Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 5


Der lange Weg nach Sacramento – Teil 5:

Als Pedro seinen Augen von Amelie nachdenklich abwendete und Richtung Eingang blickte, sah er just in diesem Moment die zwei Escobar-Brüder herein kommen. Im Schlepptau Margarita! Cristiano grinste und Miguel wandte sich zu Pedro „Jetzt wird es spannend.“ Beato lehnte an der Theke. Er hatte das Cerveza-Glas in der rechten und das fast leere Whiskey-Glas in der linken, überlegte kurz und trank zuerst den Whiskey aus, schüttelte mit zugekniffenen Augen den Kopf und schluckte hinterher das Bierglas leer. Die Escobars drängten sich durch die Menschenmenge und entdeckten dann Miguel. Antonio Escobar, der ältere und stämmigere der beiden Brüder winkte. Miguel winkte zurück und begrüsste Margarita mit Handkuss. Margarita war eine schlanke Schönheit. Lange tiefschwarze lockige Haare, mandelbraune Augen, ein Stubsnäschen, schmale dunkelrote Lippen. Miguel schwärmte schon seit seiner Kindheit für Margarita, aber bisher nur heimlich. Sie trug ein dunkelviolettes Kleid und eine silberne Kette mit einem kleinen Kreuz um den Hals. Antonio klopfte Pedro lächelnd auf die Schulter und fragte nach, ob beim Zusammentreiben der Rinder alles problemlos ablief. Pedro erzählte, dass sich lediglich der Gaul eines Cowboys den Vorderfuss verstaucht hatte. Letztes Jahr waren gleich zwei Cowboys im Eifer des Gefechtes mit samt der Pferde einen steinigen Abhang hinunter gerutscht. Ein Armbruch und ein lahmender Mustang waren damals das Ergebnis. Aber dieses Jahr spielte auch das Wetter mit. Franco Escobar begrüsste Cristiano und Beato. Franco, der jüngere der beiden handelte mit Tierfellen und wollte daher wissen, wie es in der angehenden Wintersaison lief. Beato zeigte auf die unter der Eckbank befindlichen Biberfelle und hob den Daumen. Die Diskussionen wurden abrupt durch die einsetzende Musik der Mexikaner unterbrochen. Der Vorhang öffnete und die dunkle Lady setzte ihre Stimme, sowie ihre Beine wieder voll ein. Die drei Flamenco-Pärchen standen im Halbkreis und klatschten und stampften im Takt. Die Gäste, welche sich zwischenzeitlich an den runden Holztischen gesetzt hatten standen wieder auf und johlten und tanzten kreuz und quer. An der Theke war endlich mehr Platz und die Franco schnappte sich die fast leere Whiskeyflasche, leerte den letzten Rest in ein Glas und schob die Flasche auf der Theke mit Schwung Richtung Barkeeper. Der Barkeeper schaute kurz auf und Franco bedeute ihm, dass er noch eine bringen sollte. Der Keeper griff in das Regal hinter sich mit der einen Hand und schob diese zusammen mit drei weitere Gläser über die Theke.

Margarita trank aber keinen Whiskey, sondern orderte einen von diesen neumodischen bunten Drinks mit Früchten und Strohhalm. Franco nahm die Whiskeyflasche, zog den Korken mit den Backenzähnen und schenkte die Gläser voll. Er prostete den anderen zu. Antonio führte das Glas zum Mund und schaute auf die Bühne. Mitten in der Bewegung hielt er inne und schüttete sich einige Tropfen Whiskey auf das frisch gewaschene Hemd. Franco lachte, drehte sich dann aber auch um und blickte Richtung Bühne. Dann wusste er warum Antonio wie angenagelt da stand. Franco warf das halbvolle Glas auf den Boden. Margarita sah ihn fragend an. Cristiano rempelte Beat an, der sich mit der Dame neben sich beschäftigte. Beat fragte, was los sei. Cristiano deutete nur auf die Escobar-Brüder. Franco und Antonio standen breitbeinig mit zugekniffenen Augen mit dem Rücken zur Bar und beobachteten das Pärchen. Noch schienen sie es noch nicht glauben zu können, dass da vorne Rico, der gute alte Enrico dela Espuma-Agita, mit einer hübschen Dame in einem Saloon auf der Bühne in Castillo de la Lluvia unbeschwert Flamenco tanzte. Margarita stand etwas verwirrt dreinschauend hinter ihren Brüdern und schaute abwechselnd Miguel und Pedro an. Miguel legte den Arm um sie und prostete ihr zu. Pedro zuckte nur die Schultern, schenkte sich Whiskey nach und stiess mit Margarita und Miguel an. Antonio wendete sich Franco zu. Dann fingen die beiden heftig zu diskutieren an.

Der Flamenco-Abend war gegen Mitternacht auf seinem Höhepunkt. Auf den Tischen, welche im Saloon rechts und links zusammen gestellt waren, tanzten Gäste. Ebenso mittlerweile auf der Galerie. Vor der Bühne war das grösste Gedrängel. Die Mexikaner gaben Zugabe um Zugabe. Die drei Pärchen steppten und drehten sich ohne Ende. Und die dunkelhaarige Schönheit sang und tanzte, dass sich die Balken bogen. Franco hatte sich eine zweite Whiskeyflasche geholt und sass nun auf einem Barhocker. Neben ihm stand Antonio und redete auf ihn ein. Ein Stück entfernt von den beiden versuchten sich Miguel und Margarita im Flamenco. Margarita hielt in der einen Hand ihren bunten Drink und liess sich mit der anderen Hand von Miguel drehen. Miguel stampfte im Takt mit den Stiefeln auf das Parket. Cristiano und Pedro sassen mittlerweile auf der Theke und lehnten sich mit dem Rücken gegen die Regalwand. Zwischen ihnen lag eine leere Flasche Whiskey. Cristiano schenkte mit einer halbleeren in der rechten Hand grad zwei Gläser ein, als die Flamenco-Gruppe zum vorderen Rand der Bühne ging und sich verneigte. Die Menge gab tosenden Applaus und der Saloon war mit Dacapo-Rufen und Pfiffen erfüllt. Der Vorhang fiel. Durch den Vorhang schritt die dunkelhaarige Tänzerin und verneigte sich. Es solle nach einer kleinen Pause gleich weiter gehen. In diesem Moment stand Franco auf, drängte sich an Antonio vorbei und ging energisch auf der rechten Seite, sich durch die Menge kämpfend, Richtung Bühne. Antonio ging ihm in etwas Abstand nach. Als Franco fast die Bühne erreicht hatte, kamen seitlich von der Bühne die Flamencotänzer die Treppe herunter. Darunter auch Rico und an seiner Hand Amelie.

2 Responses to Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 5

  1. Avatar von leu leu sagt:

    irgendwie hab ich das gefühl deine Kurzgeschichte ist eher lang!

  2. Avatar von PeterPan PeterPan sagt:

    Hi Mr. Leu..
    Ja mei.. und das kam so: Peter hat die Idee zu dieser Geschichte, meint er tippt das mal schnell an einem Abend, mit Namensfindung und Storybook-Leitfaden tippt Peter aber schon 5 Abende, und es fällt Peter immer wieder eine Fortsetzung ein (daher der Ur-Titel: „Fortsetzungs-Kurzgeschichte written by PeterPan“).
    Aber Du scheinst es tatsächlich gelesen zu haben. Wie ist die Meinung? Papierkorb?
    Gruss
    PeterPan

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