Anschliessend blätterte ich in der Zeitung – Headline „Verbote gegen Angst vor Hunden – Pitbull wird verboten“. Andere Baustelle.


Lachnummer – FIFA setzt Eröffnungsfeier zur Fussballweltmeisterschaft 2006 ab

14. Januar 2006

Wie soeben im RTL-Nachtjournal berichtet, hat die FIFA beschlossen die offizielle Eröffnungsfeier zur Fussball-WM 2006 abzusagen. Die Begründung hierfür „Der Rasen wird zu sehr belastet und könnte irreperabel leiden.“ Es wird aus Pressekreisen jedoch ebenso vermutet, dass Andé Heller zu langweilig und zu teuer kommen würde. Auch mangelndes Interesse des zahlungsfähigen Publikums sei eine Ursache; denn es wurden bisher zu wenig Eintrittskarten verkauft von Preisen von 100-750 Euro. Die Enttäuschung ist schon heute unter den 13000 freiwilligen Mitwirkenden riesengross, welche schon seit Mai für die Eröffnung proben. Bleibt es bei der Entscheidung der FIFA, so wurden von der Fussballorganisation bisher 25 Millionen in den Sand gesetzt. Zahlt das dann der Steuerzahler?


Regensburg – Narragonia stellt Faschingsprinzessin zwei Prinzen zur Seite

13. Januar 2006

(Quelle www.donau.de ) Narragonia: Zwei Prinzen für eine Lieblichkeit

Verena Wißler ist eine junge Frau, deren Oma scheinbar öfter gesagt haben muss: "Mädel iss, dass die Buben was zum Anfassen haben." Rund aber glücklich; denn in der närrischen Saison 2005/2006 wurde für das Mädchen aus der Karnevalshochburg Aachen ein Märchen wahr. Die staatlich geprüfte Hauswirtschafterin wurde mit 24 Jahren Prinzessin – und zwar für die Faschingsgesellschaft Narragonia aus Regensburg. Aus der Küche auf den Thron: Die Absolventin der Hermann-Höcherl-Schule heißt jetzt "Ihre Lieblichkeit Verena I.". "Nehmt doch mich", hatte das ehemalige Gardemädchen zum Hof-Fotografen gesagt, als er ihr gestand, die Suche nach einer Prinzessin gestalte sich für die Narragonia schwierig.

"Ihre Lieblichkeit Verena I." (mitte) die Faschingsprinzessin 2005/06 der Narragonia Regensburg – links neben Ihr der Prinz Andreas II., rechts Herr Schafbauer vom Hofbräu Regensburg. Es scheinen tatsächlich sehr wenig Bewerberinnen gewesen zu sein. Ja habe die Ehre….


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 8

11. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 8:

Miguel wurde durch das Knarren einer Tür geweckt. Er wischte sich schlaftrunken über das Gesicht und versuchte langsam die Augen zu öffnen. Über sich sah er durch die Sparren Sonnenstrahlen hereinfallen. Eine Tür klappte mit dem Wind knarrend auf und zu. Er hörte ein Pferd schnauben. Er hob den Oberkörper ächzend, stützte diesen auf beide Arme und sah sich mit zusammen gekniffenen Augen um.

Die Sonne schien schräg durch das halb geöffnete rechte Scheunentür. Die linke Tür bewegte sich langsam im Wind und verursachte das Knarren. Miguel befand sich auf der Ladefläche der Kutsche – in der Scheune. Er drehte sich um und fand die beiden Pferde noch angespannt und leise schnaubend. Dann zog er die goldene Uhr an der Kette aus der Brusttasche seiner Weste und blickte darauf. Er schüttelte die Uhr, hielt sie ans Ohr und zog sie am Rädchen auf. Die Uhrzeit konnte nicht stimmen – er las halb zehn ab. Mit der anderen Hand fuhr er sich durch das Haar und entfernte einige Heuhalme aus dem Haar. Dann nahm er die Jacke, die er als Kopfkissen missbraucht hatte, suchte seinen Hut, fand diesen auf dem Kutschbock, und erhob sich, sprang vorsichtig von der Ladefläche und stapfte aus der Scheune. Es war zu hell für seine Augen. Er wankte zur Tränke links vor der Scheune, nahm den Pumpschwengel, legte die Jacke ab und hielt den Kopf unter den Hahn.

Mit einigen kräftigen Pumpbewegungen liess er sich dass kalte Wasser über den Kopf laufen. Miguel schüttelte sich und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht. Dann ging er schnellen Schrittes Richtung Anwesen, sprang mit einem Satz auf die Veranda und schwang die schwere Eichentür auf. Miguel blieb kurz in Entree stehen, horchte und hörte ein leises Schnarchen aus der Bibliothek. Die Tür war nur angelehnt. Auf dem Ohrensessel vor dem Kamin lag mit einer Decke über den Beinen Pedro, die Cowboystiefel hatte er fein säuberlich neben dem Sessel abgestellt. Miguel schritt zum Fenster und öffnete mit viel Schwung die schweren, deckenhohen Vorhänge. Die Sonne warf ihren Schein auf den Ohrensessel und Pedro erwachte murrend und jammernd, drehte sich auf die Schattenseite und mummelte sich in die Decke. Miguel schritt auf den Sessel zu und zog Pedro die Decke weg. Als das auch nichts half, nahm Miguel den linken Arm von Pedro und zog ihn aus dem Sessel.

Amelie stieg die Treppe herab und betrat das Wohnzimmer. Sie hörte eine Mädchenstimme, die mit ihrer Mutter sprach. Als sie die Tür zum nächsten Zimmer, in der sie die Stimmen vermutete öffnen wollte, sprang diese auf und ein dunkelhaariges Mädchen mit braunen grossen Mandelaugen schaute sie an. Das Mädchen drehte sich um und fragte ihre Mutter “Mam, ist das Amelie?“. Margarita lächelte das Mädchen an und nickte. Margarita stellte einen Teller mit aufgeschnittenem Brot auf dem grossen, gedeckten Tisch ab und kam Amelie entgegen.

Sie bot ihr einen Stuhl an und nahm bat Francesca die Kaffeekanne aus der Küche zu holen. Francesca kam kurz darauf, die Kaffeekanne in beiden Händen haltend zurück und fragte Amelie höflich, ob sie eine Tasse einschenken dürfte. Amelie lächelte freundlich und Francesca schenkte ihr ein. “Milch und Zucker?“fragte Francesca – Amelie nickte. Margarita setzte sich zu Amelie und reichte ihr Butter und Konfitüre. Francesca verliess mit der Kaffeekanne den Raum. Margarita rief ihr nach, sie solle nach ihren Onkeln sehen. Francesca lief an den beiden vorbei und liess die Eingangstür ins Schloss fallen. Margarita wand sich wieder Amelie zu, die zu Frühstücken begann.

Wenig später hörte man im Hof Franco und Antonio näher kommen, die sich mit Francesca unterhielten. Antonio öffnete die Tür und liess Francesca den Vortritt. Franco betrat den Raum, gab Margarita einen Kuss auf die Wange und begrüsste Amelie. Dann nahm er zwei Scheiben Brot und setzte sich neben Margarita. Antonio setzte sich neben Amelie und fragte, ob Sie gut geschlafen hatte. “So gut, wie noch nie!“ Antwortete sie lächelnd und trank einen Schluck Kaffee. Francesca brachte die Kaffeekanne aus der Küche und schenkte den beiden Männern ein.

Beato sass mit einer Zigarillo im Mundwinkel rauchend in der Ecke. Vor sich eine leere Tasse Kaffee, eine zusammen gerollte Zeitung und ein halbleeres Glas Whiskey. Er beobachtete nachdenklich die vor dem Fenster auf der Strasse vorbei gehenden Menschen. Mit den Augen verfolgte er ein blondes Mädchen, welches einen kleinen weissen Sonnenschirm trug. Dann öffnete sich die Tür zum Foyer des Hotels und Cristiano betrat den Gastraum. Er lehnte seine Winchester an die Wand, klopfte Beato auf die Schulter und setzte sich zu ihm auf die Bank, beide nickten sich zu. Der Ober kam hinter dem Tresen hervor und beide orderten einen starken Kaffee.

Cristiano nahm die Zeitung und warf einen Blick auf die Schlagzeilen. Dann legte er diese beiseite und hob das Bündel mit Fellen auf den Tisch.  Der Ober blickte kurz auf und sah zu den beiden hinüber. Cristiano strich über das Bündel und teilte Beato mit, dass die anderen Bündel schon auf den Pferden festgezurrt wäre. Beato nahm die Zigarre aus dem Mundwinkel und drückte diese auf dem Steinaschenbecher aus. Der Ober brachte die beiden Tassen Kaffee und stellte umständlich das zierliche Milchkännchen und den Zucker auf dem Tisch ab. Er räusperte sich, Cristiano griff in die Brusttasche und zog zwei Münzen heraus, drückte diese dem Ober in die Hand und meinte “Basst scho!“

Der Ober verneigte sich zackig und wandte sich seiner Theke zu. Als die beiden Männer ihren Kaffee ausgetrunken hatten, standen sie wortlos auf, schnappten sich ihre Habseeligkeiten und verliessen das Hotel über den Haupteingang. Sie wandten sich der Scheune neben dem Hotel zu, durchschritten das Tor und banden ihre Pferde los. Cristiano band das Fellbündel zu den schon vorhandenen hinter dem Sattel fest und schwang sich auf seinen Mustang. Cristano sass schon auf und sein Brauner durchtrabte das Scheuentor.

Draussen wartete er kurz auf Beato, blickte zurück. Als dieser ebenso auf die Strasse kam, nahm er die Zügel strenger und beide ritten im leichten Galopp aus der Stadt hinaus, an flanierenden Pärchen vorbei, deren Frauen grosse lederne Umhängetaschen trugen. Als sie rechts zum Bahnhof abbogen, dachte Cristiano kurz, dass er Rico in eine Seitengasse gesehen hätte. Er gab seinem Mustang die Sporen.


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 7

10. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 7:

Dann stand Pedro auf, nahm die Flaschen, sowie die Gläser vom Tisch auf, reichte Amelie die Hand und bat sie freundlich mitzukommen. Sie zögerte kurz, nahm dann seine Hand und hängte sich bei ihm unter den Arm. Beide gingen zum Tisch der Escobars, Pedro stelle die Flasche und die Gläser auf dem Tisch ab, drehte sich um und suchte zwei funktionsfähige Stühle. Einen schob er Amelie hin und beide setzten sich. Franco Escobar entkorkte, wie von ihm gewohnt, die zweite Flasche mit den Backenzähnen. Dann verteilte er die Gläser und schenkte diese randvoll ein. Einen Spritzer goss er sich über den Unterarm. Dort hatte er sich eine leichte Schnittwunde geholt. Die leere Flasche warf er nach hinten über die Schulter. Pedro stellte Amelie die bereits Sitzenden vor. Franco verzog keine Miene und brummte nur kurz. Antonio konnte nicht, da er eine geschwollenen Kiefer hatte. Nur Margarita lächelte freundlich. Miguel winkte Cristiano und Beato und beide gesellten sich zur Tischrunde. Nun liess man den Abend und speziell die Schlägerei noch einmal in Worten Revue passieren. Es wurde doch noch viel gelacht und nicht unerheblich getrunken. Bis der Morgen graute.

Antonio und Franco torkelten die Arme um den jeweils anderen geschlungen aus dem Saloon, stolperten über den Gehweg und kamen erst in der Mitte der Strasse zu stehen. Sie drehten sich um und Franco nahm noch einen tiefen Schluck aus der Whiskeyflasche. Dann warf er diese über die Schulter. Antonio schaute enttäuscht der Flasche nach. Franco griff in die Jackentasche und zauberte eine volle heraus. Beide grinsten und lachten. Dann schwangen die Saloontüren erneut auf und Amelie und Margarita kamen heraus. Gefolgt von Beat und Cristiano, in deren Anschluss Miguel und Pedro ins Freie traten. Da weder die Brüder Escobar, noch die Brüder Gorrión noch reiten konnten und man sich dem letztjährigen „Unfall“ von Miguel erinnerte, holte zuerst Margarita ihre Kutsche aus dem Stall neben dem Saloon. Miguel begleitete sie so gut er konnte. Nach wenigen Minuten kam die Kutsche mit den beiden auf dem Bock angetrabt. Margarita bremste die Pferde und Miguel sprang vom Bock. Landete aber unsanft auf der staubigen Strasse. Er schrie auf und hielt sich die Schulter. Margarita kletterte von der Kutsch und beugte sich zu ihm. Er schaute auf und meinte nur „Reingefallen!“ Margarita gab ihm einen Schlag auf den Brustkorb.

Die Herren banden ihre Pferde hinten an der Kutsche an. Nur Cristiano und Beato verabschiedeten sich, sie würden aber am Nachmittag bei den Escobars vorbei schauen. Sie hatten ja noch ihre Felle zu verkaufen. Margarita und Amelie nahmen auf dem Kutschbock Platz. Die Brüder Escobar und Gorrión halfen sich gegenseitig schwerfällig und umständlich auf die Ladefläche. Schliesslich sassen oder lagen dann doch alle auf der Kutsche und die Fahrt zur Escobar-Ranch konnte losgehen. Franco und Pedro hatten für den Wegeproviant gesorgt – nur die Gläser fehlten. Im Osten war schon die Sonne aufgegangen und man durchfuhr gegen 8 Uhr das Tor. Dann nach weiteren 10 Minuten Fahrt war das Anwesen der Escobars erreicht. Antonio war eingeschlafen und Franco hatte Mühe ihn ins Haus zu schleppen. Miguel verabschiedete sich von Margarita. Pedro begleitete sie bis zur Haustür, stellte ihre Tasche ab und küsste Amelie auf die Wange. Dann drehte er sich um und schritt zurück zur Kutsche. Miguel hatte die Pferde der Escobar-Brüder in den Pferch gebracht und kam zurück zur Kutsche. Margarita bot Miguel und Pedro an, dass sie die Kutsche für die Heimfahrt nehmen sollten und am Nachmittag auch vorbei kommen sollten. Miguel sagte sofort zu. Also setzten sich die beiden auf den Bock, wendeten die Kutsche und fuhren Richtung Ranch de Gorrión.


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 6

9. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 6:

Franco machte einen Satz vorwärts, packte Rico mit beiden Händen am Sakko und schob ihn vor sich her. Rico riss die Augen auf und ruderte mit den Armen. Amelie hatte Rico`s Hand los gelassen und stand wie angewurzelt da. Antonio hatte Franco und Rico erreicht und versuchte die beiden zu trennen. Franco holte mit der Rechten aus und verpasste Rico einen heftigen Schlag in die Magengegend. Rico sackte zusammen und blieb schmerzgekrümmt liegen. Franco bekam Ricos Sakko zu fassen und zerrte ihn von der Wand an der Bühne vorbei. Rico bekam strauchelnd einen Stuhl zu fassen und schlug diesen Franco über den Rücken. Krachend zerbrach dieser und Franco ging zu Boden. Nun rannte Antonio auf Rico zu, fasste ihn mit beiden Armen und warf ihn auf einen der Tische. Im Flug prallte Rico zuerst gegen einen der männlichen Gäste, beförderte diesen auf das Parkett und landete unsanft auf besagtem Tische. Dieser kippte und ein darauf stehendes Pärchen fiel nach hinten herunter. Nun beteiligten sich einige Umstehende an der Keilerei. Stühle flogen, Gläser flogen und Fäuste flogen. Mittendrin Franco und Antonio Rücken an Rücken. Miguel liess Margarita stehen und stürzte den Escobars zu Hilfe. Ein Stuhl flog an Beato, Cristiano und Pedro vorbei über die Theke und landete im Wandspiegel. Pedro prostete Chris zu. Dann tranken die drei die Whiskeygläser auf einen Zug leer, sprangen von der Theke und folgten Miguel in die mittlerweile vorherrschende Saalschlägerei.

Miguel hob einen Stuhl, der noch heil geblieben war, vom Boden auf und setzte sich zu den an einem noch intakten Tisch sitzenden Brüder Escobar neben Margarita. Der Saloon war fast menschenleer. Es war ruhig. Keine Musik mehr. Kein Wunder; denn der letzte Mexikaner lehnte bewusstlos vor der Bühne und hatte seine Gitarre wie einen Bilderrahmen um. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld. Zerbrochene Tische und Stühle lagen herum, teile der Dekoration hingen zerrissen von der Decke und den Wänden. Nur der Mann am Tisch in der rechten Ecke schlief immer noch den Schlaf des Gerechten und schnarchte leise vor sich hin. Cristiano stand, sich die Schulter massierend, an die Theke gelehnt neben Beato. Dieser hatte den rechten Fuss auf seine beiden Biberfellpakete gestellt. Pedro suchte hinter der Bar nach zwei noch unversehrten Whiskeyflasche – genug saubere Gläser hatte er schon gefunden. Pedro klemmte sich die beiden Flaschen unter den Arm, in den Händen die aufeinander gestapelten Gläser und stieg über den liegenden Barkeeper. Als er die Bartür mit dem Fuss aufschwingen liess, sah er Amelie in der Ecke sitzen. Sie hatte das Gesicht in die Handflächen vergraben. Pedro stellte eine Flasche auf die Theke zurück und ging zu ihr hinüber.

Amelie erschrak und sah ihn an. Pedro setzte sich neben sie. Amelie hatte die Augen tränengefüllt und sagte leise, dass Rico verschwunden war. Pedro senkte den Kopf, stand auf, ging zur Bar und holte die zweite Flasche auf der Theke. Auf dem Weg zurück zu Amelie entkorke er diese mit den Zähnen und nahm einen tiefen Schluck. Dann setzte er sich, zog eine verbeulte Cubana aus der Jackeninnentasche, zündete diese an und erzählte die Geschichte von Rico und was vor 15 Jahren passiert war, von Margarita und der Story in der Scheune, von Margaritas und Ricos Tochter Francesca und von Papa Escobar und von der Suche nach Rico durch die Brüder Escobar. Amelie hörte still zu. Als Pedro sich zurück lehnte und einen tiefen Zug aus der Cubana nahm, schnappte sich Amelie die Whiskeyflasche, schenkte sich randvoll ein und trank den Whiskey auf einen Zug leer. Dann erzählte sie Pedro ihre Geschichte mit Rico. Sie hätte ihn in San Francisco kennen gelernt. Zu dieser Zeit war sie festes Mitglied beim Klassischen Ballett tanzte regelmässig im Opernhaus. Da das Geld nicht reichte, verdiente sie sich in der Flamenco-Truppe ein wenig Geld dazu. Dann plante die Truppe eine Tournee durch Colorado. Kurz vor Abreise brach sich der Tanzpartner ein Bein und Rico sprang für diesen ein. Und nun scheint es mit der Flamenco-Tournee vorbei zu sein. Sie deutete auf den Mexikaner mit der Gitarre um den Hals. Pedro schenkte die beiden Gläser voll und hielt das eine Amelie hin. Sie nahm es, lächelte und stiess mit Pedro an. Dann warfen beide einen nachdenklichen Blick in den zerstörten Saloon und blickten zum Tisch an dem die Escobars sassen.


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 1

8. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 1:

Die Brüder Don Miguel und Don Pedro de Gorrión hatten die ganze Woche hart für ihre Ranch gearbeitet. Pedro, ein Pferdezüchter, war extra vor einem Monat vom Diamond Valley in den Rocky Mountains mit Sack und Pferd mit der neuen stählernen Dampfeisenbahn angereist. Wie jedes Jahr half er seinem Bruder und dessen Cowboys beim Zusammentreiben der Rinder. Heute nun hatten sie es geschafft. Sämtliche Rindviecher, welche den ganzen Frühling und Sommer auf der weitläufigen Pampa rund um die Hazienda de Gorrión weideten, befanden sich für den Transport nach Sacramento im grossen Pferch.

Zur Entspannung wollten sich die Brüder deshalb abends ein paar Cervezas in Castillo de la Lluvia genehmigen. In der Zeitung hatte Pedro nämlich gelesen, dass eine Flamenco-Truppe im neu eröffneten Saloon in der Stadt auftreten würde. Castillo de la Lluvia erreicht man von der Hazienda de Gerrión in nur 30 Minuten im leichten Galopp. Pedro wartete schon auf der Veranda. Er sass im Schaukelstuhl und hatte sich eine Cubana angesteckt. Die silbernen Sporen der frisch polierten schwarzen Lederstiefel glänzten in der untergehenden Sonne. Er lehnte sich zurück, nahm den linken Arm hinter den Kopf und schielte in Richtung Eichentür. Von Miguel war noch nichts zu hören. Er beugte sich leicht nach vorne und klopfte sich den letzten Staub aus der dunklen rauen Lederhose. Extra für diesen Abend hatte er sein neues weisses Hemd angezogen. Die schwarze Lederjacke hing über der Verandareling. Gerade als er die Cubana das erste mal lässig abstaubte, öffnete Miguel die schwere Haustür. Miguel hatte seine neue braune Wildlederhose an, ein graues Hemd und darüber eine dunkelbraune Lederjacke. Sein brauner Cowboyhut hing lässig im Nacken, so dass man sein frisch geschniegeltes dunkles Haar sehen konnte. Auch hatte er sich frisch rasiert. Im linken Mundwinkel hing eine frisch angesteckte Zigarillo. Er warf Pedro wortlos dessen schwarzen Cowboyhut zu, schnallte sich den nietenbesetzten Coltgürtel um und trat mit zugekniffenen Augen auf die Veranda. Pedro erhob sich aus dem Schaukelstuhl, nahm seine Lederjacke von der Reling, schob den Colt mit Elfenbeingriff in den Gürtel und beide schritten nebeneinander zu ihren frisch gestriegelten Mustangs. Mit einem lässigen Schwung sassen beide auf, wendeten die Pferde und ritten im leichten Galopp zum Torbogen der Hazienda.

Nach einer halben Stunde erreichten die beiden die ersten staubigen Strassen des Westbezirkes von Castillo de la Lluvia. Pedro fielen zuerst die vielen hölzernen Kinderwägen auf. So viele hatte er letztes Jahr nicht gesehen. Es kam sogar vereinzelt zu Kinderwagenunfällen auf den Bürgersteigen. Dann erreichten sie die einzige gepflasterte Strasse in Castillo de la Lluvia – die Strada del Monetas – auch lappidar “Einkaufsmeile? genannt, obwohl sie nur knapp halb so lang war und direkt am Bahnhof endet. Hier boten Kaufleute, Büchsenmacher, Zuckerbäcker und edle Massschneider ihre Ware feil. Auch die einzige und daher reichste “Banca del New Mexico? hatte dort ihren Sitz. Offen ausgesprochenen Gerüchten zufolge kam der Reichtum aber hauptsächlich durch Wucherzinsen zustande. Auch hätten viele Nichtansässige im steinernen Keller Fächer mit dicken Tresortüren mit unermesslichen Schätzen gefüllt. Aber keiner hätte diese bisher gesehen. Pedro fragte Miguel, ob ihm auch die Frauen mit den grossen seitlich umgehängten Ledertaschen oder auf dem Rücken getragenen Stoffsäcken aufgefallen wären. Miguel schaute verwundert um sich, dann nickte er und meinte es wäre jetzt “IN?. Pedro runzelte die Stirn. Vor einem Massschneider hatte sich eine grosse Menschentraube gebildet. Miguel erklärte Pedro, dass diesen Kaufladen ein italienischer Schneider eröffnet hätte und “Michelangelo? heissen würde. Jeder würde nun dort einkaufen wollen und der Schneider käme wegen der schlechten Liefersituation aus Italien nicht nach. Auch wenn die Kleider bei “Michelangelo? drei Mal soviel kosten würden, wie beim besten Hausschneider der de Gorrión`s. Pedro runzelte erneut die Stirn.

Vor dem neuen Saloon hatte sich eine bereits eine grosse Menschentraube gebildet. Auch hier waren viele der Wartenden entweder mit am Rücken befestigten Stoffbeuteln, die jungen Frauen mit grossen seitlich hängenden Ledertaschen, bewaffnet. Als die Brüder vor dem Saloon die Mustangs festmachten, schlug die Glocke der gegenüber neu errichteten Kirche zuerst vier Mal im hellen Klang und anschliessend 10 Mal sehr dumpf. Das Musik- und Stimmengewirr aus dem Saloon konnte man schon von der Strasse hören. Links vom Eingang etwas Abseits stand im Halbdunkel ein junges Pärchen eng umschlungen. In der einen Hand eine kleine Blechdose, aus der beide abwechselnd tranken und in der anderen eine kleine Zigarillo aus der ein bläulicher Rauch entstieg. Vor dem Eingang standen links und rechts je eine Fackel und je eine dunkle grosse Gestalt mit langen schwarzen Ledermänteln und verschränkten Armen. Beide begutachteten die um Einlass bittenden und schienen diese auszusortieren. Viele wurden allein aufgrund zerrissener Beinkleider oder nackter Füsse abgewiesen. Andere erhielten trotz dieser Makel Einlass, als diese ein kleines Holztäfelchen mit bunten Symbolen den dunklen Gestalten zeigten. Miguel und Pedro passierten die beiden grimmig schauenden Schurken und grüssten mit einem Griff zum Cowboyhut. Pedro erreichte die Schwingtür und warf einen Blick darüber. Erst als er hinter sich die Schritte von Miguel hörte, warf er beide Flügel auf. Ohne zu zögern gingen beide zur Bar, welche die gesamte linke Seite des Saloons einnahm. Pedro rückte sich einen wackeligen Holzhocker zurecht und setzte sich mit dem Rücken zu Bar mit beiden Ellbogen auf die Theke aufgelehnt. Miguel stellte seinen Fuss auf den Messingabsatz und bestellte zwei Krüge Cerveza.


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 5

8. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 5:

Als Pedro seinen Augen von Amelie nachdenklich abwendete und Richtung Eingang blickte, sah er just in diesem Moment die zwei Escobar-Brüder herein kommen. Im Schlepptau Margarita! Cristiano grinste und Miguel wandte sich zu Pedro „Jetzt wird es spannend.“ Beato lehnte an der Theke. Er hatte das Cerveza-Glas in der rechten und das fast leere Whiskey-Glas in der linken, überlegte kurz und trank zuerst den Whiskey aus, schüttelte mit zugekniffenen Augen den Kopf und schluckte hinterher das Bierglas leer. Die Escobars drängten sich durch die Menschenmenge und entdeckten dann Miguel. Antonio Escobar, der ältere und stämmigere der beiden Brüder winkte. Miguel winkte zurück und begrüsste Margarita mit Handkuss. Margarita war eine schlanke Schönheit. Lange tiefschwarze lockige Haare, mandelbraune Augen, ein Stubsnäschen, schmale dunkelrote Lippen. Miguel schwärmte schon seit seiner Kindheit für Margarita, aber bisher nur heimlich. Sie trug ein dunkelviolettes Kleid und eine silberne Kette mit einem kleinen Kreuz um den Hals. Antonio klopfte Pedro lächelnd auf die Schulter und fragte nach, ob beim Zusammentreiben der Rinder alles problemlos ablief. Pedro erzählte, dass sich lediglich der Gaul eines Cowboys den Vorderfuss verstaucht hatte. Letztes Jahr waren gleich zwei Cowboys im Eifer des Gefechtes mit samt der Pferde einen steinigen Abhang hinunter gerutscht. Ein Armbruch und ein lahmender Mustang waren damals das Ergebnis. Aber dieses Jahr spielte auch das Wetter mit. Franco Escobar begrüsste Cristiano und Beato. Franco, der jüngere der beiden handelte mit Tierfellen und wollte daher wissen, wie es in der angehenden Wintersaison lief. Beato zeigte auf die unter der Eckbank befindlichen Biberfelle und hob den Daumen. Die Diskussionen wurden abrupt durch die einsetzende Musik der Mexikaner unterbrochen. Der Vorhang öffnete und die dunkle Lady setzte ihre Stimme, sowie ihre Beine wieder voll ein. Die drei Flamenco-Pärchen standen im Halbkreis und klatschten und stampften im Takt. Die Gäste, welche sich zwischenzeitlich an den runden Holztischen gesetzt hatten standen wieder auf und johlten und tanzten kreuz und quer. An der Theke war endlich mehr Platz und die Franco schnappte sich die fast leere Whiskeyflasche, leerte den letzten Rest in ein Glas und schob die Flasche auf der Theke mit Schwung Richtung Barkeeper. Der Barkeeper schaute kurz auf und Franco bedeute ihm, dass er noch eine bringen sollte. Der Keeper griff in das Regal hinter sich mit der einen Hand und schob diese zusammen mit drei weitere Gläser über die Theke.

Margarita trank aber keinen Whiskey, sondern orderte einen von diesen neumodischen bunten Drinks mit Früchten und Strohhalm. Franco nahm die Whiskeyflasche, zog den Korken mit den Backenzähnen und schenkte die Gläser voll. Er prostete den anderen zu. Antonio führte das Glas zum Mund und schaute auf die Bühne. Mitten in der Bewegung hielt er inne und schüttete sich einige Tropfen Whiskey auf das frisch gewaschene Hemd. Franco lachte, drehte sich dann aber auch um und blickte Richtung Bühne. Dann wusste er warum Antonio wie angenagelt da stand. Franco warf das halbvolle Glas auf den Boden. Margarita sah ihn fragend an. Cristiano rempelte Beat an, der sich mit der Dame neben sich beschäftigte. Beat fragte, was los sei. Cristiano deutete nur auf die Escobar-Brüder. Franco und Antonio standen breitbeinig mit zugekniffenen Augen mit dem Rücken zur Bar und beobachteten das Pärchen. Noch schienen sie es noch nicht glauben zu können, dass da vorne Rico, der gute alte Enrico dela Espuma-Agita, mit einer hübschen Dame in einem Saloon auf der Bühne in Castillo de la Lluvia unbeschwert Flamenco tanzte. Margarita stand etwas verwirrt dreinschauend hinter ihren Brüdern und schaute abwechselnd Miguel und Pedro an. Miguel legte den Arm um sie und prostete ihr zu. Pedro zuckte nur die Schultern, schenkte sich Whiskey nach und stiess mit Margarita und Miguel an. Antonio wendete sich Franco zu. Dann fingen die beiden heftig zu diskutieren an.

Der Flamenco-Abend war gegen Mitternacht auf seinem Höhepunkt. Auf den Tischen, welche im Saloon rechts und links zusammen gestellt waren, tanzten Gäste. Ebenso mittlerweile auf der Galerie. Vor der Bühne war das grösste Gedrängel. Die Mexikaner gaben Zugabe um Zugabe. Die drei Pärchen steppten und drehten sich ohne Ende. Und die dunkelhaarige Schönheit sang und tanzte, dass sich die Balken bogen. Franco hatte sich eine zweite Whiskeyflasche geholt und sass nun auf einem Barhocker. Neben ihm stand Antonio und redete auf ihn ein. Ein Stück entfernt von den beiden versuchten sich Miguel und Margarita im Flamenco. Margarita hielt in der einen Hand ihren bunten Drink und liess sich mit der anderen Hand von Miguel drehen. Miguel stampfte im Takt mit den Stiefeln auf das Parket. Cristiano und Pedro sassen mittlerweile auf der Theke und lehnten sich mit dem Rücken gegen die Regalwand. Zwischen ihnen lag eine leere Flasche Whiskey. Cristiano schenkte mit einer halbleeren in der rechten Hand grad zwei Gläser ein, als die Flamenco-Gruppe zum vorderen Rand der Bühne ging und sich verneigte. Die Menge gab tosenden Applaus und der Saloon war mit Dacapo-Rufen und Pfiffen erfüllt. Der Vorhang fiel. Durch den Vorhang schritt die dunkelhaarige Tänzerin und verneigte sich. Es solle nach einer kleinen Pause gleich weiter gehen. In diesem Moment stand Franco auf, drängte sich an Antonio vorbei und ging energisch auf der rechten Seite, sich durch die Menge kämpfend, Richtung Bühne. Antonio ging ihm in etwas Abstand nach. Als Franco fast die Bühne erreicht hatte, kamen seitlich von der Bühne die Flamencotänzer die Treppe herunter. Darunter auch Rico und an seiner Hand Amelie.


Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 4

8. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 4:

Pedro kannte Enrico de La Espuma-Agita, kurz Rico genannt, sehr gut. Als die Ranch de Gorrión noch von den Eltern von Pedro und Miguel bewirtschaftet wurde, arbeitete Rico auf dem angrenzenden Gut der Escobars. Die Escobars hatten eine Pferdezucht und Rico war für das Zureiten der Zuchtpferde zuständig. Falls die Zeit es zuliess waren Pedro, Miguel, Cristiano und Rico aber auch in der Pampa und in den Bergen unterwegs und fingen Wildpferde ein. Diese versuchten sie dann gemeinsam zu zähmen. Rico besass ein Händchen für Pferde und hatte schon damals die besten Erfolge beim Zureiten. Allerdings verschwand er dann plötzlich von heute auf morgen. Angeblich hatte er den Job zu wörtlich genommen; denn Papa Escobar hatte ihn inflagranti mit dem 16jährigen Töchterchen Margarita Escobar in der Scheune erwischt. Seit dieser Zeit war Enrico de La Espuma-Agita spurlos verschwunden – mindestens 15 Jahre lang. Pedro klopfte Cristiano auf die Schulter, welcher sich im Rhythmus der Musik mit dem Glas in der Hand bewegte. Dann erzählten Miguel und Pedro auch Cristiano, dass der Tänzer rechts auf der Bühne eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit Rico hätte. Cristiano drehte sich blitzschnell um, stellte sich auf die Zehenspitzen, warf einen kurzen Blick Richtung Bühne, drehte sich wieder zu Miguel und Pedro und nickte heftig. Es musste somit Rico sein. Das war Pedro eine Runde Whiskey wert. Er winkte dem Barkeeper. Dieser wollte vier Gläser einschenken. Pedro winkte erneut und deutete auf eine Flasche im Regal unter dem Spiegel.

Der Barkeeper stellte die Whiskey-Flasche, vier Gläser und eine Portion Eisstücke auf die Theke. Beato schaute verwirrt zuerst die Flasche und dann die drei Freunde an. „Schon wieder feiern bis der Totengräber kommt?“ Stand in seinem Gesicht. „Was heisst schon wieder?“ Die letzte gemeinsame Flasche Whiskey war fast genau ein Jahr her. Miguel hatte sich damals die Schulter böse geprellt, als er beim nach Hause Ritt vom Pferd fiel. Und das auch nur, weil er verkehrt herum aufgestiegen war und verzweifelt das Halfter gesucht hatte. Er beugte sich zu weit vorn/hinten über den Schweif und schon war es geschehen. Auch Beato wurde schliesslich über den Fall Rico informiert, Pedro füllte die Gläser und die vier stiessen auf den Abend an. Der erste Whiskey brennt am meisten, besonders wenn es sich um schwarz Gebrannten handelt. Cristiano stellte das Glas ab und nahm einen tiefen Zug aus der Kubanischen Zigarre. Er lehnte sich an die Theke und schnitt dann ein besonders brisantes Thema an. „Weiss Rico, dass sein Scheunen-Reiten mit Margarita nicht ohne Folgen geblieben ist und er Papa Escobar zum Opa gemacht hat? Und die beiden Brüder Escobar lange nach Rico geforscht hatten?“ Die vier Amigos schauten zuerst zum immer noch tanzenden Rico und dann sich gegenseitig an – gemeinsames Kopfschütteln. Margarita Escobar ist heute 31 und lebt mit ihre 14jährigen Tochter Francesca immer noch auf der Ranch der Escobar`s. Der Gag an der Sache: In der zum Gästehaus umgebauten Scheune.

Der Vorhang schloss sich und übertosender Applaus erfüllte den Saloon. Die Flamenco-Truppe legte eine Pause ein. Der Klavierspieler war an der Reihe und er haute in die Tasten. Miguel beobachtete aus den Augenwinkeln wie Enrico den Arm um seine brünette Flamenco-Partnerin legte und die beiden dann von der Bühne her quer durch die Menschenmenge plaudernd und lachend zur Theke kamen. Als die beiden an den vier Amigos vorbei gingen, drehten sich die Vier um und riefen „Olá Rico!“ Rico stand kurz wie angenagelt da, dann lachte er und man begrüsste sich per Handschlag. Rico stellte die brünette Tanzpartnerin vor. Ihr Name war Amelie. Pedro besorgte noch zwei Gläser und schenkte Whiskey nach. Rico erzählte, dass er sich nach seinem Verschwinden nach Spanien – nahe Barcelona – abgesetzt hatte. Die Karte für die Überfahrt nach Europa verdiente er sich angeblich als Tellerwäscher und Zeitungsjunge. In Barcelona verdingte er sich dann für 4 Jahre auf einem Gestüt als Pferdepfleger, bis es zum Zerwürfnis mit dem Besitzer kam. Dann nahm er seine Ersparnisse und reiste zurück nach Colorado. Amelie lernte er erst vor wenigen Wochen in San Francisco kennen. Als ein Flamenco-Tänzer kurz vor Beginn der Tournee sich ein Bein brach, hätte Amelie dann Rico überredet einzuspringen. Nun tingelte er zusammen mit der Flamenco-Truppe durch das Land, was ihm Spass machte, weil man immer neue Leute kennen lernen würde. Dabei nahm er Amelie in den Arm und sah ihr tief in die Augen. Und alte Freunde treffen würde! Und Rico prostete den vier Amigos zu. Miguel erzählte, dass er nun die Ranch führen würde und was so noch in den letzten Jahren passiert war. Amelie wandte sich zu Pedro und fragte, woher er und seine Freunde Rico kennen würden. Amelie merkte man einen französischen Dialekt an und sie sah von der Nähe noch besser aus, aber „der helle Schein“ war verschwunden. Pedro sah in ihre blauen Augen, nahm einen tiefen Zug aus der Zigarre und bliess den Rauch über die Nase langsam aus. Dann machte er eine raumgreifende Bewegung mit dem Arm und brachte nur ein „Rico kennen wir schon sehr lang“ heraus. Amelie erzählte Pedro, dass sie aus Paris kommen würde und klassisches Ballet gelernt hätte. Cristiano rempelte Pedro an und beide warfen sich einen viel sagenden Blick zu. Rico bot Amelie den Arm an und bedeutete den anderen, dass die Flamencoparty gleich weiter gehen würde. Beide gingen zurück zur Bühne und verschwanden hinter dem Vorhang.